
Halloween
USA 2018, Laufzeit: 109 Min., FSK 16
Regie: David Gordon Green
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Nick Castle, Judy Greer, Will Patton
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Neue erste Fortsetzung des Kult-Slashers
Es
„Halloween“ von David Gordon Green
Vierzig Jahre später: Michael Myers (Nick Castle) wurde damals noch geschnappt, schweigt bis heute und steht gerade kurz vor seiner Verlegung in eine andere Einrichtung. Laurie (Jamie Lee Curtis) hat sich in einem Haus im Wald verbarrikadiert, ihr Kontakt zu Tochter und Enkeltochter ist so gut wie abgebrochen. Michael wartet auf die Gelegenheit, Laurie bereitet sich vor. Kaum losgelassen, startet Michael in bewährter Manier seine Hometown-Invasion.
Es klingt ja erst einmal so schlicht wie vielversprechend: Einfach alle anderen Fortsetzungen ignorieren und direkt an John Carpenters „Halloween“ von 1978 ansetzen. Und Regisseur David Gordon Green gelingt soweit auch ein gradliniges Slasher-Filmchen mit durchaus netten Referenzen. Michael Meyer ist darin das, was er seit 40 Jahren ist: ein grobkerniger, maskierter stummer Schlitzer. Die Namen, die man ihm gibt, sagen dabei mehr aus als jede (gescheiterte) psychologische Analyse: „der schwarze Mann“ nennt man ihn noch immer, aber auch „das Tier“, „das Monster“, „das reine Böse“ oder einfach bloß: „Es“. Auch in dieser Fortsetzung verändert sich das Böse nicht, dafür aber der zuständige Arzt mit exzessivem Forscherdrang, der der Polizei irgendwann sagt, Michael sei Eigentum des Staates und ihm dürfe nichts passieren. „Alien“ lässt grüßen. Und mit Laurie ist natürlich auch einiges passiert: Seit Jahrzehnten von Paranoia getrieben und von anderen dafür belächelt, bereitet sie sich auf die unausweichliche Konfrontation vor – verbissen fokussiert und waffenerprobt, um sich und die Familie zu retten. Sarah Connor lässt grüßen.
Regisseur Green scheint auf den ersten Blick durchaus qualifiziert für den Job, lieferte er doch mit seinem Script zu „Goat“ eine Studie über Männern und Gewalt und sammelte mit „Bad Sitter“ erste Erfahrungen mit schlechten Babysittern. Allerdings zeichnet Green auch für Klamotten wie „Ananas Express“ verantwortlich. Und so entschloss er sich, seinem Sequel ein ordentliches Maß an Humor zu verpassen. Und damit bricht er dem Unterfangen auch schon das Genick.
Es gibt gute Momente. Wenn Michael Myers das erste mal loszieht in der abendlichen Siedlung und die Kamera ihm in die Wohnung seiner Opfer folgt oder draußen am Fenster auf den nächsten Kill wartet. Und würde man die Sprüche und so manchen Clown einfach rausschneiden, wären es solcher Momente noch mehr. Denn grausam und blutig ist das Treiben allemal, nur wird jedem Mord vorab die Wucht genommen durch Humor in Wort und Mimik, und alles ist futsch. Kann man machen, man sollte sich dafür aber nicht an „Halloween“ vergreifen.
Green und seine Co-Autoren haben schlichtweg das Thema verfehlt. Das Zuviel an Humor trägt dabei allerdings bloß Mitschuld: Ein unwirscher Rhythmus und ungestüme Zeitsprünge tun das ihre, einen Hauch von Atmosphäre schon im Keim zu ersticken. Gutes Grauen nimmt sich Zeit, das zeigte zuletzt „Hereditary“ und vor vierzig Jahren schon „Halloween“.
Green setzt eher auf Feel-Good-Slasher, aber der ist nur halbgar, weil letztlich doch unentschlossen. Erst im letzten Drittel bricht der Ernst der Lage vergleichsweise dramatisch durch. Dafür fragt man sich dann aber kopfschüttelnd, warum sich Laurie nach jahrzehntelanger Vorbereitung derart unbeholfen durch ihr Revier bewegt. Was übrigens tatsächlich gruselig ist, ist Enkeltochter Allyson, die hier als Inbegriff von jüngster amerikanischer Biederkeit gezeichnet ist. Gleiches gilt für manchen Dialog. Und ausgerechnet das goutiert Green dann nicht mit Augenzwinkern.
(Hartmut Ernst)

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