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Foto: Frenschkowski

Kurort ohne Dinge

31. Oktober 2022

„These are a few of my favourite things“ in der Orangerie – Prolog 11/22

„Der Mensch ist ein Dingwesen, es gibt ihn nicht ohne Dinge“, sagt die Performerin Patricia Bechtold von der Gruppe äöü. Forscher haben herausgefunden, dass wir Menschen etwa 10 000 Dinge um uns herum ansammeln und mit uns herumschleppen. Tendenz steigend. Das hat mit dem wachsenden Wohlstand genauso zu tun wie mit dem Konsum. Patricia Bechtold und Johannes Karl von äöü gehen in ihrer Performance „These are a few of my favourite things“ unserer Verhaftung an die Dinge auf den Grund. Wie dringend notwendig das ist, lässt sich an den seit Jahrzehnten wiederkehrenden Aufrufen zum Konsumverzicht, zur Nachhaltigkeit, zum Minimalismus ablesen.

Denn so eindringlich wir auf unserem Individualismus bestehen, die Dinge, mit denen wir uns umgeben, sind fast durchweg Massenprodukte, die millionenfach in unserer Umwelt zirkulieren. Doch wir Menschen haben Strategien für den Umgang damit entwickelt. „Man hat zu jedem Ding eine eigene Geschichte“, sagt Johannes Karl und erzählt von einem ganzen Set von Gründen wie dem Ort, der Situation oder der Emotion, mit denen wir den Erwerb und Besitz vor uns selbst begründen.

Patricia Bechtold und Johannes haben Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen studiert und realisieren seit 2018 unter dem Label äöü gemeinsam Projekte, viele davon in Zusammenarbeit mit dem FFT in Düsseldorf. Dort ist auch „These are a few…“ entstanden. In der Performance stellt das Duo eine utopische Bestandsliste mit 88 Lieblingsdingen zusammen, ihren favourite things. Und dabei zeigt sich auch, dass wir einen starken Bezug zu Erbstücken haben, die uns verloren gegangen sind. Die beiden Performer:innen nennen als Beispiele das Taschenmesser vom Vater oder ein Stift aus der Kindheit der Mutter. Aus dieser Idee des abwesenden Dings ist dann auch die Konzeption des Raums entstanden. „Wir haben versucht, eine dinglose Welt zu schaffen, und haben uns für einen Kurort entschieden, an dem die Dinge nicht mehr existieren, sondern nur noch sprachlich auftauchen“, erzählt Patricia Bechtold. Ein Ort, an dem man sich von Dingen zu erholen versucht. Ein Ort, der dem Publikum auch eine Antwort auf die Frage abverlangt, was wir denn wirklich brauchen – welche unsere unverzichtbaren favourite things sind.

These are a few of my favourite things | Orangerie Theater | 17.-19.11. | 0221 952 27 08

Hans-Christoph Zimmermann

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