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Links: Mœbius: Arzak le rocher, 1995, rechts: Mœbius: L’homme du Ciguri, 1994
beide © 2019 Mœbius Production

Surreale Welten

04. September 2019

Mœbius im Max Ernst Museum – Kunst 09/19

Wenn Hochkultur Popkultur einlädt, stellt sich mit einem gewissen Automatismus ein Rechtfertigungszwang ein. Beim Thema Comic war das aufs wunderbarste auf einer Podiumsdiskussion zur großen Robert-Crumb-Ausstellung im Jahr 2004 im Museum Ludwig zu beobachten. Eine gönnerhafte Haltung der Gastgeber und Vergleiche mit Pieter Breughel und August Sander mussten herhalten, um Crumb museumsreif zu machen. 15 Jahre später ist die Diskussion dank „Graphic Novel“-Boom in den Feuilletons weiter. Auch im Text zur Mœbius-Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl des LVR ist der Begriff Comic kein Unwort, obgleich Synonyme wie Bildgeschichten bemüht werden oder von Bildproduktion die Rede ist. Das ist an dieser Stelle aber sinnvoll, konzentriert sich die Ausstellung doch tatsächlich auf die weniger narrativen Einzelbilder, von denen es in Moebius‘ Werk eine Vielzahl gibt. Und natürlich wird eine Ausstellung im Max Ernst Museum immer im Kontext mit dem Namensgeber gesetzt.

Unter seinem Pseudonym Gir ist der Franzose Jean Giraud (1938-2012) nicht so bekannt wie als Mœbius. Gir steht vor allem für die Westernserie „Leutnant Blueberry“, die Giraud fast vierzig Jahre lang begleitete und mit der er das enge Korsett der Comicalben erzählerisch und zeichnerisch sprengte. Legendenstatus brachte ihm auch über die Comicszene hinaus aber vor allem seine Arbeit als Mœbius.

Wer seine Meisterwerke „Arzach“, „Die hermetische Garage“, „Die Sternenwanderer“ und natürlich „John Difool“ (gemeinsam mit dem Autor und Filmemacher Alejandro Jodorowsky) liest, die ab den frühen 70er Jahren unter dem Einfluss der Psychedelik entstanden und allesamt mehr oder weniger surreale Science Fiction sind (er entwarf auch Designs für „Alien“, „Tron“, „Abyss“ und „Das fünfte Element“), findet sich in einem großflächigen Farbspektakel voller wilder Kreaturen wieder. Die surrealen Geschichten entstanden unzensiert als Écriture Automatique, und auch der freie, aber sehr präzise Zeichenstil stellt eine direkte Verbindung zu einem Surrealisten wie Max Ernst her. Diese in Deutschland bislang umfangreichste Ausstellung zu Mœbius gehört genau hier hin.

Mœbius | 19.9. - 16.2 | Max Ernst Museum Brühl des LVR | 022 325 79 30

Christian Meyer-Pröpstl

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