Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
28 29 30 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11

12.506 Beiträge zu
3.751 Filmen im Forum

Foto: Ingo Solms / studiobühneköln

Missstände offenlegen

17. November 2022

„Stigma1“ im Comedia Theater – Prolog 11/22

Ein Virus sorgt für Ausgrenzung: Was das bedeuten kann, hat die Corona-Pandemie in den vergangenen Jahren weltweit gezeigt. Und doch ist das, was die Erkrankten in Isolation ertragen mussten, nichts gegen die offenen und versteckten Formen der Diskriminierung, die viele HIV-positive Menschen immer noch täglich erleben.

Diesem Themenkomplex hat sich das Künstlerkollektiv Diphthong unter der Leitung von Nikos Konstantakis und Stephanie Felber schon im Herbst 2019 gewidmet. Nach mehr als zwei Jahren, in denen die Pandemie der Wiederaufnahme im Weg stand, zeigt das Comedia Theater zum Anlass des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember nun noch einmal die umjubelte Performance „Stigma 1“, die als Koproduktion mit der Studiobühne Köln entstanden ist und die den Betroffenen selbst eine Stimme gibt. Diese erzählen aus dem Off heraus von ihren Erfahrungen, während sieben Schauspielerinnen und Schauspieler die persönlichen Geschichten in Bewegungen fassen.

Dabei ist die Diagnose HIV längst nicht mehr das Todesurteil, das es in den 80er und 90er Jahren war. Längst gibt es Medikamente, die einen Ausbruch von Aids verhindern können, sofern frühzeitig eine Diagnose erfolgt. Drei Tabletten täglich für ein weitgehend normales Leben mit einer Krankheit, die zwar nicht heilbar ist, aber immerhin behandelbar und kontrollierbar. Dennoch ist die Stigmatisierung geblieben, unter anderem in Form von Ausgrenzung durch Freunde und Familie oder durch Hassbotschaften im Netz. „Stigma 1“ setzt genau hier an, legt in einzelnen Tableaus Missstände offen, kritisiert und klagt an.

Wohlwollen allein genügt oft nicht, weshalb das Kollektiv Diphthong auch ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe zur Ankündigung des Stückes heranzieht. „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein“, hat der Dichterfürst einst gesagt, „sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Die einstündige Aufführung will daher den Impuls geben, diese Transformation zu initiieren.

Stigma1 | Do 1.12.  20 Uhr | Comedia Theater | www.comedia-koeln.de

Thomas Kölsch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Strange World

Lesen Sie dazu auch:

Im Schicksal vereint
„Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin“ am Comedia Theater

Buntgelachte Blumen hören
„Blaubach Kurier“ am Comedia Theater – Theater am Rhein 06/22

Jung, wild, queer
Bohei- und Bonanza-Festival am Comedia Theater – Bühne 06/22

Geometrie der Liebe
„Eltern outta space“ am Comedia Theater – Theater am Rhein 04/22

„Ein Riesenprogramm“
Westwind Festival für junges Publikum am Comedia Theater – Interview 08/21

„So kann es nicht weitergehen“
Fem-Fame-Night „33 Frauen“ an der Comedia – Prolog 08/21

Ausgebremst
„Isolation“ im Comedia Theater – Bühne 09/20

Geht ein Mensch ins Kabarett
Es darf wieder gelacht werden - Bühne 09/20

Jugendtheater als Arbeit am Kanon
„Werther in Love“ am Comedia-Theater – Theater am Rhein 02/20

„Was ist eigentlich Liebe?“
Manuel Moser und Ensemble über „Werther in Love“ – Premiere 01/20

Theater und Identität
Verleihung der Kölner Tanz- und Theaterpreise 2019 – Bühne 12/19

Rollentausch
„Wem gehört die Straße?“ am Comedia-Theater – Bühne 11/19

Bühne.

Hier erscheint die Aufforderung!