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The First Purge

The First Purge
USA 2018, Laufzeit: 102 Min., FSK 18
Regie: Gerard McMurray
Darsteller: Y'lan Noel, Lex Scott Davis, Joivan Wade
>> upig.de/micro/the-first-purge

Gelungenes Prequel zur dystopischen Actioner-Reihe

Was hab ich getan?
„The First Purge“
von Gerard McMurray

Endlich. Mit dem Prequel zur Trilogie nimmt das Unterfangen mal Fahrt auf. Erfinder James DeMonaco, der die ersten drei Teile schrieb und inszenierte, hatte viel zu lang eine gute Idee auf solidem Trash-Niveau balanciert. Genau genommen war es die Idee seiner Frau, die sich irgendwann im Scherz wünschte, einen Tag im Jahr ungestraft tun und machen zu können, was sie will. DeMonaco entwickelte daraus ein dystopisches Gesellschaftsprinzip: Einmal im Jahr darf man demnach in den USA für eine Nacht das Gesetz brechen, sprich: morden und plündern, was das Zeug hält, ohne dafür belangt zu werden, sprich: purgen. Um sich zu „reinigen“ und somit den Rest des Jahres zahm zu bleiben, was auch, zumindest im Kino, ganz gut funktioniert: Die Straftaten gehen jenseits der Purge-Nacht spürbar zurück.

Der erste Teil blickte noch in den vermeintlich geschützten Raum der bürgerlichen Familie. Danach ging es raus in die Reihen derer, die den größten Blutzoll zahlen: die Menschen am Rand der Gesellschaft, die es sich finanziell nicht leisten können, sich vor den Horden zu schützen. Und so sterben zum Purge alljährlich vornehmlich diejenigen, die dem Staat auf der Tasche liegen. Nutznießer: Regierung und Waffenlobby.

Das war es dann aber schon mit inhaltlicher Relevanz. Leider blieb die Trilogie bei hohem Potenzial bisher bloß halbherzig und seelenlos umgesetzt, erreichte weder konkreten gesellschaftskritischen Biss noch satirischen Ansatz. DeMonaco beließ es letztlich beim redundanten, blutigen Katz- und Mausspiel, das er hier und dort recht unsortiert mit fixen Ideen spickte. Das Potenzial nicht ausgeschöpft, spannungsarm, die Charaktere ohne Tiefe – solide Action, bei der die Kasse stimmt, mehr nicht. Ein wesentliches Manko könnte dem Umstand verschuldet sein, dass die Kinoreihe so gar nicht beleuchtet, was um die Purge-Nacht herum passiert. Damit immerhin befasst sich wohl demnächst  eine Fernsehserie, die im Herbst 2018 in den USA startet.

Wenn nun der neueste Teil von der allerersten Purge-Nacht erzählt, birgt die Sache von Natur aus mehr Potenzial als die Vorgänger: Das Konzept ist noch Experiment statt etabliert, die Beteiligten noch nicht routiniert, der Event noch nicht kultiviert. Eine Verhaltensforscherin (Marisa Tomei) bringt die Sache ins Rollen. Sie konzipiert ein Experiment, das die Rechtsaußen-Regierung mit Kusshand unterstützt: Im New Yorker Bezirk Staten Island wird für eine Nacht die Rechtsprechung ausgehebelt. Wer freiwillig bleibt, erhält 5000 Dollar, wer Schindluder treibt, bekommt noch mehr. Im Vorfeld werden psychologische Tests durchgeführt, die Probanden erhalten implantierte Peilsender und Kontaktlinsen mit Videofunktion. Eine Aktivistin (Lex Scott Davis) protestiert, der Gangster des Stadtteils (Y’lan Noel) schüttelt fassungslos den Kopf: „Auf einmal wollen alle Gangster sein!“ Dann ertönen die Start-Sirenen. Wenig später jedoch muss der Stabschef ernüchtert feststellen: „Da passiert überhaupt nichts!“

Tja: Stell dir vor, es ist Purge-Nacht, und keiner geht hin!  Es ist großartig: Anstatt zu morden, treffen sich die Menschen in bunten Kostümen zur Spontanparty auf den Straßen. Zumindest vorerst, versteht sich! Das ist originell und frech, was sich DeMonaco dieses mal zurecht spinnt, und auch der weitere Verlauf punktet mit allerlei inspiriertem Querverweis, sei es im Hinblick auf Machtmissbrauch und politische Manipulation, sei es mit Filmzitaten. Mühelos entwickelt der Film Tempo und Dynamik, lebt von nicht gekannter Komplexität, ohne dabei auch nur annähernd verkopft zu sein. In erster Linie ist das sicherlich Regisseur Gerard McMurray („Nächster Halt: Fruitvale Station“) zu verdanken, für den DeMonaco (endlich) den Stuhl räumt. McMurray rückt die Reihe spürbar aus der Trash-Ecke heraus, inszeniert mit Wucht und Köpfchen und spricht, ohne die Actionfans zu vergraulen, gar neue Zuschauer an. Und weil es ein Prequel ist, kann hier ja jeder wunderbar neueinsteigen.

(Hartmut Ernst)

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