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„Das hündische Herz“
Foto: Meyer Originals

Halb Mensch, halb Köter

30. Mai 2018

„Das hündische Herz“ im Theater im Bauturm – Theater am Rhein 06/18

Es ist eine wahrlich irrwitzige Geschichte, die Michail Bulgakow 1925 mit „Das hündische Herz“ in der wenige Jahre alten Sowjetunion verfasst hat. Stalins „großer Terror“ hatte zu jener Zeit die Weltbühne noch nicht betreten, aber dennoch wurde Bulgakows Novelle lange Zeit – besonders im Westen während des Kalten Krieges – als Stalin-Satire rezipiert.

Das Ensemble um Kathrin Mayr, die „Das hündische Herz“ im Theater im Bauturm inszeniert, lässt diese Interpretation links liegen und tut das, was die vielbeachtete Neuübersetzung von Alexander Nitzberg aus dem Jahr 2013 nahelegt: Man konzentriert sich viel mehr auf den poetischen Text. Auf die Unordnung und Vielfalt der Erzählperspektiven, die saftige, zupackende Sprache Bulgakows, die schrill, laut, ungestüm und überstürzt klingt. Die Atem- und Rastlosigkeit des Textes wird von den drei Schauspielern Sascha Tschorn, Pablo Konrad und Mario Neumann präzise in wechselnden Rollen und mit viel Lust bespielt.

Die Geschichte ist schnell zusammengefasst: Dem Straßenköter Lumpi werden Hoden und Hypophyse eines Kleinkriminellen verpflanzt, der kurz zuvor sein Leben verloren hat. Nach der Operation setzt bei Lumpi eine Vermenschlichung ein. Die trägt aber die asozialen Charakterzüge des Kriminellen. Dennoch schafft er es, sich Papiere zu beschaffen und unter dem Namen Polygraph Polygraphowitsch Lumpikow sogar das Amt als „Vorsitzender der Unterabteilung für die Bereinigung der Stadt Moskau von wild streunenden Tieren (Katern u.a.)“ zu ergattern. Keine Frage, dass der Köter mit den Eiern und der Hirnanhangsdrüse eines Kriminellen die Sache effizient und gut erledigt. Der treue Parteigenosse Lumpikow kehrt auch zurück in den Haushalt seines Schöpfers, dem Chirurgen Preobraschenski, um ihn als Bourgeoise zu denunzieren. Das Leben in der Wohnung gerät zur Hölle, sodass Preobraschenski die Operation schließlich rückgängig macht.

Statt einer ideologisch vorbelasteten Stalin-Satire, bekommt das Publikum im Bauturm feines Sprechtheater und eine Parabel über Renitenz und Widerstand gegen jegliche staatlich verordneten Charakterbesserungsprogramme geboten.

„Das hündische Herz“ | R: Kathrin Mayr | 10.6. 18 Uhr, 11., 28.-30.6. je 20 Uhr | Theater im Bauturm | 0221 52 42 42

BERNHARD KREBS

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