
choices: Frau Beck, die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2024 weist bei Gewalt gegen Frauen und Mädchen in einigen Bereichen einen Anstieg aus. Ist das ein Trend?
Susanne Beck: Also, an einem Jahr kann man noch keinen Trend erkennen. Und man muss immer sehen, die Kriminalstatistik erfasst nur Tatverdächtige, nicht Täter. Da muss man aufpassen, was das wirklich heißt, denn aus der Statistik lässt sich nicht ablesen, ob die Taten tatsächlich begangen wurden. Ohnehin ist für diese Bereiche das Dunkelfeld von hoher Bedeutung, das ist gerade dort sehr groß. Von sehr vielen Taten bekommen Polizei und Justiz gar nichts mit. Deswegen muss man bei so einem Anstieg wirklich sehr genau hinschauen, denn der könnte z.B. auch mit einer erhöhten Anzeigebereitschaft einhergehen.Vielleicht haben einfach mehr Frauen ein Gefühl der Sicherheit, Taten auch anzeigen zu können. Das muss jetzt nicht tatsächlich so sein, ich will damit nur verdeutlichen, dass es viele Variablen gibt, ein Anstieg muss also nicht bedeuten, dass es tatsächlich mehr Taten gibt.Gerade die Polizeiliche Kriminalstatistik gilt bei uns eher als der Blechstandard für Erkenntnisse, weil sie nur Tatverdächtige abbildet und einige Verzerrungen hat.
„Gerade die Polizeiliche Kriminalstatistik gilt eher als der Blechstandard für Erkenntnisse“
Wie wird Gewalt gegen Frauen juristisch behandelt bzw. definiert?
Da muss man verschiedene Bereiche unterscheiden. Das Strafrecht selbst sieht in der Frage, ob jemand eine Tat begangen hat oder nicht, grundsätzlich eine Gleichbehandlung vor – es ist also zunächst einmal unerheblich, wer das Opfer war. Die Tat steht im Fokus, das ist auch sinnvoll so. Bestimmte Besonderheiten in der Motivlage kann man etwa in der Strafzumessung berücksichtigen, also in der Frage, wie hoch die Strafe ausfallen sollte. Da kann man etwa beachten, dass ein Täter jemanden angegriffen hat, der körperlich massiv unterliegen ist oder er sein Opfer besonders schwer verletzt hat. Oder, wie gesagt, auch problematische Motive. Insofern gibt es im Strafrecht selbst erst einmal eine sinnvolle und wichtige Gleichbehandlung.Wir sehen aber durchaus in der Rechtsprechung ein Problem im Bereich des Mordes. Es gibt das sogenannte Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe, das heißt, ein Totschlag wird als Mord bestraft, woraus lebenslange Freiheitsstrafe folgt, wenn der Täter aus niedrigen Beweggründen gehandelt hat. Es gibt aber tatsächlich eine Zurückhaltung, das Vorliegen von niedrigen Beweggründen bei Femiziden zu bejahen.Häufig wird dann argumentiert, dass der Täter aus Verzweiflung, aus Eifersucht oder weil er sich verlassen fühlte, gehandelt hat. Man findet Formulierungen, die implizieren, dass die Frau durch eine Trennung die Tat sozusagen mitverursacht hat. In dieser Hinsicht scheint es sogar eine Schlechterbehandlung zu geben, gerade wenn es um Trennungs- bzw. Beziehungskonstellationen geht. Es gibt immer wieder Urteile, in denen diese Argumente angeführt werden, um den Täter eher milder zu bestrafen als in anderen Konstellationen.Man muss dazu aber auch einfach sagen, dass das Strafrecht nicht wahnsinnig gut geeignet ist, strukturelle Probleme zu bekämpfen.Beim Strafrecht geht es um die individuelle Tat, um die Schuld des individuellen Täters, der wird sanktioniert. Wir haben zurzeit eher ein allgemeines gesellschaftliches Problem; es wird versucht, das Strafrecht als politisches Mittel zu nutzen oder entsprechend zu instrumentalisieren. Und dafür ist es eigentlich nicht geeignet.Natürlich, wenn eine Tat passiert ist, ist das Strafrecht relevant, aber die Lösung der zugrundeliegenden Probleme liegt selten im Strafrecht.
„Es ist zunächst einmal unerheblich, wer das Opfer war“
Frauen sind besonders im häuslichen oder persönlichen Umfeld gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Vor welche Schwierigkeiten stellt das die Verfolgung von Straftaten?
Es ist ein ganz wichtiger Punkt, sich bewusst zu machen, wie problematisch das Dunkelfeld in diesen Kontexten ist. Das hat verschiedene Gründe: Häufig besteht eine geringe Anzeigebereitschaft, auch wegen einer materiellen Abhängigkeit der Opfer. Denn die haben oft einfach keine Möglichkeit, sich eine eigene Wohnung zu nehmen – gerade, wenn sie Kinder haben und Angst vor der Situation als Alleinerziehende haben, auch, wenn es gemeinsame Kinder gibt und es nicht so einfach ist, den Alltag einfach so umzustellen. Tatsächlich ist es so, dass die Trennung, oder die direkte Zeit danach, die gefährlichste Phase ist – aber eben auch eine Phase der geringen Anzeigebereitschaft, also auch hier: Von vielen Taten bekommen wir gar nichts mit. Das Problem ist, dass die Situation häufig immer weiter eskaliert. Ein weiterer Aspekt ist, dass Taten, die im privaten Umfeld stattfinden, nicht so einfach zu beweisen sind, weil es keine Zeugen gibt.Das ist wie Sexualdelikte auch ein klassischer Bereich von Situationen, in denen eben oft Aussage gegen Aussage steht. Und wenn man als Frau nicht direkt die Beweise sichert – was für viele psychologisch und auch situativ nicht so einfach ist – dann ist es eben oft schwierig, eine Tat wirklich nachzuweisen. Dann kommt noch dazu, dass es ein Schweigerecht des Täters gibt – der muss zu seiner Tat und seinen Motiven gar nichts sagen, wenn er nicht will. Man sieht, dass es hier wirklich große Probleme gibt. Für die Justiz ist es ganz wichtig, dass wir Unterstützung der Frauen, der Opfer, brauchen, so dass wir überhaupt erst einmal eine Situation herstellen können, in der diese sich trauen, die Tat oder die Taten anzuzeigen. Denn viele Frauen machen auch die Erfahrung, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen, wenn sie dann doch mal zu offiziellen Stellen gehen. Wenn sie sich deshalb allein dazu schon überwinden müssen, ist das natürlich ein großes Problem.
„In der Politik scheint das Gefühl vorzuherrschen: wenn man die Strafe erhöht, hat man das Problem gelöst“
Den Begriff Femizid haben Sie bereits genannt. Was steckt dahinter?
Der Begriff ist tatsächlich sehr umstritten, es gibt unterschiedliche Definitionen.Ich würde sagen, die bekannteste und die verbreitetste ist die einer „Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist“. Darunter fallen die klassischen Beziehungstaten, aber auch Frauenhass allgemein und Kontexte von Sexualdelikten. Aber es bleibt ein schwieriger Begriff, denn es gibt keine gesetzgeberische Kategorie. In der Praxis müssen wir das Motiv kennen, um eine Tötung als „Tötung, weil sie eine Frau ist“ bezeichnen zu können. Wenn der Täter sich nicht äußert, haben wir dafür nichts in der Hand. Es gibt in diesem Kontext ja auch die Diskussion, ob Femizide ein eigener Straftatbestand sein sollten.Auch da besteht das Problem darin: Wenn wir nicht klar erfassen können, was wirklich darunterfällt und was nicht, ist es für das Strafrecht außerordentlich schwierig, es in ein Gesetz zu fassen. Im Strafrecht nennt man das den Bestimmtheitsgrundsatz, der besagt, dass das Gesetz genau beschreiben muss, was es umfasst und was nicht. Und wenn die Definition so umstritten ist, ist das schon sehr schwierig. Noch relevanter ist die Frage: Was würde es überhaupt bringen, es als eigenständigen Straftatbestand zu reglementieren?Ich selbst bin in dieser Frage nicht einmal eindeutig pro oder contra, aber was natürlich dafür spricht, ist, dass man so die Ernsthaftigkeit des Problems besser in die Gesellschaft kommuniziert, auch gegenüber den Angehörigen – oder, bei einem versuchten Femizid, auch den Opfern selbst. Und es könnte vielleicht auch dazu führen, dass die Gerichte nicht mehr so oft nur wegen Totschlags bestrafen. Aber auf der anderen Seite muss man fragen, ob das Strafrecht wirklich dafür geeignet ist, die Ernsthaftigkeit des Problems in die Gesellschaft zu kommunizieren, oder müssten wir das nicht anders versuchen.
Wäre ein eigener Straftatbestand „Femizid“ mit härteren Strafen verbunden, würde dies Täter abschrecken?
Tatsächlich ist die Abschreckungswirkung von Strafrecht sehr viel geringer als die Öffentlichkeit denkt. Der Grund, warum zum Beispiel sie oder ich keine Straftaten begehen, liegt typischerweise nicht in der Angst vor Strafe, das hat meist andere Gründe. Gerade in den Konstellationen, über die wir gesprochen haben, handeln die Täter regelmäßig emotional, im Affekt, und denken nicht darüber nach, ob sie die Tat vielleicht nicht begehen sollten, weil die Strafe nun potentiell höher ausfallen könnte als früher. In dieser Logik denkt ein Täter in dem Moment nicht. Oft scheint in der Politik das Gefühl vorzuherrschen, wenn man die Strafe erhöht hat oder einen neuen Straftatbestand erlassen hat, hat man das Problem schon gelöst. Das halte ich für schwierig, weil es letztlich oft nur symbolische Wirkung hat, wir uns um das eigentliche Problem aber nicht mehr kümmern. Da gibt es andere Mittel, wichtiger ist etwa, wie die Medien über das Thema berichten.
„Das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Trennung der gefährlichste Moment ist“
Gibt es bessere Präventionsansätze?
Sehr viele und auch erfolgsversprechende. Man muss da ein wenig unterscheiden – es gibt Konzepte, die sich an diejenigen richten, die bereits zum Opfer häuslicher Gewalt wurden, um ihnen zu helfen die Situation rechtzeitig zu verlassen, bevor sie weiter eskaliert. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt, ebenso wie die Aufklärung darüber, wie man als Angehörige oder Freunde mit so einer Situation umgeht, wie man wachsam bleibt und nicht wegschaut. Denn es ist schon so, dass, wenn man in so einer Situation verharrt, sie typischerweise weiter eskaliert. Deswegen ist es wichtig, dass man für das Opfer eine Möglichkeit schafft, aus der Situation herauszugehen und auch das Bewusstsein dafür schärft, dass die Trennung der gefährlichste Moment ist und man entsprechend mit diesem umgehen sollte – etwa, indem jemand Drittes dabei ist oder indem man sie vielleicht an einem öffentlichen Ort stattfinden lässt. Wir haben eigentlich alle gelernt, dass man eine Trennung persönlich durchführen sollte, aber in bestimmten Konstellationen kann es besser sein, das anders zu handhaben, um sich keiner größeren Gefahr auszusetzen. Und entscheidend ist auch, wie gesagt, die gesellschaftliche Unterstützung. Ich selbst bin Vorsitzende des Landespräventionsrats in Niedersachsen – diese Präventionsräte gibt es in verschiedenen Bundesländern – und in dessen Rahmen arbeiten wir zum Beispiel mit der Wohnungsgesellschaft zusammen. Wenn etwa Vermietern das Problem bewusst ist, können sie zum Beispiel Aushänge in ihren Häusern machen, mit Telefonnummern von Stellen, an die man sich wenden kann, oder Hinweise der Art: Wenn sie in ihrer Nachbarschaft etwas mitbekommen, dann tun sie das und das, oder ähnliches.Also niedrigschwellig ein Bewusstsein dafür schaffen, nicht wegzuschauen und Unterstützung zu geben. Dafür sorgen, dass Organisationen, die Opfer unterstützen, bekannt werden, dass Frauenhäuser finanziert werden, um Opfern häuslicher Gewalt einen möglichst frühen Ausstieg zu ermöglichen, auch mit Blick auf gemeinsame Kinder. Wie schon gesagt, Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Problem, das man eben auch nur als Gesellschaft lösen kann. Am besten wäre es ja, wenn es möglichst gar nicht dazu kommt, dass Frauen überhaupt Opfer häuslicher Gewalt werden, dass überhaupt jemand Opfer von Gewalt wird.Da gibt es auch unterschiedliche Ansatzpunkte, natürlich erst einmal in der Erziehung. Das klingt immer ein wenig banal, ist aber wichtig. Patriarchale Rollenstrukturen führen zu Gewalt und sind nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer schädlich. Das müssen wir an unterschiedlichen Stellen aufbrechen – an Schulen aber natürlich auch in den Familien. Es gibt ein Modell, das nennt sich die Gewaltpyramide: Auf deren untersten Stufe stehen frauenfeindliche Witze oder Sprüche und solche Dinge, auf den oberen Stufen folgen Vergewaltigung und ganz oben der Femizid. Wenn wir da auf der unteren Stufe ansetzen und diese reduzieren, reduziert man auch die Gewalt insgesamt. Was mir gerade in diesem Kontext Sorgen macht, ist die Manosphere, die sich gerade ausbreitet. Denn diese Gegenbewegung hat natürlich auch wieder gesellschaftliche Rückwirkungen.Man muss in dieser Hinsicht gut aufpassen – wir sind als Gesellschaft schon polarisiert genug, wir sollten nicht auch noch Frauen gegen Männer polarisieren. Darum sollte es nicht gehen, sondern vielmehr darum zu sehen, wo diese Bewegung herkommt und wie wir sie als Gesellschaft insgesamt und miteinander auflösen.
„Gesetze können nur so viel bewirken, wie sie umgesetzt werden können“
Gibt es gesetzliche Änderungen, die erfolgreich gegen diese Gewalt wirken?
Es gibt Änderungen am Gewalthilfegesetz, die etwa einen aktiven Anspruch auf Beratungen und einen Platz in Frauenhäusern garantieren sollen. Das wird allerdings erst 2032 tatsächlich gesetzlich durchsetzbar sein – das Gesetz ist bereits erlassen, aber bis die Strukturen zur Verfügung stehen, dass diese Ansprüche auch geltend gemacht werden können, dauert es noch ein paar Jahre. Gesetze können eben immer nur so viel bewirken, wie sie auch tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden können. Deswegen ist es eben wichtig, dass wir auch die finanziellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Dann gibt es ganz aktuell einen Kabinettsbeschluss zum Gewaltschutzgesetz, ich glaube aus dem Dezember 2025 – meines Wissens findet die erste Lesung im Bundestag Ende Februar 2026 statt. Da geht es unter anderem um die Fußfessel für Personen, die durch Gewalt aufgefallen sind – wenn sie diese tragen, werden die Frau und auch die Polizei benachrichtigt. wenn der Mann sich ihr nähert. Das ist natürlich wieder nur ein Puzzlestück und man kann sich nicht zu sehr auf einzelne Maßnahmen verlassen, aber als eines von vielen Puzzlestücken ist es sicher nicht die schlechteste Idee. An sich gibt es also schon Bewegung, und diese Entwicklungen sind auch sehr wichtig.Es ist wichtig, dass Opfer von Gewalt Beratung bekommen, dass sie Unterstützung bekommen, dass es die Möglichkeit gibt, ein Kontaktverbot auch sinnvoll durchzusetzen. Das hängt nicht zuletzt davon ab, dass Betroffene an den entsprechenden Stellen wirklich ernst genommen werden und die materiellen Ressourcen vorhanden sind, um das alles in der Praxis auch umzusetzen.
„Es ist problematisch, diese vermeintlich feministische Debatte rassistisch zu instrumentalisieren“
Das Problem des Femizids hat inzwischen größere Bekanntheit erlangt. Für Politik und Öffentlichkeit scheinen aber Gewalttaten von nicht-deutschen Tätern relevanter zu sein. Tut sich die Gesellschaft schwer, eine besondere Gefährdung von Frauen unabhängig von der Herkunft der Täter anzuerkennen?
Betrachten wir dafür erst einmal die Betonung der „migrantischen“ Täter: In diese Diskussion werden oft Zahlen eingebracht, die verzerrt sind und wenn man versucht, diese Zahlen klar zu stellen, handelt man sich den Vorwurf ein, man würde relativieren. Das stimmt so nicht, man muss sich bei diesen Zahlen die Verzerrung eben bewusst machen, das ist noch keine Relativierung der Realität – und dann muss man natürlich auch kritisch mit den Ergebnissen umgehen, das gehört auch dazu. Die Verzerrungen entstehen zum Beispiel, wie wir vorhin schon angesprochen hatten, beim Anzeigeverhalten. Femizide, Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt finden sich in allen Kreisen und allen Schichten – aber wer zeigt wirklich an? Allein da könnte es eine Verzerrung geben. In Frauenhäusern, auch das wird oft genannt, leben sehr viele Frauen mit Migrationshintergrund – da muss man aber auch berücksichtigen, dass die eben nicht so großen sozialen Rückhalt hier haben: Sie haben vielleicht keine Familien oder Freunde, die sie unterstützen, sie sind materiell abhängig und können sich keine eigene Wohnung nehmen. Auch das ist eine Verzerrung der Zahlen. Es ist problematisch, diese vermeintlich feministische Debatte rassistisch zu instrumentalisieren. Gerade, wenn es um Frauen mit Migrationsgeschichte geht, die man dadurch im Prinzip doppelt marginalisiert – als Frau und als Angehörige der Gruppe, die in diesem Moment eben auf bestimmte vermeintliche ethnische Eigenschaften reduziert wird.Bei der Frage nach dem „Warum“ dieser Betonungmuss man ein wenig spekulieren, aber es gibt gewisse Vermutungen, dass es eine Distanzierung erlaubt: Ich gehöre nicht zu diesem potenziellen Täterkreis und meine männlichen Freunde auch nicht.Das ist im Kriminalitätsbereich ganz natürlich, dass eine Gesellschaft versucht, sich zu distanzieren und erst einmal das Gefühl hegt: Diejenigen, die Straftaten begehen, das sind die anderen, das sind nicht wir. Das ist natürlich leichter, wenn man eine Gruppe so herausgreifen und isolieren kann, also die ganz klassische Sündenbock-Mentalität pflegt. Das kann dann auch genutzt werden, um bestimmte Vorurteile zu verstärken und auch noch Forderungen nach Abschiebung und ähnlichem zu bekräftigen. Dieses Distanzierungsverhalten ist aufgrund der Ethnisierung von Gewalt schon ein Problem, führt aber auch dazu, dass die Probleme eben nicht wirklich gelöst werden.Es führt gerade nicht dazu, dass Frauen besser geschützt sind, sondern nur bestimmte Frauen, oder Frauen vor bestimmten Tätern, aber nicht insgesamt. Um dieses Problem wirklich anzuerkennen und anzugehen, muss eine Gesellschaft sich damit auseinanderzusetzen, dass die Wurzel in ihrer Mitte zu suchen ist und nur dort zu lösen ist. Und das anzuerkennen, ist eben immer schwieriger, als das Problem einfach auszusondern und wegzuschieben.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Erschütternd normal
Intro – Gegenwehr
Glaube und Geld
Teil 1: Leitartikel – Gegen den milliardenschweren Kulturkampf der rechten Christen hilft kein Beten
„Man darf auswählen, wem man sich unterwerfen will“
Teil 1: Interview – Religionssoziologe Gert Pickel über christliche Influencer
Rauf mit der Hemmschwelle
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Köln
Die Gefahr im eigenen Zuhause
Teil 2: Leitartikel – Gewalt gegen Frauen nimmt zu und betrifft die ganze Gesellschaft
Eine bessere Zukunft
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Frauenberatungsstelle Duisburg
Lebensrealität anerkennen
Teil 3: Leitartikel – Schwangerschaftsabbrüche zwischen Strafrecht und Selbstbestimmung
„Es geht um Kontrolle über Menschen, die schwanger werden können“
Teil 3: Interview – Medizinerin Alicia Baier zum Streit über Schwangerschaftsabbrüche
Raus aus der Grauzone
Teil 3: Lokale Initiativen – Solidarisch und unbeirrbar: Wuppertals Frauenverband Courage
Sensibel verzahnte Reformen
Wie Portugal Maßstäbe bei der Bekämpfung von Gewalt an Frauen setzt – Europa-Vorbild: Portugal
Der Kanzler und Hegel
Jetzt ist aber auch mal gut mit diesem ganzen Minderheitengedöns! – Glosse
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 1: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 2: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 3: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 1: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
„Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Faktor“
Teil 2: Interview – Sprachwissenschaftler Thomas Niehr über Sprache in Politik und Populismus
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 3: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
„Je größer das Vermögen, desto geringer der Steuersatz“
Teil 1: Interview – Finanzwende-Referent Lukas Ott über Erbschaftssteuer und Vermögensungleichheit
„Eine neue Ungleichheitsachse“
Teil 2: Interview – Soziologe Martin Heidenreich über Ungleichheit in Deutschland
„Die gesetzliche Rente wird von interessierter Seite schlechtgeredet“
Teil 3: Interview – VdK-Präsidentin Verena Bentele über eine Stärkung des Rentensystems
„Besser fragen: Welche Defensivwaffen brauchen wir?“
Teil 1: Interview – Philosoph Olaf L. Müller über defensive Aufrüstung und gewaltfreien Widerstand
„Als könne man sich nur mit Waffen erfolgreich verteidigen“
Teil 2: Interview – Der Ko-Vorsitzende des Bundes für Soziale Verteidigung über waffenlosen Widerstand
„Das ist viel kollektives Erbe, das unfriedlich ist“
Teil 3: Interview – Johanniter-Integrationsberaterin Jana Goldberg über Erziehung zum Frieden