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„Für immer schön“
Foto: Meyer Originals

Stehauffrauchen aus dem Beauty Department

30. Mai 2018

„Für immer schön“ im FWT – Theater am Rhein 06/18

Cookie Close kommt immer von links. Im rosa Kostüm und mit passendem Koffertrolley betritt sie die Cinemascopebühne des Freien Werkstatt Theaters, stöckelt zwei gelbe Linien entlang, plaudert mit dem Publikum und verschwindet dann am entlegensten rechten Ende. Immer im Kreis also und gegen den Uhrzeigersinn. Die Heldin in Noah Haidles „Für immer schön“ kämpft gegen die Zeit, gegen Alter, Verfall und Tod. Sie ist eine Schwester von Millers „Handlungsreisendem“ und Brechts „Mutter Courage“, munitioniert mit den Versprechen des American Dream und den Verheißungen der Bibel: „So sah ich denn, dass nichts Besseres ist, als dass ein Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit“ – heißt es im Buch der Prediger. Und genauso spielt Fiona Metscher diese Cookie als daueroptimistisches, etwas eindimensionales Stehauffrauchen der ökonomischen Verkaufsoptimierung, als Klinkeputzerin der Anti-Aging-Produkte, mit gelegentlichen kleinen Verzweiflungsattacken, die sie wie melancholische Fussel auf dem Rock wegschnippt. Zwischendurch begegnet sie ihrer jungen Konkurrentin Heather, die Raphaela Kicka als extrem überdrehtes Girlie spielt; dem verdrucksten minderjährigen Dan (Thomas Wenzel in kurzen Hosen), mit dem Cookie ihre Tochter Dawn in einem Onedaystand zeugt; später ihrer erwachsenen gewordenen und heroinabhängigen Tochter (sehr ruppig: Nadja Duesterberg).

Guido Radermachers inszeniert das alles durchaus nachvollziehbar als Lebensreise und verfehlt doch Haidles fast metaphysisch-symbolistischen Realismus. Das Stück verknüpft die American-Dream-Metapher mit philosophischen Beobachtungen über Zeit, Wahrnehmung und Existenz. Sätze wie „Aufgeben ist Schwäche“ oder „Es ist die Wahrnehmung, die uns befreit“ zielen auf mehr als ökonomische Selbstoptimierung oder Beautyideologie. Cookies Blindheit und Umherziehen mit der Leiche ihrer Tochter auf mehr als physische oder pekuniäre Mängel. Da reicht es dann auch nicht, dass Thomas Wenzel am Anfang und Ende als Entertainer Bibelverse aufsagt.

„Für immer schön“ | R: Guido Rademachers | 7.-9., 15., 16.6. 20 Uhr | Freies Werkstatt Theater | 0221 32 78 17

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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