Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10

12.479 Beiträge zu
3.734 Filmen im Forum

Moritz Sostmann
Foto: Thomas Aurin

Ungewisse Zukunft

25. Mai 2022

„Der Weg zurück“ am Schauspiel Köln – Prolog 06/22

Darüber lässt sich Einigkeit erzielen: Genmanipulation, Ausbeutung von Erdböden, flächendeckender Einsatz von Antibiotika sind abzulehnen. Wer das allerdings zurückweist, findet sich umstandslos in der Bewegung „Die Regression“ wieder, die der britische Dramatiker Dennis Kelly in seinem gleichnamigen Drama (dt. „Der Weg zurück“) ins Zentrum rückt. Inszeniert wird es jetzt am Schauspiel Köln von Regisseur Moritz Sostmann, bekannt für seinen fantasievollen Umgang mit Puppen und Schauspieler:innen.

Über fünf Generationen schildert Kelly, wie sich eine Familie und ein Staat in eine immer größere Fortschritts- und Wissenschaftsfeindlichkeit hineinschrauben. Am Anfang steht ein reproduktionsmedizinisches Experiment, bei der die Mutter stirbt, die Tochter aber überlebt. Der Vater ruft die Regressions-Bewegung ins Leben. Tochter Dawn verübt bereits terroristische Anschläge und die beiden Enkel fungieren dann als Funktionäre eines „Nationalen Regressionsrates“. Der Protest verfestigt sich bis zur Propagierung eines umfassenden Nichtwissens und einer Sprache, die nur noch einsilbige Worte benutzt. Dystopie? Satire?

Regisseur Moritz Sostmann sieht das Stück als Untersuchung, „wie Radikalisierung entsteht“, und zieht eine Parallele zur Corona-Pandemie und den schweren sozialen Verwerfungen, die bis in privateste Verhältnisse hineinreichten. Nur umfassende Abrüstung im konfliktträchtigen Umgang miteinander führe angesichts zukünftiger Herausforderungen wie Künstliche Intelligenz oder Reproduktionsmedizin zu einer befriedeten Gesellschaft. Fortschritt folge zudem „keinen gesetzmäßigen Tendenzen“. „Die Zukunft ist offen“ formuliert Moritz Sostmann mit klarem dialektischem Blick. Angesichts von Kellys dystopischer Welt läge ein Einsatz von Puppen nahe. Doch Sostmann hat sich für ein Konzept entschieden, das Puppen weniger als agierende „Personen“ behandelt, sondern als „Projektionsfläche“. Dafür setzt er einige neue, aber auch nahezu alle Puppen ein, die jemals in seinen Kölner Inszenierungen zu sehen waren – ein radikales Stück erfordert schließlich ein radikales Konzept.

Der Weg zurück | R: Moritz Sostmann |  2., 4., 23.6. | Schauspiel Köln | 0221 22 12 84 00

Hans-Christoph Zimmermann

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Elvis

Lesen Sie dazu auch:

Subversive Mörderin
„Richard drei“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 06/22

Territorium des Traumas
„Vom Krieg“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 05/22

Kein Entkommen
„Mölln 92/22“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 05/22

Kriechend durch das aufrechte Leben
„Die gelbe Tapete“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 04/22

Reliquien-Lego
Oliver Frljiçs neue Produktion – Theater am Rhein 02/22

Der dunkle Schatten des Doms
Nicola Gründel spielt in Oliver Frljiićs Produktion über den Dombau – Premiere 12/21

Schaler Aufguss
Schauspiel Köln zeigt „Die Lücke 2.0“ – Theater am Rhein 12/21

Bühne.

Hier erscheint die Aufforderung!