Den Kölner Jazzpianisten Martin Sasse vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Schon lange gehört er zu den anerkanntesten Jazz-Musikern nicht nur der Stadt, sondern des Landes. Regelmäßig tritt er mit seinem Trio, sprich mit Henning Gailing (Bass) und dem Nimweger Joost van Schaik (Drums), auf. Wie bereits mehrmals zuvor, wird die Gruppe ergänzt durch den berühmten New Yorker Jazzgitarristen Peter Bernstein. Dieser performt seit seiner Entdeckung durch Altsaxophonist Lou Donaldso 1990 in sämtlichen Jazzclubs des Big Apple und spielt mit Größen wie Sonny Rollins, Bobby Hutcherson, George Coleman, Dr. Lonnie Smith, Fathead Newman, Joshua Redman, Brad Mehldau, Diana Krall, Lee Konitz und Jimmy Cobb. Wie kam er mit dem hiesigen Trio zusammen? „Ich war 1996 in New York in vielen Jazzclubs unterwegs, habe Peter spielen gehört und mit ihm Kontakt aufgenommen“, erzählt Martin Sasse. „Seither haben wir mehrere Konzerttourneen gemacht und 2003 ‚A Groovy Affair‘ aufgenommen.“ Diese ist inzwischen ausverkauft. „Heute ist es nicht mehr nötig, eine CD aufzunehmen“, erklärt Bernstein auf die Frage nach einem neuen Projekt. „Heute wird jedes Konzert mitgeschnitten und auf Youtube gestellt.“
Was sie denn für den Abend im Alten Pfandhaus vorbereitet hätten? „ Wir spielen einen Mix aus Eigenkompositionen und Standards. Zwei neuere Stücke sowie ein älteres sind von mir“, zählt Martin Sasse auf. Was davon sind die Highlights? „Das ist unvorhersehbar. Wir improvisieren, kommunizieren und hoffen, dass es den Leuten gefällt“, meint Peter Bernstein. Und ergänzt schmunzelnd: „Hoffentlich sind alle Highlights.“ Die Kompositionen seien nur der Rahmen, an dem man sich orientiere: „Wir folgen der Melodie, den Harmonien. Jeder ist frei, seine eigene Interpretation zu spielen.“
Im Alten Pfandhaus erklingen Stücke wie ‚Groove Machine‘, ‚Dragon Fly‘, ‚Simple than that‘, ‚Jetstream‘, ‚My Idea‘ oder ‚Jive Coffee‘. Martin Sasse lässt seine Finger atemberaubend schnell über die Tasten galoppieren, Henning Gailing beugt sich liebevoll zupfend über seinen Bass, während Joost von Schaik das Schlagzeug mit einer Verve bearbeitet, dass einem allein beim Zuhören heiß wird. Peter Bernstein geht völlig auf im intimen Tête-à-tête mit seiner Gitarre. Er gibt merklich alles und hört doch zugleich immer auf seine Kompagnons, deren Läufe, Pausen und Stimmungen. Das Publikum dankt dem Quartett mit rhythmisch nickenden Köpfen, wiegendem Mitswingen und begeistertem Applaus.
Wer vom Konzert noch nicht genug hatte, konnte in der Pause CDs kaufen, aber auch den neuen Film „Blue“ von Regisseur, Kameramann und Cutter Christoph Felder: Ein Martin Sasse-Portrait. Felder begleitete ihn auf seinen Konzerte, Studiobesuchen und Reisen. Sternstunden wie die Begegnung mit dem bekannten Schlagzeuger Dennis Mackrel wurden festgehalten. New Yorker Straßenszenen, Naturimpressionen sowie Reflexionen über den Jazz ergänzen die ‚Magical Moments‘. Der Film, der vor kurzem erstmals präsentiert wurde, wird 2017 wieder zu sehen sein.
TEXT/ FOTOS: KATJA SINDEMANN
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