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company: Gift. Eine Ehegeschichte
Foto: Jörg Bange

Eine Welt, die durch den Rahmen fällt

30. Juni 2021

Theater-Ensemble Frame Company entgrenzt den öffentlichen Raum – Kulturporträt 07/21

Die Redensart „Zurück zu den Wurzeln“ nehmen die Mitglieder der Frame Company wörtlich: Auf Wiesen oder Friedhöfen ist das Ensemble derzeit mit einem bewegenden Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans unterwegs. In der ersten Produktion „Gift. Eine Ehegeschichte“, die im Ende Juni auf denauf die Poller Wiesen aufgeführt wurde,wird die Geschichte eines getrennten Paares erzählt, das sich Jahre nach dem Tod ihres Sohnes am Grab des Kindes wiedersieht, denn der Leichnam soll wegen einer Vergiftung des Bodens umgebettet werden. Unter der Regie von Roland Riebeling offenbaren die Protagonisten ihren Umgang mit dem Verlust. Auch in der Kölner Lutherkirche kommt es zur Aufführung der Produktion, bei der die Zuschauer den Dialogen mit Kopfhörern folgen. Dabei bewegen sich die Charaktere in einem nach allen Seiten offenen Kubus, der die Gefühle einer in sich gefangenen Gesellschaft offenbart.

Hinter der neuen Company stehen die Schauspieler Nicole Kersten und Jonas Gruber sowie Regisseur Roland Riebeling. Als Gastmusikerin tritt die Komponistin Yuka Otsuki auf.

Zukünftig soll rechtsrheinisch auf dem Terrain zwischen Südbrücke und Rodenkirchener Brücke ein vielfältiges Programm aus Tanz, Theater, Konzerten und Ausstellungsformaten für Kinder sowie Erwachsene realisiert werden.

„Ganz nah an uns und an der Geschichte dran sein“

„Bei unserem Tryout im Freien hat sich erfreulicherweise genau eingestellt, was wir uns von diesem Format erhofft hatten“, erklärt Jonas Gruber. „Durch die Benutzung von Silent-Disco-Kopfhörern für die Zuschauer entsteht eine intensive und zugleich intime Spielatmosphäre, die durch Musik-und Geräuscheinspieler ein ganz spezielles Theatererlebnis ermöglichen. Die Zuschauer können durch die Kopfhörer ganz nah an uns und an der Geschichte dran sein.“

Im Zuge ihrer Auftritte rechnen die die Akteure mit dem Unerwarteten. „Wir können uns nur vornehmen, offen zu bleiben für Unvorhergesehenes, der Spontaneität Raum zu lassen und unsere Schirme in Reichweite zu haben“, sagt Gruber. Demnach seien die Herausforderungen im Freien anders als auf der Indoor-Bühne. So falle die Konzentration schwerer. Dafür könne man im Spiel „kleiner und feiner bleiben“.


Premiere auf den Poller Wiesen
Foto: Jörg Bange

In der Story des mit dem niederländischen „Taalunie Toneelschrijfprijs“ prämierten Werks erkennt der Schauspieler klare Verbindungen zur Gegenwart: „Uns haben in Bezug zur aktuellen Coronalage neben dem Thema der Trauer vor allem auch die Themen Distanz, Überwindung und Neuanfang interessiert, " so Nicole Kersten. „Was für uns gestern selbstverständlich war, müssen wir vielleicht heute wieder in Frage stellen. Deshalb ist dieses Stück für uns durchaus ein Stück der Stunde. Dabei gelingt es der Autorin auch, dem Stoff boulevardeske und komische Aspekte abzugewinnen, die lebensnah und versöhnlich sind.“

„Hier entsteht etwas, dass die Menschen zusammenbringt“

Von ihrem ersten Auftritt im Grünen zeigten sich die Beteiligten angetan: „Wir hatten eine wunderbare Premiere in traumhafter Atmosphäre. Das ist wirklich ein besonderer Ort. In dieser Umgebung Theater für ein Publikum zu spielen, das wieder raus will, um Kultur zu genießen, war für uns was ganz Besonderes!“, berichtet Gruber.

Auch Veranstalter Jens Kuklik, der mit seinem Konzept des „atelier mobile - travelin' theatre“ den Ort vielfältig – etwa mit Kopfhörerkonzerten – bespielen möchte, zeigt sich nach dem Auftritt erleichtert: „Das war keine einfache Geburt. Vorausgegangen waren lange Schreiben mit dem Landschaftsamt, dem Ordnungsamt und dem Naturschutzbeirat, denn auf dem Gelände soll eine zehn mal sieben Meter umfassende Bühne inklusive Dach entstehen, die sich in die Landschaft einfügt. Es ist schön zu sehen, dass hier etwas entsteht, dass die Menschen zusammenbringt“, so Kuklik.

Gift. Eine Ehegeschichte | R: Roland Riebeling | So 22.8. 20.30 Uhr Geusenfriedhof (K-Lindenthal), Sa 4.9., So 5.9 20 Uhr Kunstbaden Essen im Grugabad | www.frame-company.de

Open-Air-Spielstätte am Weidenweg, Köln Poll: 2.-4.7. 20 Uhr Frederike Bohr Theaterproduktion: „Von Mit­läu­fern und Widerstand“ | 8.7. Reihe M: Felix Kubin | 11.7. Autorenforum Köln: Lesung aus dem Bett | 16., 17., 23., 24.7. Douglas Bateman: Solo-Tanzstück „Shirley“ als Silent Disco | atelier-mobile.jimdofree.com

Thomas Dahl

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