
One for the Road
Deutschland 2022, Laufzeit: 115 Min., FSK 12
Regie: Markus Goller
Darsteller: Frederick Lau, Nora Tschirner, Burak Yiğit
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Alkoholikerdrama
So unwürdig
„One For The Road“ von Markus Gollar
Berlin. Mark (Frederik Lau), Mitte 30, sitzt, kompetent und respektiert, als Bauleiter beruflich fest im Sattel. Und abends wird gefeiert. Feiern kann Mark allerdings nur im Vollsuff. Als er eines Nachts entsprechend angeschickert noch kurz das Auto umparkt, gerät er an eine Polizeikontrolle und der Lappen ist weg. Mit Kumpel Nadim (Burak Yiğit) wettet er, nüchtern zu bleiben, bis er den Führerschein zurück hat. Und so besucht Mark eine MPU-Vorbereitungsgruppe. Augenrollend, uneinsichtig. So wie Helena (Nora Tschirner) am Nebentisch. Doch Dr. Blau (Godehard Giese), der Gruppenleiter, kennt seine Pappenheimer.
Gnadenlos mutet Regisseur Markus Goller seinem Protagonisten den Alkoholentzug zu – und dem Publikum einen Alkoholiker, der die bekannten Phasen des Entzugs durchläuft: fehlendes Schuldeingeständnis, sportlicher Umgang mit dem Verzicht, die Entdeckung der Nüchternheit, Atmen, Sport, Frust, Rückfall, sozialer Rückzug etc. Der Verlauf und damit auch der Film sind vorhersehbar – aber so ist das halt mit der Sauferei.
Markus Gollar („25 km/h“) findet mit Kameramann Philip Peschlow intensive Bilder zu Suff, Leid und Ekel und in Frederik Lau einen mitreißend glaubwürdigen Hauptdarsteller. Irgendwann fragt man sich bloß: Wo ist eigentlich Marks bester Freund Nadin geblieben, der anfangs so bekümmert tut? Dem Drehbuch kann man zudem vorhalten, dass Dr. Blau arg glatt gezeichnet ist, zu fürsorglich, zu abgeklärt, und irgendwann auch im Beruflichen zu privat. Reale MPU-Betreuer dürften abwechselnd mit ihren Köpfen nicken und ihre Köpfe schütteln.
Gollar und sein Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg („25 km/h“) suchen den Kompromiss aus Mainstream und Milieudrama, sind dabei mal schonungslos, mal verklärt, mal albern. Doch nie zu abgründig und nie zu seicht. Das Gespann nimmt sein Thema ernst und verwehrt seinem Protagonisten zugleich nicht den Lichtblick. Ein Drama, das Hoffnung schürt und weh tut. Für manche vielleicht gar eine Erweckung. Gut und relevant.
(Hartmut Ernst)

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