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Requiem

Requiem
Deutschland 2005, Laufzeit: 92 Min., FSK 12
Regie: Hans-Christian Schmid
Darsteller: Sandra Hüller, Imogen Kogge, Burghart Klaußner, Anna Blomeier, Friederike Adolph, Jens Harzer, Irene Kugler, Eva Löbau, Johann Adam Oest, Nicholas Reinke, Walter Schmidinger

Meine Meinung zu diesem Film

Wie schön,
Cinemoenti (173), 02.02.2009

dass dieser Film nicht so suggestiv arbeitet wie sein pendant "Der Exorzismus von Emily Rose", den ich bis dahin für einen guten Film hielt. Es bleibt als einziger Blick der Blick von außen, wir hören keine Stimmen mit dem Opfer, wir müssen ihm glauben, und das ist richtig so.

Indes, für mich ist relativ klar, dass zu einer wie auch immer gearteten Überempfindlichkeit oder Veranlagung der Gequälten der kranke Geist einer zur Liebe unfähigen Mutter kommen muss, um seine zerstörerische Kraft ganz entwickeln zu können, gekoppelt an eine ebenso kranke (nüchterner ausgedrückt: hohle) Religiosität in der Familie, im Ort. Das ist hier ähnlich offensichtlich wie beim Film "Frances", den ich an dieser Stelle gern empfehlen möchte.

Zeitreise
Raspa (334), 18.03.2007

Ich habe den Film leider erst jetzt auf DVD gesehen und kann nur all das bestätigen, was hier an Lobendem bereits geschrieben wurde. Die Atmosphäre der frühen 70er Jahre wurde wohl, zumindest auf die deutsche Provinz bezogen, noch nie so exakt wiedergegeben wie in "Requiem". H.-Ch. Schmid ist einfach ein wunderbarer Regisseur, er beweist es immer wieder aufs neue.

Eine Zeitreise
SeBiG (30), 04.06.2006

Was mich vor allem schwer beeindruckt hat, war die penible "Rekonstruktion" der 70er. Ebenso die exzellente Performance von Frau Hüller.

Ein wenig überrascht hat mich der Schluß; ich dachte, in dem Film würde es mehr um den "Exorzismus an sich" gehen. Aber so gesehen war es völlig korrekt, das so zu handhaben: Während der Spieldauer hat sich deutlich genug herauskristallisiert, daß es überhaupt nicht um das "Ereignis an sich" ging. Sondern um das soziale Umfeld, in dem solch schwarze Saat aufgehen konnte.

Ein mittelalterliches Drama im späten 20.ten Jahrhundert.

ok
Tetischeri (79), 22.05.2006

Ich fand den Film nicht schlecht.

zum Teufel nochmal ...
avelevin (20), 21.03.2006

warum läuft dieser Film eigentlich nur in einem Kino in Köln ?
Wie Colonia und Jungernaut habe auch ich einen hervorragenden Film gesehen der mich Zeitweise so mitgenommen hat das ich am liebsten im Kino aufgesprungen wäre und "Michaelas" Eltern wachgerüttelt hätte damit sie endlich erkennen was mit ihrer Tochter geschieht.
Ein toller Film den man sich auf jeden Fall ansehen sollte, wenn man noch ein Kino findet das ihn zeigt.

Sympathie für eine arme Teufelin
juggernaut (162), 13.03.2006

Ohne das hervorragende Ensemble herabwürdigen zu wollen: das ist Sandra Hüllers Film. Es gibt Szenen, bei denen man im Kinosessel regelrecht paralysiert wird von ihrer Präsenz und ihrem extrem intensiven Schauspiel. Und dafür braucht?s auch keinen Spider-Walk und keine grün-glibbrigen Ausscheidungen wie einst bei Linda Blair in ?The Exorcist?. Mit dieser Art von filmischem Exorzismus hat Hans-Christian Schmids Film nichts zu tun. Was wir sehen, ist das Drama einer durchaus lebensfrohen jungen Frau, die zerrissen ist zwischen einem offensichtlich tief empfundenen, aber eben auch anerzogenen Glauben und dem Bedürfnis, ihrem Freiheitsdrang nachzugeben und sich dem Einfluss ihrer strenggläubigen Mutter zu entziehen.

Das allein würde nicht unbedingt ausreichend Konfliktstoff für einen Film hergeben, doch Michaela (Sandra Hüller) ist offensichtlich psychisch krank: Sie hört Stimmen und hat Anfälle. Und wenn ?es? dann aus ihr herausbricht, kann sie keine religiösen Symbole wie Kreuz oder Rosenkranz mehr berühren. Die genauen Ursachen ihrer Krankheit können medizinisch nicht lokalisiert und offenbar nur unzureichend behandelt werden. Dafür weiß ein junger Gottesmann, wie man mit so etwas umzugehen hat: Der Teufel im Leib kann nicht therapiert, nur exorziert werden. Das versucht er denn auch, in höchstbischöflichem Auftrag und mit Unterstützung eines älteren Kollegen. Was folgt, ist das tragische Ende der jungen Frau, die schließlich an Unterernährung und Entkräftung stirbt.

Dabei wollte es allerdings das Gericht in der wahren Geschichte, auf die ?Requiem? sich bezieht, nicht einfach so bewenden lassen. Priester und Eltern wurden wegen unterlassener Hilfeleistung zu Bewährungsstrafen verurteilt

Mit dem Exorzismus ist es damit allerdings noch lange nicht vorbei. Wie kürzlich zu lesen war, hat der neue oberste Zeremonienmeister in Rom diese Praktiken grundsätzlich abgesegnet und lässt in Seminaren weiter Fachleute für Teufelsaustreibungen ausbilden.

Passion, Martyrium und Sühneleiden
Colonia (683), 09.03.2006

Ein Spiegel-Artikel vor rund 10 Jahren über Wallfahrten zum Grab von Anneliese Michel war Inspiration zu "Requiem" und Anlass für Regisseur/Produzent Schmid und Drehbuchautor Lange, sich sehr intensiv mit der Vorgeschichte zu befassen.

Nun kann man die Geschichte der Anneliese Michel im Internet und in Verbindung mit "Requiem" ganz gut nachlesen, daher beschränke ich mich auf den Film.

"Requiem" ist kein Hollywood-Hochglanzkino und kein blutiger Exorzismus-Schocker wie "Der Exorzismus von Emily Rose ", der den gleichen Fall zur sehr frei verwendeten Vorlage hatte. Er ist verstörend realistisch und unglaublich dicht. Den 70-er-Jahre Muff und Mief des erzkatholischen Umfeldes von Anneliese, die im Film Michaela Klingler heißt, kann man förmlich riechen, die Enge im Elternhaus ist körperlich spürbar, Zwänge sind allgegenwärtig.

Hans-Christian Schmid war mit seinen Filmen schon oft nah dran am inneren wie äußeren Geschehen. Mit der gerne eingesetzten Handkamera in "Requiem" ist er allerdings so nah wie nie zuvor. Er kann sich hier auf ein ausnahmslos sehr gutes Ensemble verlassen. Was "Requiem" aber zu einem ganz besonderen Erlebnis macht, ist Schmids Entdeckung, die Schauspielerin Sandra Hüller vom Theater Basel. So ein intensives Spiel hat man lange nicht auf der Leinwand gesehen.

Beim gestrigen Publikumsgespräch mit Hans-Christian Schmid in einem Kölner Kino wurde nicht nur äußerst lebhaft diskutiert und nachgehakt, es kam auch die Frage auf, ob Schmid seine Hauptfigur ernst nimmt. Ich denke, das tut er. Und er tut es, ohne über sie zu urteilen.

Wenn er Sandra Hüller in oft improvisierten Szenen Michaelas Anfälle "spielen" lässt, dann ist das verstörend und beklemmend für den Zuschauer. Ähnlich wie Michaelas Freund steht man hilflos daneben und wird mit dem abrupten Schluss gänzlich allein gelassen. Dennoch ist es das perfekte Ende für den Film. Für das, was nach der letzten Blende passiert, gibt es einfach keine zumutbaren Bilder mehr.

Am 1. Juli jährt sich der Todestag von Anneliese Michel zum 30. Mal. Erstaunlich und für uns Kinogänger positiv, dass, während "Kannibale" Armin Meiwes den Film "Rothenburg" vorerst stoppen lassen konnte, weil er seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah, sich die Familie Michel seit Jahrzehnten völlig bedeckt hält.

-> siehe auch "Der Exorzismus von Emily Rose"

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