Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

11.982 Beiträge zu
3.480 Filmen im Forum

Historisches Archiv der Stadt Köln 2011: die Einsturzstelle
Foto: Frank Möller

Neues Vertrauen schaffen

26. Mai 2011

Arnd Schwendy über Bürgerbeteiligung und ihre Behinderung – Thema 06/11 Das Archiv der Zukunft

choices: Herr Schwendy, der Rat der Stadt Köln die Bürgerbeteiligung stärken. Eine zu späte Einsicht?
Arnd Schwendy:
In Köln waren die Auseinandersetzungen um Schauspiel und Oper ein Lehrstück, was passiert, wenn starke Bürgerinitiativen etwas anderes wollen als ein Teil des Rates. Und auch um die Neugestaltung des Gerling-Viertels und um den Ausbau des Godorfer Hafens gibt es Auseinandersetzungen. Ich werte das ganze als Versuch von Rat und Verwaltung, wieder mehr Vertrauen bei den Bürgern zu gewinnen und Partizipation zu erleichtern – Stichwort „Stuttgart 21“.

Als Pilotprojekt für die neue Politik soll die Planung für das ehemalige Archivgrundstück an der Severinstraße dienen. Wie läuft‘s dabei?
Es gab ein von den Bürgern im Haus der Architektur veranstaltetes Forum, bei dem die Stadt Beteiligung in zwei Schritten vorsah: Dem förmlichen Planungsverfahren wird danach eine Info-Veranstaltung des OB vorgeschaltet, die bereits unter reger Beteiligung stattfand. Außerdem werden in einem Workshop im Juni 80 die Bürger gebeten, ihre Ideen einzubringen. Danach geht das in den Ausschuss für Stadtentwicklung. Bisher lief es umgekehrt: Erst Vorgaben der Politik, dann Bürgerbeteiligung. Das ist ein Fortschritt. Der Pferdefuß: Die zur Mitarbeit aufgerufenen Bürger wissen noch immer nicht umfassend, nach welchen Kriterien und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen ihre Wünsche und Anregungen hinterher bewertet werden.

Arnd Schwendy
Arnd Schwendy ist Leiter des Kölner Sozialamtes im Ruhestand. Er zählt zu den Unterstützern der Bürgerplattform „Köln kann auch anders“.

Wie könnte man neues Misstrauen verhindern?
Die Stadt sollte alle Karten auf den Tisch legen. Von Beginn an sollte auch ein von der Stadt wirklich unabhängiger Mediator installiert werden, der die divergierenden Meinungen bündelt und einem Ergebnis zuführt. Ohne eine solche neutrale Instanz müssen die beteiligten Bürger glauben, was die Stadt ihnen erzählt. Aber dieser Glaube ist halt erschüttert. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn Verträge, die die Stadt im Kontext der Bebauung abschließt, öffentlich gemacht würden. Man kann das aufgrund der Vertragsfreiheit durch eine entsprechende Klausel sicherstellen. In Schweden ist das, was ich hier vorschlage, Gang und Gäbe.

Trauen Sie dem derzeit aktiven politischen Personal in Köln einen Wandel in Richtung Bürgerpartizipation zu?
Selbstverständlich, das ist ein Lernprozess, bei dem alle an eine jahrhundertelange Tradition eines selbstbewussten und aufmüpfigen Kölner Bürgertums anknüpfen können. Wer da stur bleibt und sich nicht auf das neu erwachte Mitwirkungspotential jenseits der tradierten Organisationen einstellt, hat bei der nächsten Kommunalwahl schlechte Karten.

Interview: FRANK MÖLLER

Neue Kinofilme

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten

Lesen Sie dazu auch:

Die Erinnerung bleibt
Achter Jahrestag des Stadtarchiv-Einsturzes – Spezial 03/17

Blick in die Gedärme
Bild-Dokumentation der Archiv-Katastrophe – Kunst in Köln 02/12

Kein Aufbruch nach dem Einsturz
Das Historische Archiv zwischen Fachverwaltung, Wissenschaft und Bürgerinteresse – THEMA 06/11 DAS ARCHIV DER ZUKUNFT

Bitte nicht anrufen
Oliver König über seine Erfahrungen als Nachlassgeber – Thema 06/11 Das Archiv der Zukunft

Werkzeuge der Demokratie
Clemens Rehm über Transparenz, Aktenberge und das digitale Archiv – Thema 06/11 Das Archiv der Zukunft

Der Weg ist das Ziel
Bernadette Heiermann über Pläne zur Neugestaltung rund um den Waidmarkt – Thema 06/11 Das Archiv der Zukunft

Schwarze Löcher?
Am 30. August ist Kommunalwahl. Kölner Perspektiven: Grosse pläneleere Kassen - THEMA 08/09

Interview