
Krieg der Knöpfe (2011)
F 2011, Laufzeit: 100 Min., FSK 6
Regie: Christophe Barratier
Darsteller: Jean Texier, Ilona Bachelier, Thomas Goldberg, Clément Godefroy, Louis Dussol, Laetitia Casta, Guillaume Canet
>> www.krieg-der-knoepfe.de
NostalgischeNeuinterpretation
Krieg im Krieg
"Krieg der Knöpfe" von Christophe Barratier
Louis Pergaud hat den Roman „Der Krieg der Knöpfe – Ein Roman aus meinem 12. Lebensjahr“ bereits 1912 veröffentlicht – und darin sein Erwachsenwerden in der französischen Provinz geschildert, das von Bandenrivalitäten bestimmt wurde. Seine autobiografisch geprägten Schilderungen erzählen auch vom Ende einer unbeschwerten Kindheit in Südfrankreich. Das Buch wurde zum Bestseller und diente wiederholt Kinoadaptionen als Vorlage. Die Erste entstand noch vor dem Zweiten Weltkrieg, die Bekannteste datiert aus dem Jahr 1962, und schließlich gab es sogar eine nach Irland verlagerte Version, die 1994 gedreht wurde. Auch Christophe Barratier ist mit dem Ausgangsmaterial recht freizügig umgegangen, hat er die Ereignisse doch mitten in den Zweiten Weltkrieg hinein verlagert. Dadurch erhalten die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Heranwachsenden natürlich noch eine ganz andere Konnotation. Dass unter dieser künstlerischen Verdichtung allerdings auch die Glaubwürdigkeit ein wenig ins Wanken gerät, war sicherlich nicht beabsichtigt.
Christophe Barratier hat schon mit seinem überaus erfolgreichen Vorgängerfilm „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ bewiesen, dass er sich mit historisch verorteten Geschichten im Milieu der Halbwüchsigen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen kann. So gelingt es ihm auch in „Krieg der Knöpfe“ wieder, sich in die Lebenswelten der Kinder hineinzuversetzen. Gekränkter Stolz führt zu nächtlichen Gegenschlägen, die sich im Laufe der Zeit zu immer heftigeren Auseinandersetzungen emporschaukeln. Die Parallelen zur Welt der Erwachsenen werden offensichtlich, wenn einer der Rädelsführer Geschichtsbücher über Kriege studiert, um neue Strategien zu entwickeln, oder man sich mit psychologischer Kriegsführung brüstet. Derlei neue Aspekte sind eher für die Erwachsenen im Publikum reizvoll; an den primär anvisierten Kindern unter den Zuschauern dürften solche Elemente einigermaßen wirkungslos verpuffen. Die in die Handlung eingeflochtenen Anspielungen auf den NS-Terror und die französischen Widerstandskämpfer verkomplizieren die auch so schon spannende Geschichte. Das ist für die Jüngeren sicher etwas zu komplex, für die Erwachsenen hingegen zu schlicht, weshalb man so oder so Abstriche machen muss. Was trotzdem für den „Krieg der Knöpfe“ einzunehmen versteht, sind die fantastischen Landschaftsaufnahmen aus Südfrankreich, die renommierte Besetzung der Erwachsenenrollen und das glückliche Händchen, das man bei der Wahl der Kinder bewiesen hat. Der knuffige Clément Godefroy reißt mit Schalk im Nacken jede Szene an sich, in der er auftritt, und Jean Texier und Ilona Bachelier können an der Schwelle zum Erwachsensein als Protagonisten einer behutsam entfalteten ersten Liebesgeschichte ebenfalls überzeugen.
(Frank Brenner)

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