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Martin Nimz inszeniert Eugene O’Neill in Bonn
Foto: Thilo Beu

Konfrontation oder Flucht?

29. November 2018

Vergangenheitsbewältigungen im Rheinland – Prolog 12/18

„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen“, schrieb William Faulkner. Nichts ist klebriger als die Vergangenheit. Prospero in Shakespeares „Der Sturm“, den Tim Mrosek in der Studiobühne inszeniert, ist ein rachsüchtiger Best Ager. Vor Jahren wurde er von seinem Bruder um seine Macht als Herzog von Mailand betrogen. In kindlicher Manier hat er sich auf einer Insel ein Zauberreich erschaffen, in dem er endlich allmächtig ist. Alles, Tochter, Luft- und Erdgeister, tanzen nach seiner Pfeife. Und als das Schiff seines Bruders vorbeitreibt, lässt er es an der Inselküste stranden – um endlich abzurechnen.

Ganz anders, eher im Sinne von Faulkners Gegenwart der Vergangenheit, geht es in Eugene O’Neills Familienhorrorballade „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ zu. Der Whiskey kreist unaufhörlich, die Morphiumspritzen liegen griffbereit – um der Gegenwart zu entfliehen. Der Vater, ein geiziger Grundstücksspekulant, trauert seiner erfolgreichen Schauspielkarriere nach, während sein ältester Sohn beim Gang auf die Bühnen schlicht versagt hat. Der andere Sohn wollte dagegen Dichter werden, hat sich aber eine Tuberkulose eingefangen, die der Vater aus Geiz zur Sommergrippe herunterredet. Und die Mutter, die den Tod ihres zweiten Kindes nicht verkraftet hat, hält Drogen für das beste Heilmittel. Ein Heimspiel für Regisseur Martin Nimz, der in Bonn schon andere Vergangenheitsklassiker wie „Das Fest“, „Die Wildente“ oder „Die Frau vom Meer“ in Szene gesetzt hat.

Einen höchst spannenden Versuch, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, startete zuletzt der Autor Didier Eribon. Der Tod des Vaters bringt ihn in die Heimat seiner Eltern zurück. Die Stadt Reims wird zum Synonym nicht nur für die Herkunft aus einer Arbeiterfamilie, sondern auch für eine homophobe Provinz, vor der der Arbeitersohn geflüchtet ist. Doch nicht nur die Vergangenheit kehrt zurück. Die Rückkehr konfrontiert auch mit der Erkenntnis, dass aus Arbeitern längst Anhänger des Front National geworden sind. Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“, die Thomas Jonigk am Schauspiel Köln inszeniert, ist eine faszinierende Reflexion zwischen soziologischem Befund, Autobiografie und poetischem Essay.

„Sturm“ | R: Tim Mrosek | 16.(P)-19.1. | Studiobühne Köln | 0221 470 45 13

„Eines langen Tages Reise in die Nacht“ | R: Martin Nimz | 18.(P), 24.1. 19.30 Uhr | Theater Bonn | 0228 77 80 08

„Reise nach Reims“ | R: Thomas Jonigk | 18.1.(P) | Schauspiel Köln | 0221 221 28 400

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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