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Kinderseelen

FRAGEN DER ZEIT – Zukunft JETZT

POLITIK-LABOR – Ein Thema, drei Schwerpunkte: Aufmacher, Interviews, Europa-Artikel, Glosse und Lokaltexte aus Köln, Wuppertal und dem Ruhrgebiet

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Foto: Cornelia Wortmann

Kinderseelen
Intro

Kinder sind unsere Zukunft. Darin sind sich alle einig. Strittig dagegen ist der richtige Umgang mit dieser Zukunft und nicht zuletzt die richtige Diagnose der Gegenwart: Was ist dran an den Klagen, wir lebten in einer kinderfeindlichen Gesellschaft, in der aufzuwachsen eine Zumutung, eigentliches Kind-sein unmöglich sei? Ist sie bloß Zeichen einer extrem sensiblen Gesellschaft, die auch kleinste Verfehlungen gegen Kinder registriert? Sprechen gegen den negativen Befund nicht ein gereiftes Angebot von Gesundheitssorge, Erziehungsberatung, Frühförderung, verbesserte Gesetze zum Kinderschutz und ein subventioniertes Freizeitangebot? Wie sollen sich Eltern verhalten angesichts sich widersprechender Befunde? Wie viel Behütung braucht es, wie viel Freiraum? Sind Helikopter-Eltern besonders verantwortungsbewusst oder verdammen sie ihre Kinder zur Unselbständigkeit?

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TEIL 1: Neugier genügt


Eine Lernmaschine sei das Säuglingsgehirn, heißt es. 100 Milliarden Neuronen – so viel wie bei Erwachsenen. Sie warten darauf, billionenfach miteinander verschaltet zu werden. Unablässig verarbeitet das Gehirn Sinneswahrnehmungen, staunt über und kartiert die Welt, macht sich einen Reim auf die Dinge. In den ersten fünf Lebensjahren bilden sich Schaltkreise: Die Myelinscheide legt sich um häufig genutzte Verbindungen, die Nervenfaser verdickt sich und leitet Signale besser.

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TEIL 2: Ich bin Ich

Welche Tendenz nun zutreffen mag: Verhätschelung, Vernachlässigung oder gar ein gesundes Mittelmaß – all das prägt die junge Identität: Vorlieben und Abneigungen, die Fähigkeit zuzustimmen oder abzulehnen, mein eigener urteilender Blick auf die Welt. Nicht zuletzt: Ein Bewusstsein dafür, dass auch die Anderen ein Bild von mir haben. Dass meine Handlungen Folgen haben. Dass ich aus Früherem lernen kann. Welchen Einfluss hat die komplexer gewordene Welt auf die Identitätsfindung?

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TEIL 3: Liebe lernen

Ein moralisches Vermögen ist uns offenbar mitgegeben: Sechs Monate alte Säuglinge unterscheiden bereits Gut und Böse, anderthalbjährige Kleinkinder zeigen altruistisches Verhalten. Im Spiel lernen sie, dass Regeln wesentlich für unser Zusammenleben sind. Eltern, die es entgegen der Absprache wagen, den grünen Holzklotz (Seife) zu essen statt des gelben (Kartoffel), wissen, wie entschieden der Einspruch ausfallen kann. Dieselbe Fantasie erlaubt es Einfühlungsvermögen zu entwickeln. 

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