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Die Schauspieler beim Dreh im Bühnenbereich
Foto: Krafft Angerer

Abrechnung mit dem amerikanischen Traum

05. Februar 2021

„Früchte des Zorns“ am Schauspiel Köln – Bühne 02/21

Der Amerikanische Traum und sein hohles Zerplatzen stehen im Zentrum des Romans von John Steinbeck. 1939 erschien der Band mit dem Originaltitel The Grapes of Wrath bereits in US-Amerika und erlangte wenig später den Pulitzer-Preis. Steinbeck soll für seine Recherchen selbst einen Flüchtlingstreck begleitet haben. Die Geschichte geht so: Nach Jahren der Dürre geben Hunderttausende ihr Leben in Armut auf und machen sich auf den Weg in ein Land, in dem Milch und Honig fließt. Dort erhoffen sie sich Rettung und die Aussicht auf gut bezahlte Arbeit. Doch konfrontiert werden sie tatsächlich mit Ausbeutung, Ausgrenzung und Betrug.

Diese Menschen kommen aus dem Mittleren Westen der USA, aus Oklahoma und Arkansas, wo sie ihre Farmen aufgeben mussten. Über die Route 66 pilgern sie in den Westen, nach Kalifornien. Steinbecks Roman spielt in den 1930er Jahren. Doch sein Inhalt lässt sich mühelos auf die aktuell in der (nicht nur US-amerikanischen) Welt tobenden Krisen übertragen. Genau dies hat sich die Produktion des Schauspiel Köln auferlegt.

Unter der Regie des Schweizers Rafael Sanchez wurde die Neubearbeitung des Stücks durch den Schriftsteller petschinka ins 21. Jahrhundert gehoben. Zu einer Zeit, in der starke Flüchtlingsbewegungen immer wieder die Nachrichten dominieren, haben viele Menschen noch immer nicht den Glauben an die Formel Vom Tellerwäscher zum Millionär verloren; sie höchstens noch ergänzt durch zwei *in. Besonders in der Zeit der Coronakrise muss jedoch klar werden, dass dieser Traum vollkommen dekonstruiert wird. In den USA haben bisher die sozial Schwächeren mitunter am stärksten unter den Folgen des verheerenden Virus zu leiden. Die meisten Toten stammten laut Schauspiel Köln aus afroamerikanischen Communities, die schlechter vernetzt sind. Viele verlieren durch die Depression der Wirtschaft ihre Jobs.

Im Streamingportal des Schauspiel Köln, Dramazon Prime, wird nun an zwei Terminen die Aufzeichnung der Dezember-Premiere gezeigt, in der unter anderen Seán McDonagh und Margot Gödrös die Verbindung zwischen Wirtschaftskrise, Migrationsbewegung und auch Klimawandel darstellen. Am 6. Februar erhält der Theaterabend Unterstützung durch eine Einführung in Stück und Thema, gegeben von Regisseur Sanchez und Dramaturgin Stawrula Panagiotaki. Tickets kosten mit Bezahl so viel du magst 1 bis 100 Euro.

Früchte des Zorns | R.: Rafael Sanchez | Dramazon Prime | 6.2. 19.30 Uhr, 21.2. 16 Uhr | Schauspiel Köln | www.schauspiel.koeln/spielplan/a-z/fruechte-des-zorns  | 0221 221 28 400

Rosanna Großmann

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