Vor 50 Jahren, im August 1976, starteten die Filmverleiher Barbara Seelk und Klaus Reifenberger von der Düsseldorfer Hüttenstraße aus den Siegeszug des schmutzigen „Strickmützen“-Bullen in Blue Jeans Tony Marroni alias Tomas Milian. Zwar hieß Marroni da noch Nico Giraldi, wie in den italienischen Originalfilmen, aber das interessierte Erwin C. Dietrich und seinen Marketingchef George Morf ab 1981 überhaupt nicht. Sie setzten den ersten Film, der erst „Die Strickmütze“ und ab 1977 dann „Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen“ hieß, mit „Ein Superbulle gegen Amerika“ launig fort – und konnten mit Marronis Einsätzen zwei Jahre lang verlässliche siebenstellige Umsätze in den wenig glamourösen Bahnhofs- und Dorfkinos erzielen, während die feineren Innenstadtkinos mit Bruno Corbuccis ruppig-wackligen Krimikomödien nichts zu tun haben wollten. Danach ging es Tony, wie Morf einmal für „Der Superbulle jagt den Paten“ textete, „an die Marroni“. Milian litt sehr unter dem plötzlichen Aus seiner Kunstfigur, ging zurück nach Amerika und erhielt 2014 in seinem geliebten Italien den Marc’Aurelio d’oro für sein Lebenswerk.
In einem Interview mit Eric Zaldivar bilanzierte er: „Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen, ein Star des italienischen Kinos zu werden. Ich war ja eigentlich nur aus Zufall in Rom, um bei einem Pantomimenfestival mitzumachen. Und dann hatte ich mir kurz vor der Aufführung auch noch den Arm an einer Glasscheibe aufgeschlitzt. ‚Wollen Sie nicht in einem Film mitspielen‘, wurde ich gefragt. ‚Aber ich kann doch gar kein Italienisch‘, antwortete ich. ‚Das macht nichts, Sie werden synchronisiert.‘ Erst war ich entsetzt, dann nahm ich die Rolle an. Und so landete ich in der italienischen Filmindustrie, erhielt einem Fünfjahresvertrag und kam dann sogar vom Intellektuellen- ins Westernkino.“ Zum Namen „Tony Marroni“ meinte er: „Das klingt ja viel schöner als Nico Giraldi.“
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