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Walter Sittler und Sigrid Klausmann zu Besuch im Odeon-Kino
Frank Brenner

Was es bedeutet, ein Mädchen zu sein

29. April 2026

„Girls Don’t Cry“ im Odeon – Foyer 04/26

Dienstag, 28. April: Der von Ümit Uludağ moderierte Abend wurde auch in Köln von der Initiative „Haus des Dokumentarfilms“ präsentiert, die ihren Ursprung in den baden-württembergischen Städten Ludwigsburg und Stuttgart hat. Seit 2025 wurde sie auch auf Köln und Berlin ausgeweitet, weswegen „Girls Don’t Cry“ nun in diesen vier Städten noch vor dem offiziellen bundesweiten Kinostart am 30. April von Regisseurin Sigrid Klausmann und Produzent Walter Sittler persönlich vorgestellt wurde. Die beiden Filmschaffenden sind seit 1985 verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder. Die jüngste Tochter der beiden, Lea-Marie Sittler, hat mit eigens komponierten und gesungenen Liedern den Soundtrack des Films bereichert. Noch vor der Projektion sagte Walter Sittler, den viele vor allem als Schauspieler („Der Kommissar und das Meer“) kennen dürften, vor dem Publikum im Kölner Odeon-Kino: „Ich bin sehr glücklich über diesen Film und freue mich, dass wir heute hier sein dürfen!“ Die Verbundenheit des Ehepaars Sittler mit der Domstadt ist groß, da sie schon seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Kölner Produzenten Gerhard Schmidt Kurzfilme mit Kindern produzieren, die unter dem Projektnamen „199 kleine Held*innen“ gebündelt sind. Daraus ist nun auch der Kinodokumentarfilm „Girls Don’t Cry“ entwickelt worden, der die bisher entstandenen Erkenntnisse (siehe beispielsweise auch der Film „Nicht ohne uns!“, der vor neun Jahren ebenfalls seine NRW-Premiere im Odeon feierte) weiter vertieft und Kinder porträtiert, die nicht mehr zwischen 10 und 12 Jahren alt sind, sondern sich schon in der Pubertät befinden.

Ümit Uludağ interviewt Sigrid Klausmann, Foto: Frank Brenner

Sechs Mädchen aus sechs Ländern

Sechs Mädchen aus sechs unterschiedlichen Ländern haben Sigrid Klausmann und ihre Ko-Regisseurin, die Litauerin Lina Lužytė, im Film vorgestellt, der den ZuschauerInnen zeigen soll, „was es bedeutet, heutzutage ein Mädchen zu sein“, so die Filmemacherin. Natürlich war es eine Herausforderung, sich auf gerade mal ein halbes Dutzend Themen zu beschränken, und auch die Verknüpfung der Themen mit einem bestimmten Land musste wohldurchdacht sein, da Klausmann hierbei unbedingt Klischees vermeiden wollte. Einige der Themen (Genitalverstümmelung in Tansania, Abschiebung eine Roma-Familie nach Serbien, ein trans-Mädchen in Chile) hatten die Filmemacher selbst gefunden, andere (junge Mutterschaft in Coventry, eine südkoreanische BMX-Athletin) wurden ihnen vorgeschlagen. Das baden-württembergische Staatsministerium gab die Initialzündung für das sechste Thema des Films, das sich mit der Situation einer jesidischen Familie in Tübingen befasst, die der Terrorherrschaft des Islamischen Staates im Irak entkommen war und in Deutschland Asyl beantragt hatte. Einige der im Film Porträtierten hatten bereits die Gelegenheit, sich „Girls Don’t Cry“ anzuschauen. Selenna Pérez, das chilenische Trans-Mädchen, das zusammen mit seiner Mutter auch als Aktivistin bekannt ist, durfte mit dem Film das bekannte Kinder- und Jugendfilmfestival „Ojo de Pescado“ in Valparaiso eröffnen. Für Nina Aklapi im serbischen Novi Sad wartet man noch auf den richtigen Moment, eine größere Vorführung für die gesamte Nachbarschaft zu organisieren.


Schauspieler und Dokumentarfilmproduzent Walter Sittler, Foto: Frank Brenner

Gegen Genitalverstümmelung

Im Publikumsgespräch erkundigte man sich nach dem Schicksal der Tansanierin Nancy Julias Sureli, die vor ihrer allein erziehenden Mutter in ein Schutzhaus geflohen war, weil diese sie beschneiden lassen wollte. Weil dies mittlerweile in Tansania gesetzlich verboten ist, wird der Bedarf solch sicherer Räume immer größer. Nancys Versuch, wieder bei ihrer Mutter zu leben, sei vorerst gescheitert, sie ist aktuell erneut in einem Schutzhaus in Sicherheit vor der geplanten Genitalverstümmelung. Sigrid Klausmann ergänzte, dass weibliche Beschneidungen „durch Einwanderungen auch in unser Land Einzug gehalten“ hätten. Ärzte, die auch Schönheitsoperationen im Genitalbereich vornehmen, würden solche illegalen Beschneidungen teilweise auch in Deutschland durchführen. Dass die sechs Episoden, die als einzelne Kurzfilme auch für den Einsatz in Schulen bestellt werden können, in „Girls Don’t Cry“ nicht nacheinander erzählt werden, stand von Anfang an fest. Sie sollten ineinander verwoben und auf diese Weise miteinander verknüpft werden, „weil dadurch andere Räume beim Publikum entstehen“, erläuterte die Regisseurin. Die Dreharbeiten bei den Protagonistinnen vor Ort, die in der Regel nur zwischen sieben und zehn Tagen dauerten, schilderte Produzent Walter Sittler: „Es gab vorbereitete Fragen, aber vor Ort entgleitet es und führt einen in ganz neue Bereiche.“ Wie spannend und informativ die Ergebnisse des Teams am Ende ausgefallen sind, kann man nun in diesem sehenswerten Film erleben, der ab morgen bundesweit in den Kinos anläuft.


Regisseurin Klausmann beim Publikumsgespräch, Foto: Frank Brenner
Frank Brenner

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