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Fotos: WEHR 51/Jens Standke

Zusammensetzung der Realität

27. April 2022

Andrea Bleikamp inszeniert „Trans-S“ am FWT – Prolog 05/22

Corona hat unsere Welt verdüstert, das steht außer Frage. Und nicht nur, weil es den Humankontakt, ohne den wir nicht überleben können, unter Verdacht stellt. Doch was ist mit der unserer Wahrnehmung? Unstrittig ist, dass die Corona-Pandemie der Digitalisierung in unserem Digi-Schwellenland einen Tritt versetzt – mit bisher nicht abschätzbaren Folgen. Die Regisseurin Andrea Bleikamp und Dramaturgin Rosi Ulrich machen die Probe aufs Wahrnehmungsexempel und setzen zwanzig Zuschauer pro Vorstellung einem Wahrnehmungsoverkill aus. „Die Konstruktion von Realität ist ein Thema, mit dem wir uns seit Jahren beschäftigen: Wie setzt sich Realität zusammen? Wie nimmt man Dinge in der realen Welt und wie in der virtuellen Welt wahr?“, sagt Andrea Bleikamp.

Ihr Stück „Trans-S“ schleust das Publikum durch einen Parcours auf mehreren Ebenen. Ausgangspunkt ist eine Art Peepshow, sozusagen die Reanalogisierung des Voyeurismus. Als erste Frage stellt sich: Wer ist drin, wer ist draußen? Wer ist allein, wer mit anderen zusammen? „Was macht es mit mir, wenn ich isoliert von anderen etwas wahrnehme?“, fragt Andrea Bleikamp. Ein Teil der Zuschauer jedenfalls wird mit VR-Brillen ausgestattet, ein anderer Teil mit Kopfhörern. Beide werden mit einer Geschichte zu Corona konfrontiert, die allerdings mit unterschiedlichen Elementen angereichert ist: Was passiert mit einer Geschichte, die allein virtuell erzählt wird? Was passiert, wenn zusätzlich analoge Bruchstücke in die Wahrnehmung integriert werden müssen? Oder wenn sogar Erzähltes nicht mit der Sinneswahrnehmung übereinstimmt? Andrea Bleikamp spricht von einem „Don-Quichotte-Moment“, in dem Partikel der realen wie der virtuellen Realität durch unser Gehirn aneinander angepasst werden.

Aber Andrea Bleikamp interessiert auch schlicht, was Menschen machen, wenn sie etwas wahrnehmen. „Menschen mit VR-Brillen bewegen sich völlig anders als Menschen ohne Brillen“, sagt die Regisseurin. Das Beobachten von Menschen, die etwas wahrnehmen, besitze bereits eine eigene Performancequalität. Am Ende werden alle Teilnehmer von „Trans-S“ in einem Raum mit einem Roboter zusammengeführt, der ihnen philosophische Fragen stellt und sie so in ein Gespräch verwickelt.

Trans-S | R: Andrea Bleikamp | 5.-8., 12.-15.5. | Freies Werkstatt Theater | 0221 32 78 17

Hans-Christoph Zimmermann

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