Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28

12.484 Beiträge zu
3.737 Filmen im Forum

Karin Kneffel, Ohne Titel, 2019, Öl auf Leinwand, 180 x 240 cm, Leihgabe Günter Schneider, © VG Bild-Kunst, Bonn
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

Farben hinter Glas

04. Juli 2022

Karin Kneffel im Max Ernst Museum des LVR – Kunst in NRW 07/22

Karin Kneffel, die in München als Professorin lehrt, gehört mit ihrer Virtuosität und Erzählfreude zu den wichtigsten deutschen Maler:innen unserer Zeit – einen Überblick zeigt nun das Max Ernst Museum in Brühl.

Schon das: Es gibt niemanden, der so innig und plastisch Wassertropfen und deren Lichtbrechung malt. Mitunter erinnern sie an Blasen im Bernstein und Honig. Sie liegen auf der Fensterscheibe und initiieren ein Schatten werfendes Flackern, das Lynchs Film „Lost Highway“ alle Ehre machen würde, und dann fällt ein, dass David Lynch ebenfalls hier ausgestellt hat und eine ähnlich auratische Aufladung Teil seiner Kunst ist. Karin Kneffel aber bringt die Malerei mit dem glatten Hyperrealismus und den Effekten des Filmischen, Fotografischen in Einklang. Dazu trägt in den Interieurs die Abbildung von Kunstwerken bevorzugt der Moderne und des Expressionismus bei, welche durch die Fensterscheiben entzogen sind. So wie Kneffel in den 2000er Jahren eine Impression des einstigen Gutbürgerlichen mit seinen fragwürdigen Überbleibseln im Fernsehschirm oder dem Eisbärenfell auf dem Parkett vermittelte, so verweisen diese aktuellen Gemälde auf exquisite Kunstsammlungen, die Identität und Fremdheit, Eigenes und Vereinnahmung ansprechen. Karin Kneffel zitiert mit Bedacht, das betrifft auch Gerhard Richters Werk. Der Hintergrund einer Kerze spiegelt nun die Rückseite der Flamme. Und die grauen Verwischungen des Realismus versieht sie wie auf einem Kontaktbogen mit einer Markierung, die erneut die händische Präsenz gegenüber dem medial Vermittelten und die Abstraktion gegenüber dem Gegenständlichen auslotet. Und dass Handlungen und Blickachsen sich überlagern, die Perspektive verschachtelt und der Boden wie poliert glänzt, macht das Sehen und sich Zurechtfinden noch anregender: Körperliche Erfahrung wird als instabil, von Erinnerung und Träumen, von sozialer Kommunikation und kulturellem Gedächtnis durchsetzt geschildert. Karin Kneffel gelingt eine frenetische Annäherung an das Leben mit seinen Höhen und Tiefen und seinen rauschenden Festen des Sehens: und das rein mit Malerei.

Karin Kneffel – Im Augenblick | bis 28.8. | Max Ernst Museum Brühl des LVR | 02234 992 15 55

Thomas Hirsch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Der Gesang der Flusskrebse

Lesen Sie dazu auch:

Die hohe Schule der Malerei
Karin Kneffel im Max Ernst Museum des LVR in Brühl

Der Zauberfrosch hat Durchblick
„Surreale Tierwesen“ im Max Ernst Museum des LVR – Kunstwandel 01/22

Im Kopf durch fremde Welten scrollen
Jean Giraud aka Mœbius in Brühl – Kunstwandel 10/19

Surreale Welten
Mœbius im Max Ernst Museum – Kunst 09/19

Flammende Herzen
Joana Vasconcelos im Max Ernst Museum des LVR – kunst & gut 07/19

Von der Illustration zur Illusion
Ruth Marten im Max Ernst Museum Brühl des LVR – Kunstwandel 12/18

Mann aus Texas
Robert Wilson inszeniert seine Sammlung im Max Ernst Museum des LVR – kunst & gut 07/18

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!