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„Anata o Korosu“ von Philippe David Gagné und Jean-Marc E. Roy
Foto: Presse

Getarnte Gattung

27. September 2012

Das shnit Kurzfilmfestival präsentiert die vielen Seiten des Kurzfilms – Festival 10/12

Der Kurzfilm ist überall anzutreffen, und doch ist er fast unsichtbar. Einerseits ist er die Keimzelle der gesamten Filmgeschichte – mit dem Kurzfilm fing alles an. Doch nach der Ablösung durch das Langformat ist der Kurzfilm zunächst ins Vorprogramm gerutscht und dann schon bald ganz aus dem Kinoalltag gewichen. Andererseits ist der Kurzfilm auch die Keimzelle eines jeden Filmemachers: Als Fingerübung von Filmstudenten hat er immer noch seinen festen Auftrag, verbunden mit der Hoffnung auf eine Eintrittskarte in das Filmgeschäft. Zur regelrechten Blüte hat er es hingegen in Regionen gebracht, in denen sein Name nur selten fällt: Getarnt als Musikclip, als anspruchsvoller Werbefilm oder als Künstlervideo findet man ihn überall – nur nicht im Kino. Aber ganz selten kulminieren dann doch der explizite Kurzfilm und auch der verkleidete Kurzfilm im Kino. Seine Zeit ist allerdings nicht das tägliche Kinoprogramm, sondern das Filmfestival. Dort weiß man seine Vielfältigkeit, seine Wandlungsfähigkeit, seine Spontaneität, seine Komplexität ebenso wie seine Einfachheit zu schätzen und würdigt sie mit einem bunten Programm von und für Kurzfilm-Aficionados. Auf Festivals wächst und gedeiht er und erfreut sich größter Beliebtheit. Dass man die Einschränkung und Knappheit des Formats auch als künstlerische Herausforderung begreifen kann, muss man hier niemandem erklären. Nicht umsonst kehrt so mancher gestandene Spielfilmregisseur immer mal wieder zum kurzen Format zurück – und sei es nur für die Beteiligung an einem Episodenfilm.

Das Kölner Kurzfilmfestival „shnit“ gibt es seit 2009. Mit der vierten Kölner Ausgabe feiert man zugleich die zehnte Ausgabe des Festivals. Denn „shnit“ wurde bereits 2003 in Bern gegründet. 2009 fand erstmals parallel die Kölner Ausgabe statt. In 2010 folgte Kapstadt, 2011 schlossen sich San José, Singapur und Wien an. In diesem Jahr sind mit Buenos Aires, Kairo, Lagos und San Francisco weitere Städte hinzugekommen, in denen das Festival zeitgleich läuft. Eine Variante, die logistisch nur durch die Digitalisierung möglich geworden ist. Zehn Jahre – zehn Städte: Das wird mit Sonderprogrammen, Highlights der bisherigen Filmauswahl und einem Rückblick auf die Entwicklung des Festivals gefeiert. Zugleich erhöht man in diesem Jahr die maximale Spiellänge der Filme von 15 Minuten auf 40 Minuten. In Köln führt das dazu, dass „shnit“ nun dieselben Auswahlkriterien hat wie das zweite und ältere Kölner Kurzfilmfestival „Unlimited“.

„shnit“ zeigt vom 3. bis zum 7. Oktober ca. 200 Filme, die in unterschiedlichsten Reihen zusammengefasst wurden. Die Reihen und Blöcke sorgen nicht nur dafür, dass dem durch den Langfilm definierten Zeitmaß Rechnung getragen wird, sie sorgen bei all den vielen Genres und Unterkategorien des Kurzfilms auch dafür, dass man nicht den Überblick verliert. Im Zentrum des Festivals steht wieder der internationale Wettbewerb „shnit open“ mit 64 Filmen in zehn Programmblöcken. Der Wettbewerb ist zusätzlich in drei Spiellängen und den German Award eingeteilt. Daneben wird es Reihen mit Animationsfilmen, Dokumentationen, experimentellen Ansätzen, Queer- und Erotik-Themen geben und eine Feel Good-Reihe, für alle, die einfach Spaß haben wollen und gewagte Ausfallschritte scheuen. Das kölsche Gedeck zollt bei all der globalen Logistik des Festivals dem lokalen Filmschaffen seinen Tribut.

shnit Kurzfilmfestival I 3.-7.10., Opening Night am 3.10. um 20 Uhr, Programme starten am 4.10. ab 17 Uhr im Stundentakt I Filmhaus I www.shnit.org

CHRISTIAN MEYER

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