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Foto: Hippana Theater

Wahrnehmung aus dem Labor

25. Oktober 2018

west off 2018 an der Studiobühne – das Besondere 11/18

Braucht man tatsächlich eine Plattform zur Förderung und Präsentation des künstlerischen Nachwuchses im freien Theater? Wer das Procedere um kommunale Fördertöpfe und Landesmittel in NRW kennt, weiß, dass an dem Auftrittsnetzwerk „west off“ aber auch kein Weg vorbei führt. Be real! heißt es in diesem Herbst, wenn vier junge Ensembles unsere Wirklichkeiten und Gewissheiten in Frage stellen wollen. Immer noch können Dekonstruktionen aufregend sein, analysieren und spiegeln Wahrnehmung, Geschlecht, Körper und Machtsysteme. Dafür ist „west off 2018 – Theaternetzwerk Rheinland“ ein Kooperationsprojekt von theaterimballsaal Bonn, FFT Düsseldorf und studiobühneköln.

Die Performance „Mansplaining – Mit Macht über Macht reden“ (2.11., 20 Uhr, Studiobühne) von Marcel Nascimento und der Studiobühne fragt, wodurch ein Mann zum Mann wird. Durch Bartwuchs Chromosomen, seinen Penis oder einem Porsche – nur in alphabetischer Reihenfolge, versteht sich. Nascimento seziert die Rückkehr traditioneller Rollenbilder und aufsehenerregende #-Kampagnen. Sein performativer Selbstversuch stellt sich der Diskussion um die „wahre Männlichkeit“. Hoffentlich verlassen Zuschauer danach nicht breitbeiniger das Theater. Das wäre vielleicht kontraproduktiv für „Milk and Ashes“ (3.11., 20 Uhr) von Hippana Theatre. Mit Physical Theatre und New Circus bewegen sich Annalaura Beckmann und Jonas Schiffauer um Kopf und Kragen und erzählen ein sentimentales elektronisches Märchen. In der theatralen Rauminstallation „Moments of Being“ (1.11., 20 Uhr) tauchen die Zuschauer dann in das Meer fabelhaften Zweifelns ein, wo alles im Fluss ist. Die Materieteilchen (hoffentlich die richtigen) geraten in Aufruhe. Zwischen Virginia Woolf und Ludwig Wittgenstein führt die Zwei-Frauen-Formation kaleidoskop in ihr theatrales Labyrinth ein, wo nur die Möglichkeit selbst wieder hinausführt.

Ganz anders Katharina Roll. In ihrer Tanzperformance „don’t come on!“ (4.11., 20 Uhr) nutzt sie radikal die Prinzipien Verzicht und Widerstand, verzichtet auf Manipulation oder Normen. Nur das Notwendigste, Klarste, Einfachste ist von Belang und auch da nur das, was es jetzt und hier braucht. Tänzerische Virtuosität hilft dabei nur beim sensiblen Aussortieren. Niemand weiß wie der Abend endet. Aber – Punk´s not dead!

west off 2018 – Theaternetzwerk Rheinland | 1. - 4.11. | Studiobühne | west-off.de

PETER ORTMANN

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