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„I slam“
Foto: Ingo Solms

Selbstvergewisserung mit Salat

24. November 2016

„I slam“ in der Studiobühne – Theater am Rhein 12/16

Platz genommen wird an festlich gedeckten Tischen. Geschirr, Kerzen, Tischdecken, kunstvoll gefaltete Servietten und Schauspieler, die einen in schwarzer Koch-Kluft dorthin geleiten. „Schön, dass ihr alle da seid“, sagt Harun (mit rollendem „r“ und kurzem „u“). Man hätte ja so viele andere Dinge tun können, sagt er weiter, zum Beispiel ins richtige Theater gehen.

Man ist vielmehr Teil einer multikulturellen Bekenntnisperformance mit dem Titel „I slam“. Beim zwanglosen Essen sollen alle darüber reden, „warum wir auf einmal wieder das Gefühl haben, wir müssten uns bekennen. Zum Islam. Zum Christentum. Zum Deutschsein.“ Dazu gibt’s Essen und Trinken, serviert von den vier Darstellern Sibel Polat, Victoria Wiese, Harun Ҫiftҫi, Sefa Küskü und dem Regisseur Manuel Moser.

Sefa schält eine Zwiebel, die seine Mutter ohne Kopftuch symbolisiert, Sibel singt einen Song über Statistiken zu Muslimen. Ja, und dann sind da noch 81 rote Tomaten, die für 81 Millionen Menschen in Deutschland stehen. Vier wandern in eine andere Kiste. Die vier Millionen Muslime. „Na gut, noch zwei für die Flüchtlinge.“ Währenddessen macht das Publikum den Salat. Dazu werden später Brot, Dips und Couscous gereicht und Fragen gestellt: Ist der Islam frauenfeindlich? Ist Religion Privatsache? Sind wir dem Islam gegenüber zu tolerant? Putzigerweise gibt’s drei Minuten für die Diskussion jeder Frage.

Interessant wird die Kooperation zwischen c.t.201- freies Theater Köln und studiobühne eigentlich nur, wenn „I slam“ die inneren Konflikte von Muslimen in Deutschland beleuchtet: Dass man am besten keinen Rucksack irgendwo abstellt oder den Bart nicht zu lang wachsen lässt. Im Ganzen ist der Dinner-Abend ganz nett. Er hat aber nichts zu bieten außer der billigen Selbstvergewisserung, auf der toleranten Seite Deutschlands zu stehen. Statt eine Islam-Auseinandersetzung mit den Mitteln des („richtigen“) Theaters zu stiften, nötigen Moser und sein Ensemble die Zuschauer zur Bekenntnisperformance mit Salat und Schneidebrettchen. Eine auf den ersten Blick interessante Idee, die leider scheitert.

„I slam“ | R: Manuel Moser | WA im Mai 2017 | Studiobühne | 0221 470 45 13

BERNHARD KREBS

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