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Digital unverbunden


POLITIK-LABOR – Ein Thema, drei Schwerpunkte: Aufmacher, Interviews, Europa-Artikel, Glosse und Lokaltexte aus Köln, Wuppertal und dem Ruhrgebiet

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Composing: Robert Michalak
 

Digital unverbunden / Ende der Gewissheiten?
Intro (Link zur Langfassung)

Technik verändert alles, insbesondere die Menschen. Kaum zu ermessen, was etwa das allgegenwärtige Smartphone aus der Kommunikation gemacht hat. Telefonieren hieß vor gar nicht langer Zeit, im Wohnungsflur an ein wenige Meter messendes Kabel gebunden zu sein – ein Erlebnis, das jungen Menschen fast so fern sein dürfte wie älteren die Telegraphie. Das mündliche Gespräch zwischen Menschen verkommt indes geradezu zu einem Randeffekt des Smartphones. Vielmehr gerät es zum externen Gehirn, das das Leben strukturiert und zuweilen mehr Aufmerksamkeit bekommt sogar noch als nahestehende Menschen. Den Hintergrund bilden die gewaltigen Umwälzungen der Digitalisierung, die jeden Lebensbereich betreffen, Wahrnehmungen verändern, Beziehungen, Lebenswege, Privates, Öffentliches, Nationales, Globales.

Digital unverbunden / Ende der Gewissheiten?
Teil 1: Gesellschaft

Unüberschaubar viele Analysen, Berichte, Meinungen oder Stellungnahmen sind ständig verfügbar, von sachlich bis hanebüchen, aus allen Weltanschauungen und politischen Richtungen. Wahrheit ist damit vielleicht umstrittener als je zuvor, mit kaum zu überschätzenden Folgen für Gesellschaften und Regierungen. Jüngste (KI-)Techniken potenzieren diese Dynamik, Deepfakes etwa suggerieren Scheinwirklichkeiten, unterfüttern Verschwörungserzählungen und untergraben das Vertrauen in wahre Bilder, Reden oder Handlungen. Weder politische Regeln noch die allgemeine Medienkompetenz sind dem entfernt angemessen. Gibt es Wege dahin?

Digital unverbunden / Ende der Gewissheiten?
Teil 2: Freundschaft

Der weitverbreite zwanghafte Griff zum digitalen Medium spricht dafür, dass etwas außer Kontrolle gerät und dass es das emotionale und soziale Leben nicht nur verändert, sondern auch schädigen kann. Wer hat noch kein Pärchen beobachtet, das sich im Café ausdauernd getrennt mittels Smartphones beschäftigt, Freunde, die sich um den kleinen Bildschirm scharren als wären die anderen nicht da, Eltern, die beim Schieben des Kinderwagens alle Aufmerksamkeit dem Telefon schenken, während das Kind vergeblich Blickkontakt suchen muss? Vermitteln zunehmend Geräte Sicherheit und Verbindlichkeit – während Menschen und Beziehungen das immer weniger vermögen?

Digital unverbunden / Ende der Gewissheiten?
Teil 3: Beruf

Heutzutage ist das Wissen um existentielle Entscheidungen, etwa über den eigenen Lebensweg, nur noch wenige Klicks entfernt. Trotzdem finden viele junge Menschen erst spät zu einem Berufsleben, das auf verbindlichen Entscheidungen beruht. Fällt die Wahl darum schwer, weil sie perfekt sein soll? Sinkt die Frustrationstoleranz, die es braucht, um erste schwierige Etappen durchzustehen, Imperfektion, Kompromisse und eine wacklige „Work-Life-Balance“ zu akzeptieren? Oder steht dahinter im Gegenteil das Bewusstsein über den eigenen (beruflichen) Wert, das sich auf Zumutungen nicht einlassen will, die ältere Generationen nie hinterfragt hätten? Ist es die Abkehr von einer Verbindlichkeit, die eher eine Form von Selbstausbeutung war?

Digital unverbunden / Ende der Gewissheiten?
Teil 4: Europa gestalten – Vorbild Dänemark

Neben spannenden Perspektiven und unbestreitbaren Vorteilen, die die Digitalisierung mit sich bringt, birgt sie auch die Gefahr, dass Bevölkerungsgruppen außen vor bleiben und von den Vorteilen ausgeschlossen werden. Wie die digitale Inklusion aller Bevölkerungsgruppen auf den Weg gebracht wird, zeigt das Beispiel Dänemark. Seit 2021 verfügt Dänemark über ein neues, digitales Identifikationssystem namens „MitID“, was so viel bedeutet wie „Meine ID“. Über diesen zentralen Zugang findet Kommunikation mit Behörden statt, aber auch Versicherungen und Banken bedienen sich dessen vermehrt, einschließlich der damit verbundenen Zwei-Stufen-Authentifizierung.

Digital unverbunden / Ende der Gewissheiten?
Teil 5: Glosse – Vom Unsinn der Debatte über die junge Generation

Sind junge Menschen faul? Diesen Eindruck bekommt leicht, wer in jüngerer Zeit eine Zeitung aufschlägt oder Diskussionen im Fernsehen verfolgt. „Work-Life-Sleep-Balance und Komasaufen“, wird etwa in der Welt das Bild der Gen Z zusammengefasst – also derjenigen Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden. Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, richtete sich im Februar an die junge Generation, um mitzuteilen, dass Arbeit kein Ponyhof sei. Prominente schlossen sich dieser Botschaft an. Doch die Unterstellung fehlenden Ehrgeizes und einer mangelhaften Arbeitseinstellung ist haltlos und verschleiert die wirklichen Probleme.

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