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Mœbius, La chasse au mayor, 2009
© 2019 Mœbius Production

Im Kopf durch fremde Welten scrollen

09. Oktober 2019

Jean Giraud aka Mœbius in Brühl – Kunstwandel 10/19

Wenn der interessierte, aber ahnungslose Besucher nach der Serie Alienmetamorphose (Entstehungsprozesse, 1974), schwarzweißen Seiten aus Jean Girauds „Der Jäger ist enttäuscht“ (2007/8) vorsichtig an einem weißen Sockel mit dem skurrilen 3D-Marstier unter einer Glaskuppel drauf (2007) vorbeigestrichen ist, dann mögen sich seine Augen erleichtert erst einmal an Dantes „Göttlicher Komödie“ (1999) in Farbtusche erfreuen, den Fan, den Kenner begeistert bereits der kleine Screen mit dem Pilotfilm „Starwatcher“ (5:30 min) von 1991.

Der französische Zeichner Jean Giraud (1938-2012) wird zurzeit im Brühler Max-Ernst-Museum gezeigt, eine Ausstellung, die nicht ohne Grund und Sinn dort stattfindet, haben der Meister der einfachen Linie doch ebenso wie der Meister der Frottage zu ihrer Zeit zweidimensionale Welten erschaffen, die subtil und surreal multidimensionale Gedankenuniversen ins Unendliche erweiterten. Giraud, der unter den Pseudonymen Mœbius und Gir im 20.Jahrhundert die ganze Comicwelt in eine neue Dimension hob, nicht nur, weil er seit seinem ersten Bildband „Arzach“ die Direktkolorierung benutzte, er hat auch die bunten Bildergeschichten fest in der realen Kunstwelt verankert. Und dass er nicht nur Stift und Feder beherrschte, sondern sämtliche Mal- und Drucktechniken, kann man in Brühl bei rund 450 Arbeiten des großen Künstlers betrachten.

Wie groß sein Einfluss auch in der Science-Fiction-Filmindustrie war – „Blade Runner“ (1982), „Abyss“ (1989) oder „Das fünfte Element“ (1997) – ist in der wunderbar mit übergroßen zentralen Einzelbildern und Szenerien aus den Serien choreografierten und auch thematisch gegliederten Ausstellung nicht vergessen. All die Akribie und Detailverliebtheit beispielsweise in der einer Lithografie wie „Feuerstadt. Die Garage“ (1985), wo Frösche, Hefte und Farbeimer in einem surrealen Hangar mit gigantischen Flugwesen hüpfen, liegen und rumstehen. Das muss alles erst einmal entdeckt werden, dazu die Utopien des Wunderbaren. Das ist eine grandiose Kunstschau für Quereinsteiger (für die ist der tolle Katalog ein Muss) und auch für Fans, die selbst die Geschichte vom roten U-Boot kennen – für die warten viele Originalblätter und großformatige Originale in Acryl und Aquarell.

Mœbius | bis 16.2. | Max Ernst Museum des LVR Brühl | 02234 992 15 55

Peter Ortmann

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