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Ruth Marten, Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 2, 2015, Tusche und Aquarell auf Papier
Sammlung Gail

Von der Illustration zur Illusion

29. November 2018

Ruth Marten im Max Ernst Museum Brühl des LVR – Kunstwandel 12/18

Wenn sie wissen wollen, warum so viele Bildwerke des 18. und 19. Jahrhunderts auf den Flohmärkten verschwunden sind, dann sollten sie einmal nach Brühl ins Max Ernst Museum fahren. Dort wird zurzeit die erste große Retrospektive der New Yorker Künstlerin Ruth Marten in Europa gezeigt und dort werden sie viele Seiten der verlorenen Bücher finden. Marten ist durch ihre witzigen und subversiven Übermalungen alter Drucke bekannt geworden. Das Original der Illustrationen bleibt erhalten, nur dass ihre Originalität durch einen Kosmos voller Ideen erweitert wird. Fast unbemerkt transformiert die Künstlerin das vorhandene Bildmaterial in etwas Neues. Klar, sie macht auch Collagen, kennt man, insbesondere im Max Ernst Museum, wo der Namensgeber viele seiner Arbeiten auch geklebt, gewischt, frottiert hat – und auch da könnten sie mal wieder durch die Etage des Meisters laufen und vielleicht die großartige Neuerwerbung „Loplop präsentiert Loplop“ (Collage, Bleistift auf Karton, 1931) entdecken.

Ruth Marten, die in den Bildnissen oft auch durch ihre Interventionen die ursprüngliche Dimensionen verändert, verwischt die Inhalte oder komponiert neu – das hat durchaus lyrische Qualitäten und auch Witz, wie bei der Serie „Springbrunnen und Alligatoren“ von 2015, wo drei der Echsen am Strand nun satt zwischen Kleiderfetzen und einem übrig gebliebenen Schuh dösen. Mit zahlreichen Objekten, darunter veränderte Ebenholz-Mitbringsel aus Afrika (2017/18) oder ein Museumskoffer auf Holztisch (2012) hat der wissenschaftliche Leiter und Kurator des Museums die gut 200 Arbeiten auf Papier, Pappe und Leinwand durchmischt und so immer wieder eine neue Konzentrationsebene in den Räumen geschaffen. Noch bis Februar werden die Werke aus fünf Jahrzehnten zu sehen sein. Dabei arbeitet die Künstlerin in den 1970er-Jahren in New York, ihrer Geburtsstadt, als Tätowiererin, als eine der ersten Frauen, die das dort während der späten Hippiezeit gemacht hat. Sie arbeitete als Illustratorin für Magazine, ab und an als Modezeichnerin, malte bereits auf Leinwand und schuf erste Objekte. Doch die Flower-Power-Zeit hatte wohl Spuren hinterlassen. Immer wieder griff sie, selbst mit einer Mähne verwöhnt, das Thema Haare auf und wurde damit bekannt. Anfang des neuen Jahrtausends entdeckt sie die alten Drucke auf den Flohmärkten. 

Ruth Marten – Dream Lover | bis 24.2. | Max Ernst Museum Brühl desLVR, Brühl | 02232 579 30

PETER ORTMANN

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