Mit zehn Filmen über das Feiern, dessen Ekstase und Abgründe bewegt sich das Jubiläum chronologisch durch die Filmgeschichte.
Ein Film ist in der Regel an sich schon ein Fest. Und mitunter wird sogar im Film selbst gefeiert. Da liegt es nah, dass das Filmforum im Museum Ludwig in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum mit einer ganz besonderen Ausgabe seiner Reihe „Filmgeschichten“ zelebriert: Von April bis Dezember widmet sich das Filmforum dem „Fest – Feiern im Film“. Im Jahr 2006 eröffnete der Verein Filmforum NRW hier im Museum Ludwig seine Pforten. Hier werden seitdem nicht bloß Filme gezeigt und Premieren, Filmreihen und Festivals ausgerichtet, sondern Film und Filmgeschichte in Vortrag und Gespräch kuratiert vermittelt. Fundament des Vereins sind seine Partner: die Film- und Medienstiftung NRW, der WDR, die ifs, die KHM, die KölnMusik GmbH, der Verbund der freien Filmszene KinoAktiv und das Museum Ludwig.
Das Filmforum würdigt den Film seit 20 Jahren. Was aber wird zu diesem Anlass nun auf der Leinwand gefeiert? Zehn Filme sind ausgesucht, in denen Feierabend und Verlobung, Hochzeit, Ball und Laster gefeiert werden. In der getanzt, gelottert und geflirtet wird – Liebe, Glück, Ekstase. Woanders wird sich beim Feiern verloren, manche verzweifeln, andere sterben. Denn ja: Nicht jedes Fest ist feierlich, schon gar nicht im Kino. Und natürlich symbolisiert dort nicht jedes Fest bloß ein Fest.
„Das Fest – Feiern im Film“ bewegt sich chronologisch durch die Filmgeschichte.
Den Aufschlag macht am 15. April bei freiem Eintritt George Cukors Screwball-Komödie „Die Schwester der Braut“ aus dem Jahr 1938. Vorab lädt das Filmforum zum Empfang im Foyer, Oberbürgermeister Torsten Burmester hält das Grußwort, Prof. Dr. Lisa Gotto, Professorin für Theorie des Films an der Universität Wien, führt in den Film ein. Dass sich auch morbide feiern lässt, legt direkt im Mai Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ dar. Satirisch erzählt der Tschechoslowake Jan Němec im Juni von einem Jadgfest („Vom Fest und den Gästen“, 1966). Und dass die Existenz schnell mal scheitert, wenn man das Leben mit dem Feiern verwechselt, veranschaulicht Ulrike Ottingers „Bildnis einer Trinkerin“. In Franco Rossos „Babylon“ von 1980 halten Wut und Subversion Einzug, „Malaria“ beäugt augenzwinkernd die Wiener Jugendkultur der 1980er Jahre und wird um Ulrich Seidls Kurzfilm „Der Ball“ als Vorfilm ergänzt. Prominent lädt Ang Lee im November bei „Das Hochzeitsbankett“ zur Scheinheirat, bis im Dezember abschließend eine junge Frau („Clubbed to Death“, 1996) und ein verzweifelter Vater („Sirāt“, 2025) sinnsuchend durch Technowelten irren. Wie bewährt werden alle Filme der Reihe von Filmwissenschaftler:innen und –journalist:innen eingeführt.
Begleitend zum Themenschwerpunkt richtet das jfc Medienzentrum im Oktober die „Schule des Sehens“ aus. Im Rahmen des Jungen Filmfestivals Köln / Cinepänz sind Schulklassen eingeladen, Filme zu entdecken, die, angefangen mit dem Kindergeburtstag, die Bandbreite des Feierns abstecken und dabei von Lebenswelten erzählen, von Mut und Zugehörigkeit, von Begegnung und Identität.
Filmgeschichten: Das Fest – Feiern im Film | 15.4. – 16.12. | Filmforum NRW | 0221 22 12 44 98
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