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Dancer in the Dark

Dancer in the Dark
Niederlande, Schweden, Dänemark, Finnland, Island, Deutschland, Frankreich, USA, Großbritannien, Norwegen 2000, Laufzeit: 139 Min., FSK 12
Regie: Lars von Trier
Darsteller: Björk, Catherine Deneuve, Jean-Marc Barr, Peter Stormare, David Morse, Stellan Skarsgärd, Udo Kier

Meine Meinung zu diesem Film

Die Aufgezwungene Stummheit
CemileTS (139), 29.10.2021

Vor über einem halbem Jahr bin ich einem Ermittlungsverfahren, das sich gegen mich richtet bewusst geworden. Bei meiner täglichen Routine den Kleiderschrank zu öffnen, mir das erschreckende Gesicht von Penny Wise, mit lechzend zackigen Zähnen aus der Dunkelheit des Schranks heraus entgegen brach.

Dessen Körper sich bereits zu einer überdimensionalen allesfressende Spinne mit haarige Beinen im Schrank ausgebreitet hat. Mich anlächelt, durch seine glitzernd böswillige Augen vermittelt :
„wir sind bereits überall in deinem Leben eingedrungen“.

Überall in mein bescheidenes Leben, welches durch Erinnerungen und Sehnsüchten geformt, bekleidet in Pastellfarben aller Nuancen

In meinem Leben ist Penny Wise eingebrochen um meine Ordnung und meine Selbstbestimmung zu zerfleischen.
Die Beziehung zu meiner Umgebung, meinen Freunden und Verwandten zu unterbrechen, mich zu isolieren und meine intime Gewohnheiten zu erörtern, um mir die Ohnmacht als einzigen Wegbegleiter zu stellen, der auf Anweisung hin mein Handeln konzentriert in die Selbstdestruktion manövriert.

Panik und nächtens schweißtreibender Schlaf.

Mich, bisher bekleidet in Pastellfarben, nun Nackt an jeder Stelle meines Körpers Tätowiert, verkommen und dienlich zur Schaulust derer gestellt, die sich in meinem Kleiderschrank, in die Freisprechereinrichting meines Handys, in meinem Router eingenistet haben.

Die mich auf der Straße abfangen und observieren.
Mir und meine Nahestehenden schmerzhafte Wunden auf Ewig zufügen, deren Narben sich wie Geschwüre festsetzen werden.

Mit der Selbstverständlichkeit einer ungeahnten Perversion schreiten die „Dancer In The Dark“ in mein Leben ein - Augen und Ohren überall.

„Dancer In The Dark“ die mir sämtliche Kontakte aus meine Devices abgesaugt haben, jede meiner Erinnerungen an Familie, Freunde und Berührungen, die ich als Bilderchroniken in meinem PC abgelegt habe, schändlich auswerten:

Eine Mutter die voller Glücksgefühl ihr Erstgeborenes in den Armen trägt.
Ein Stück Himmel, fotografiert in den frühen Abendstunden.
Eine Liebe, der an einem späten Nachmittag beim lesen eines Romans in sich gekehrt schmunzelt.

Ein Großvater, der mich mit Wohlgefühl anschaut.

Mich, nun verkommen und eingebrochen in eine Dunkelheit aus der heraus ich niemanden mehr erkenne, noch erkannt werden möchte.
Weder meine Mutter noch mein Großvater, nicht meinen Liebsten und schon gar nicht diesen Himmel, der mir täglich die Beständigkeit zusicherte, an dem ich mich seit über 20 Jahre am Fenster meines 30 qm Lebensraums erfreute.

An dieser durchlebten Realität ist nichts romantisches. Wie das erleiden einer aggressiven Krebserkrankung - im Wissen dass bald einem das Leben genommen wird, mit der Ungewissheit ob es morgen sein wird, vielleicht übermorgen, oder doch bereits schon heute.

Es ist der 7. Höllenkreis. Darin eingetaucht wird Stummheit zur auferlegten Sprache.

Stumm

zwischen knallharter realität und phantasievollen träumereien
film-marathon-läufer (28), 15.10.2005

Als Musiker, hat mich Selma's Beziehung zu Musik total fasziniert, mir ergeht es oft aehnlich, dass ich geräusche in meiner Umgebung zu einem Rhythmus forme, der auch als grundlage für eienen song nützen könnte.
Als Björk-fan war ich einfach nur bedient!

Als Filmfreund war ich einfach begeistert von den (u.a. durch die kameraführung) so real wirkenden Charaktere und Umgebungen. Und dann doch zwischendurch Traum- und Phantasie-Elemente die begeistern, wenn man sich drauf einlassen kann.

Ein sehr trauriger Film, und doch optimistisch in meinem Empfinden, ich werde ihn sicherlich noch mehrere male schauen.
-der erste und bisher immer noch beste dogma-film den ich kenne-
8/10 Punkte

was isses nun?
Marylou (161), 11.08.2005

Mir geht es ähnlich wie Otello:

Ich hätte den Film sehr gemocht, wenn dieses ewige Gesinge nicht gewesen wäre.
An ein paar Stellen hats gepasst, wenn auch skuril, aber meistens hat es genervt.
Vorallem da die Stimme von Björk (und ich LIEBE Björk!) so gar nicht zu ihrer Rolle gepasst hat. Diese Stimme ist zu eigen, zu speziell.
Dieser Musical-Style kam mir fast immer deplaziert vor und hat mich manchmal richtig gestört. Es ist einfach too much - ohne diese Einlagen wäre der Film ernsthafter gewesen, zumindest für mich ergreifender.

Die Hinrichtung war in der Tat eine furchtbare Szene, mir hat vor lauter Mitleid das Herz weh getan. Gott sei Dank hat sie wieder gesungen, sonst hätte ich wohl abschalten müssen ;-)
Selten hasb ich mich so nach einem Happy End geseht!!!!

Sehr lobenswert erwähnen muß ich Peter Stormare, der mir immer positiver auffällt. Der Mann ist unglaublich wandelbar, dem nehm ich einfach alles ab, den geisteskranken Pornoregisseur oder den total schüchternen, liebevollen Mann, den er hier spielt. Spitzenklasse, der Kerl.

Wer sich die leider nervigen Singstellen wegtun kann, der wird es nicht bereuen.

Später Verriss
otello7788 (554), 09.08.2005

Als der Film in Cannes gewonnen hatte, gab es frenetischen Beifall und Buhstürme. Die nicht von der Hand zu weisende Qualität des Films ist auf jeden Fall die Polarisierung der Zuschauer.

Daß man Schnitte sinnvoll einsetzt und den Zuschauer am besten vergessen läßt, daß ein Film gemacht wurde, schien Herrn von Trier egal zu sein. Mit jedem Jump-Schnitt wurde ich regelrecht aus dem Film geworfen. (von der Wackelkamera gar nicht zu reden).

Da wäre ich noch mit klar gekommen, wenn diese Björk nur nicht permanent "gesungen" hätte. Okay, daß wußte ich vorher, kann man einwenden. Aber das es so schlimm ist... Die Hinrichtungsszene war sicherlich heftig, hat mich aber ziemlich kalt gelassen. (Zumindest konnte ich sicher sein, daß kein weiteres Lied mehr kam)

Wie man unschwer erraten kann: Ich wäre bei den Buhern gewesen. Einer der Filme, bei denen man sich ärgert, nicht vorzeitig gegangen zu sein.

nichts für Seekranke
pink_angel (2), 09.08.2005

Leider musste ich das Kino bereist nach fünf Minuten verlassen.. meine Augen konnten sich nicht an die unruhige Kamerabewegung gewöhnen... es wurde mir sehr übel und mein Körper drohte ..ohnmachtig zu werden.. auch wenn ich den Film sehr gerne sehen würde, kann ich es wegen der unvorteilhaften Kameratechnik nicht verwirklichen...
schade..

niederschmetternd
Dr. Hibbert (7), 10.09.2003

ich finde es schon beachtlich, dass mich vorher meine Freunde gewarnt haben, und sagten "nimm Dir anschliessend nichts mehr vor, nach dem Film ist man total fertig". Anscheinend geht es doch einigen Leuten so. Mich hat dieser Film so gequaelt, dass ich teilweise ueberlegt habe, ob ich gehe, weil es schon an meine Grenzen ging. Bjoerk ist seit diesem Film fuer mich die Koenigin und hat bewirkt, dass ich nach dem Film total aggressiv war, weil ich mich so hilflos fuehlte. In einem Interview hab ich sie sagen hoeren, dass sie die Rolle gespielt hat, weil sie so sehr das Gefuehl hatte Selma beschuetzen zu muessen. (gut-wahrscheinlich ist das der Inhalt des Films, und es geht jedem so...aber egal) Ich war auf jeden Fall total fertig und wuetend und kann diesen Film auch niemals noch einmal sehen.

Späte Meldung!
deejay (111), 24.02.2003

Jaja, Dogma und Handkamera. Ich war ein Spätzünder in Sachen Dogma. Als ich damals "Dancer in the Dark" als inkonsequenten Dogmavertreter sah, regelte sich der Gleichgewichtssinn aber innerhalb weniger Szenen und zeigte sich mir als eine zutiefst menschliche Sichtweise. Auch ich fahre nicht auf Schienen durch die Welt. - Und Musicals hasse ich, da ich die Motivation der Gesangseinlagen nicht verstehe. -

Zum Film: Stark menschlich anrührend. Irrwitzig kitschige, Selmas Traumwelt verdeutlichende (jetzt und hier hab ich´s ausnahmsweise verstanden - siehe oben und meinen Verriß von "8 Frauen":) Musicaleinlagen. Eine wunderschön natürliche Deneuve und eine herrlich kindliche Björk, deren Mienenspiel ich für unvergleichlich halte. Selten, vielleicht noch nie, habe ich so mit einer Filmfigur mitgelitten und mich wie ein Kind im Kasperletheater über die Krokodile dieser Welt geärgert, vor denen ich im Gegensatz zum Kinderpublikum Selma noch nicht einmal warnen konnte.
Stein auf Stein baut sich das Unheil auf, Hilfe aus Liebe wird nicht angenommen und schmerzt den Beobachter fast körperlich.
Die fatale Geschichte nimmt ihren Lauf und findet ein tödliches Finale: Der Abgesang Selmas, das "vorletzte" Lied, dieser phantastische Akapellagesang Björks wird mir unvergeßlich bleiben und ist allein schon meinen persönlichen und sogar politisch wertvollen Oscar wert.

Musical?!
mr. kurtzman (168), 24.02.2003

Ich kann mich noch erinnern wieviel Überwindung es mich gekostet hat diesen Film zu sehen. Obwohl ich die Musik von Björk sehr mag, überzeugte mich nicht der Gedanke in einem Musical-Film zu gehen (Musicals?! gehen da nicht immer begeisterte Frauen rein mit daneben einem gequälten Lebenspartner?!). Nach meiner Überwindung stellte ich fest (gebe zu es nur auf VIdeo geschaut zu haben), dass gerade die Choreographien und die Musik von Björk das sehenswerteste und hörenswerteste war. Ich bin mir nicht sicher, ob diese leidenschaftliche Frau wohl geschauspielert hat oder sie selber war. Sie war sehr überzeugend. Merkwürdig finde ich immer wieder Äußerungen, dass Dogmafilme Übelkeiten hervorrufen können. Also wenn ich die miesen, schnellgeschnittenen Werbespots vor einem Kinofilm meistens überlebt habe, dann haut mich so ein bisschen Handkamera mit Handlung auch nicht um. Das Auge müsste sich heutzutage längst an ganz andere Geschmacklosigkeiten gewöhnt haben (habe doch neulich bei den privaten Sendern gezappt).

Nur für Hartgesottene
Colonia (683), 23.02.2003

Vorweg: Mir war nie zuvor und nie nachher nach einem Kinobesuch so schlecht! Zum einen ist die Wackelkamera, ausgebreitet auf großer Leinwand, nichts für jedes Auge (see- bzw. sehkrank!), zum anderen gehört die Hinrichtungsszene zum Heftigsten, was ich je in einem Film gesehen habe. Wenn das nicht ein ungemein beeindruckendes Plädoyer gegen die Todesstrafe ist, dann weiß ich's nicht. - "Dancer in the dark" ist eine ziemlich merkwürdige Mischung aus Musical und überlangem Dogma-Film-Melodram. Das kann streckenweise quälend sein. Schön und bunt und mitreißend wird es immer dann, wenn sich Protagonistin Selma (gespielt von der isländischen Sängerin Björk in ihrer ersten Kinorolle) in die Welt ihrer geliebten Musicals träumt. Den faszinierenden Soundtrack hierzu lieferte Björk selbst. Ansonsten ist sie mir als Selma einfach eine Spur zu knuffig und zu sehr naiver Gutmensch. Da gefällt mir Cathérine Deneuve als Cathy um Längen besser. Ihre Figur ist um einiges differenzierter. - "Dancer in the dark" ist ein anstrengender aber auch ergreifender Film, wenn man denn erst einmal die erste Stunde durchgestanden hat. Wie gesagt: Nichts für allzu zarte Menschen. 2000 gab's in Cannes die Goldene Palme, anschließend haben sich immerhin fast 3,8 Mio. Menschen diesen nicht eben einfachen Film angesehen (die meisten übrigens in Frankreich, 9.912 in Island). Wie viele zwischendurch wegen Übelkeit das Kino verlassen haben, ist nicht bekannt.

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