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Ein Dino der Jazzszene: Bob Mintzer
Foto: Presse

Wespen im Pfandhaus

29. September 2016

WDR Big Band-Chef Bob Mintzer mit den Yellowjackets in Köln – Improvisierte Musik in NRW 10/16

Die Projekte der WDR Big Band sind immer recht bunt, auch die öffentlich-rechtlichen Jazzer sind aufgerufen, ein junges Publikum anzusprechen und Grenzen zum Populären aufzustoßen. Deshalb ist die Verpflichtung eines kompetenten Heroen der amerikanischen Jazzszene, in diesem Falle des Saxophonisten Bob Mintzer, eine dankbar angenommene Offerte für die Jazz- und Fusion-Freaks, das Senderorchester aus Köln ab jetzt wieder häufiger in ihrer ureigenen Profession zu erleben. Ein erster Auftrag im Vorfeld an den Komponisten Bob Mintzer, dem nun designierten neuen Chefdirigenten der WDR Big Band, lautete, den Blick und das Ohr auf das solistische Potential der Grammy-gezierten Großband zu richten.

So inszenierte Mintzer in einer breit angelegten Suite Wandelgärten für improvisierende Jazzmusiker. Da haben die WDR-Musiker, die ja im noch andauernden Generationenwechsel auf junge, austrainierte, multistilistisch ausgeformte Superprofis zugreifen können, einiges aufzubieten. Der Musiker-Job für den WDR ist attraktiv, denn wo gibt es außer im Lehrbereich beamtenähnlich ausgestattete Wirkungsfelder für Jazzmusiker? Deshalb versammeln sich seit zwanzig Jahren einstige Jungstars in diesem Jazz-Orchester: Das ergibt eine hochexplosive Mischung.

„My German is kaputt“, moderierte der kauzige Star der Yellowjackets, dieser berühmten Fusionband, die sich dem Instrumentaljazz verschrieben hat – vor fast 40 Jahren. Und die Jungs sind teilweise taufrisch geblieben, mit relativ konstanter Besetzung. Yellowjackets, eine Legende in den Staaten, werden hierzulande eher von Jazzkennern geliebt. Saxophonist Mintzer stellte u.a. begeistert den aktuellen Bassisten Dane Alderson vor. „Sehr musikalisch“, meinte er. Ein Ritterschlag für den Neuen nach solchen Raketen wie Jimmy Haslip oder zuletzt dem Jaco Pastorius-Sohn. Die dicken Saiten müssen slappen, swingen und hohes Tempo gehen. Und die Band, die ja stilistisch wandelbar ist wie ein Chamäleon, swingt auch gewaltig. Was den alten und jungen „Wespen“ unverbraucht innewohnt: Energie, Perfektion, mühelose Virtuosität, Konstanz. William Kennedy sitzt bald 30 Jahre am Schlagzeug, Pianist Russel Ferrante seit den ersten Kontakten 1977. Trotzdem ist keine Routine spürbar. Das ist einfach toll.

Das Beste ist aber die Gelegenheit, den neuen Bandchef der Big Band in seiner Band zu erleben. Ob der professorale Bill Dobbins oder der humorig-lockere Michael Abene, seine ebenfalls sehr potenten Vorgänger, beides herausragende Pianisten und Arrangeure, keiner hat eine eigene Band über die Jahre begleitet – oder er hat sie in Köln verschwiegen. Das Ohr an dem Urgestein „Yellowjackets“ erlaubt einen intimen Blick in das musikalische Wohnzimmer des Tenorsaxophonisten Mintzer – dem neuen WDR-Maestro der Jazzmusik.

Yellowjackets | Mi 19.10. 20 Uhr | Altes Pfandhaus, Köln | www.altes-pfandhaus.de

Olaf Weiden

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