Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11

12.517 Beiträge zu
3.760 Filmen im Forum

Kübra Sekin, Gin Bali, Konstanze Bustian und Inga Hörter (v. l.) im Wohnzimmergespräch
Foto: Thomas Dahl

Harte Realitäten, radikale Utopien

16. März 2023

1. ROAR-Festival in der Orangerie – Bühne 03/23

Neue Visionen statt überkommene Wirklichkeiten: Das erste Radical break Out of an Artificial Rulebook-Festival – kurz ROAR – trat in der Orangerie an, um Fakten und zivilisatorische Möglichkeiten im Zeichen der Geschlechterdiversität widerzuspiegeln. Die Kooperation zwischen Theater-Akteur:innen und des gemeinnützigen YAYA Netzwerks startete im Rahmen des „Internationalen Feministischen Kampftags der Frauen-Wahlrechtsbewegung“ am 8. März mit einer multikulturellen Veranstaltung, die Fotoausstellung, Modeschau, Tanzperformance sowie ein Talkformat umfasste. Letzteres wartete mit Moderatorin Kübra Sekin, Autorin Şeyda Kurt, Bildungsreferent:in Cuso Ehrich, Festivalleiterin Inga Hörter, Co-Kuratorin Gin Bali und Gebärdendolmetscherin Konstanze Bustian in einem Wohnzimmergespräch vor rund 150 Zuhörer:innen auf. Nach verhaltenem Antasten in Richtung des übergeordneten Sujets entpuppten sich die Vorträge theoretisch tatsächlich als radikal, formulierten die Gesprächsgäste doch nichts anderes als die revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft. „Es gibt nur eins, das sich ändern muss … alles!“, so Kurt zu ihrer Utopie in Bezug auf erstrebte Lebensrealitäten abseits vermeintlicher Selbstverwirklichungsverhinderungen durch staatliche Organe.

Willkommen im Nicht-Ort

Mit ihrer Einschätzung über eine „Festung Europa“, die mit ihren Grenzregimen fallen müsse, weiteten Şeyda Kurt und Cuso Ehrich das Areal des erstrebten Ganzheitslandes – dem bisher noch unkartografierten „Nirgendwo“ – aus. Mit Fragestellungen ans Auditorium („Stellt euch vor, ihr wacht in eurem Utopia auf. Wie würdet ihr euch fühlen?“) motivierten die Talkgäste zur Offenbarung von Sehnsüchten, etwa „frei“, „angstlos“, „resistent“. Aber auch skeptische Haltungen zeigten sich: „Ich denke oft, ich werde dieses Utopia nicht mehr erleben“, so eine Besucherin. Bereits vor der Diskussionsrunde bestand im Kellergewölbe der Stätte die Chance zur Besichtigung einer Fotoschau, die nach einer Ausschreibung als offene und partizipative Bereicherung des Festivals mit niederschwelligen Kriterien realisiert wurde. Einzige Ausnahme bildete dabei die Teilnahme von Cis-Männern. Der spätabendliche Auftritt des Drag-Performance-Kollektivs „House of Living Colors“ rundete den Festival-Auftakt ab, dem weitere drei Tage mit Bewusstseins- und Schreib-Workshops, Podiumsdiskussionen, Partys, Catwalks, Candlelight-Dinners, Tanzaufführungen, Lesungen, Denklaboren sowie Konzerten zum Themenkomplex „Widerstand/Emanzipation/Regeneration“ folgen sollten.

Thomas Dahl

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Arielle, die Meerjungfrau

Lesen Sie dazu auch:

Stupende Aktualität
„Das große Heft“ in der Orangerie – Theater am Rhein 04/23

„Kein radikaler Bruch, sondern ein Übergang“
Sarah Youssef über ihre Pläne für das Orangerie Theater – Premiere 02/23

Messias des Kapitals
„Midas / Heimat“ in der Orangerie – Theater am Rhein 12/22

Kurort ohne Dinge
„These are a few of my favourite things“ in der Orangerie – Prolog 11/22

Reflexion oder Reaktion?
Urbäng! Festival mit Sonderausgabe zur Ukraine – Festival 10/22

Brot und Salz
subbotnik mit „Haus/Doma/Fest“ – Theater am Rhein 10/22

Kollektives Kuratieren
Festival Theaterszene Europa – Prolog 09/22

„Ich liebe antizyklische Prozesse!“
Andrea Bleikamp über die Freie Theaterzene – Interview 07/22

Maskulines Gebaren
„Late night who“ in der Orangerie – Theater am Rhein 07/22

Delegierter Kampf
„Zeit für Entscheidung“ am Orangerie Theater – Theater am Rhein 06/22

„Humor funktioniert als Machtmittel“
Sophie und Thalia Killer über die Erhöhung des männlichen Late Night Hosts – Premiere 06/22

Warten, bis das Ende lächelt
„to those who wait“ am Orangerie Theater – Bühne 06/22

Bühne.

Hier erscheint die Aufforderung!