Mittwoch, 1. Juli: Da die NRW-Premiere von „Virginia Woolf’s Night & Day“ nur einen Tag nach der Deutschland-Premiere auf dem Filmfest München erfolgte, mussten die Kölner auf die prominenten Hauptdarsteller Haley Bennett („Cyrano“) und Elyas M’Barek („Fack ju Göhte“) verzichten. Aber das Produzenten-Dreigestirn Julie Link, Philipp G. Steffens und Meg Thomson hatten trotzdem jede Menge Teammitglieder mit ins Cinenova nach Ehrenfeld gebracht, so dass sich auf dem Roten Teppich vor der Filmprojektion mehr als 20 Kreativköpfe des Films versammelten. Etliche von ihnen sind in und um Köln beheimatet, da bei der britisch-deutsch-amerikanischen Koproduktion auch die Kölner Glisk GmbH, die ebenfalls in der Domstadt ansässige Star Mountain Pictures und die mit einer Dependance vor Ort vertretene Senator Film Produktion involviert waren. Außerdem hat die Film- und Medienstiftung NRW die Produktion, die teilweise auch hier in Nordrhein-Westfalen realisiert wurde, mit einer Produktions- und einer anschließenden Verleihförderung unterstützt. Die Moderation des Abends im ausverkauften Kinosaal des Cinenova übernahm wieder einmal der Kölner Filmjournalist Dominik Porschen, der dem Publikum bereits im Vorfeld die Verfilmung von Virginia Woolfs zweitem Roman, der erstmals 1919 erschien, als „kleinen Ausflug in die Vergangenheit“ schmackhaft machte.

Ideen und Perspektiven teilen
Nach der Vorführung von „Virginia Woolf’s Night & Day“, der vom Publikum mit langanhaltendem Applaus bedacht wurde, zitierte Produzentin Julie Link einen klassischen Ausspruch der Schriftstellerin: „Arrange whatever pieces come your way“ (Ordne die Dinge an, die dir begegnen). Genau das habe sie sich bei der Produktion des Films zu Herzen genommen, bei dem die unterschiedlichsten Künstler, Produzenten und Kreative sowohl aus Großbritannien als auch Deutschland zusammengekommen seien, um sich gemeinsam einzubringen. „Es kam dabei immer wieder zu unerwarteten Veränderungen, aber indem wir unsere Ideen und Perspektiven geteilt haben, ist daraus ein besseres internationales Projekt entstanden“, so Link weiter. Ihr deutscher Produktionspartner Philipp G. Steffens ergänzte dies, indem er seine Motivation, einen über einhundert Jahre alten Roman zu verfilmen, verdeutlichte: „Wir wollten den Film für die große Leinwand verfilmen, weil er in einem tollen Drehbuch von Justine Waddell verdichtet worden ist und seine Themen bis heute interessant sind. Außerdem sind wir stolz darauf, ein so wunderbares Darstellerensemble für den Film gewinnen zu können.“ Zu den zahlreichen kontroversen Themen, die in „Night & Day“ angesprochen werden, gehören die Emanzipation der Frauen, Geschlechterunterschiede, gemischtrassige Beziehungen, verheimlichte Homosexualität, Fortschritt vs. Traditionalismus und vieles mehr. Der Drehbuchautorin kam dabei die herausfordernde Aufgabe zu, den 600 Seiten starken Roman Virginia Woolfs auf eine anderthalbstündige Leinwandversion zu verdichten.

Ganz in Woolfs Interesse
Produzentin Meg Thomson erläuterte, dass Woolfs Roman die vier Hauptfiguren gleichwertig behandele, man sich in der Filmfassung aber auf die Geschichte Katharines (gespielt von Haley Bennett) konzentriert habe. „Die Rasse- und Gender-Probleme haben wir hinzugebracht und glauben, dass das ganz in Virginia Woolfs Interesse gewesen wäre“, kommentierte Thomson weiter. Elyas M’Barek brachte mit seiner Rolle des deutschstämmigen Ralph Denham den Aspekt des Andersseins in die Story ein, nachdem er sich Thomson schon Jahre zuvor durch seine Filmarbeiten für den Part empfohlen hatte. Die äußerst quirlige und vor guter Laune strotzende Julie Link meinte ebenfalls, dass es erstaunlich sei, wie relevant die über 100 Jahre alte Geschichte auch heute noch sei. „Es kann für Frauen auch heute noch herausfordernd sein, in der Welt zurechtzukommen. Es ist wichtig, sich mit diesen Geschichten auseinanderzusetzen und sie einem jungen Publikum vor Augen zu führen“, so Link weiter. Da sich so viele Mitarbeitende der unterschiedlichsten kreativen Gewerke des Films zur NRW-Premiere im Saal befanden, übernahm die Produzentin im Verlauf des Abends kurzerhand von Dominik Porschen die Moderation, sprintete durch die Reihen und befragte dabei auch Chefkameramann Sebastian Edschmid oder Sounddesignerin Corinna Fleig zu ihren Ansätzen und Erfahrungen beim Dreh. Porschen kommentierte, dass er sich im Falle eines selbst produzierten Films wünschen würde, dass Julie Link dessen Premierenabend moderieren würde, was ihm diese gerne zusagte. Ab 9. Juli bringt Wild Bunch „Virginia Woolf’s Night & Day“ dann auch bundesweit in die Kinos.

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