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Gaël Kamilindi, Bassem Ben Brahim und Zipporah Nyaruri an der KHM
Frank Brenner

Dokumentarische Mischformen

18. September 2026

„New Voices – New Forms“ in der Aula der KHM – Foyer 09/26

Freitag, 18. September: Trotz stetig sinkender Fördergelder haben die Macher des Afrika Film Festivals Köln, das noch bis zum 27. September zum 23. Mal in der Domstadt abgehalten wird, wieder ein üppiges Programm auf die Beine gestellt, das aus rund 80 Filmen aus über 20 Ländern besteht. Wie in den Vorjahren sind auch heuer wieder etliche FilmemacherInnen persönlich in Köln zu Gast, um im Anschluss an die Vorführungen ihrer Filme für Q&As zur Verfügung zu stehen, bei denen auch das Publikum Fragen stellen kann. Unabhängig von diesen Filmvorführungen und Gesprächen gibt es auch wieder Panels mit den angereisten Filmschaffenden, in denen man Gemeinsamkeiten herausarbeiten und gemeinsam über Erfahrungen und Erlebnisse sprechen kann. Auch hier steht der Dialog mit dem Publikum als fester Bestandteil fest. Den Auftakt machte in diesem Jahr das Panel „New Voices – New Forms: The African Documentary Today“, das in der Aula der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) stattfand und von der aus Ghana stammenden Kuratorin Jacqueline Nsiah moderiert wurde. Talkgäste waren die FilmemacherInnen Zipporah „Zippy“ Nyaruri („Truck Mama“), Gaël Kamilindi („Taxi Moto“) und Bassem Ben Brahim („From Male and Female“), deren neueste Werke ebenfalls im Laufe des 23. Afrika Film Festivals zu sehen sind.


Bassem Ben Brahim und Zipporah Nyaruri berichten, Foto: Frank Brenner

Immer neue Lösungen finden

Nyaruri erläuterte, dass sie einen Hintergrund als Journalistin habe und ihren Film über eine Truckerfahrerin deswegen nach dem Motto „Kamera draufhalten und losfilmen“ angegangen sei. Sie habe sich in „Truck Mama“ ganz bewusst dazu entschieden, viel Material aus dem Innern des Lastwagens heraus zu filmen, weswegen sie ihre beteiligte Crew zwangsläufig sehr klein halten musste. „Ich wollte die Pracht und die großen Bilder, die häufig bei Truckergeschichten eingesetzt werden, vermeiden, und mich stattdessen ganz auf die Perspektive meiner Protagonistin begeben“, berichtete die Regisseurin beim Gespräch. Gaël Kamilindi hat als Schauspieler angefangen und 2024 seinen ersten Langdokumentarfilm als Regisseur, „Didy“, fertiggestellt, der ebenfalls auf dem Afrika Film Festival zu sehen war. Sein ursprünglicher Plan, seinen nächsten Film „Taxi Moto“ in seinem Geburtsland Ruanda zu realisieren, scheiterte eine Woche, bevor die Dreharbeiten beginnen sollten, weil die Regierung die Drehgenehmigung für die Geschichte über die Liebe zwischen zwei Männern wieder entzog. Nun war Kamilindis Einfallsreichtum gefragt, der den Kurzfilm spontan in Paris mit anderem Hauptdarsteller realisierte und dafür eine hybride Form aus Dokumentar- und Spielfilm wählte. Dass sein Ergebnis für sich spricht, wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass er für „Taxi Moto“ in diesem Jahr auf der Berlinale den Teddy Award für den besten queeren Kurzfilm gewinnen konnte. Gleichwohl hatte Kamilindi „jede Menge Zweifel, weil ich innerhalb von drei Wochen mein gesamtes Filmkonzept neu erschaffen und stets neue Lösungen für meine vielfältigen Probleme finden musste“, so der Regisseur.


Regisseur Gaël Kamilindi, Foto: Frank Brenner

Den richtigen Protagonisten finden

Auch Bassem Ben Brahims neuer animierter Kurzfilm „From Male and Female“ greift eine queere Thematik auf, denn es geht darin um eine fünfzehnjährige Balletttänzerin, die ihre Intersexualität entdeckt. Für den Tunesier war es selbstverständlich, dass er auch diese dokumentarische Geschichte mit Hilfe der Animation erzählt, wie alle seine vorangegangenen Arbeiten. Im Gespräch erläuterte er, dass man sich als Filmemacher sehr sicher sein müsse, den richtigen Protagonisten gefunden zu haben, weil man diesen am Ende mehrere Jahre mit der Kamera begleite. Seiner Protagonistin folgte er letztendlich sogar von Tunesien nach Brasilien, wo diese ihre Transition durchführen ließ. Für Ben Brahim bietet der Animationsfilm durchaus Vorteile, weil man mit ihm auch Dinge abbilden kann, die ansonsten unsichtbar bleiben, wie beispielsweise die Gefühle der Figuren, die er mit Fantasie in Farben und Formen verwandelte. Auch Zipporah Nyaruri ist der Ansicht, dass es immer von der Geschichte selbst abhängig ist, in welchem filmischen Format diese am besten umgesetzt werden kann. Sie selbst möchte sich nicht festlegen, ob sie in Zukunft eher dokumentarisch oder fiktional arbeitet. Auch Gaël Kamilindi zieht hier keine strikte Grenze und hat derzeit sowohl ein fiktionales als auch ein dokumentarisches Projekt in der Pipeline. Nachdem er sich in „Didy“ mit den Geschichten der Frauen, die ihn großgezogen haben, beschäftigt hatte, möchte er nun einen Dokumentarfilm über seinen in Angola lebenden Vater drehen, der ihn als Kind nicht anerkannte und den er bislang noch nicht kennengelernt hat. Die drei aktuellen Filme der Panelgäste sind an diesem Wochenende noch im Filmforum zu sehen.


Jacqueline Nsiah und ihre Gäste in der Aula der KHM, Foto: Frank Brenner
Frank Brenner

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