
Frau Winkler verlässt das Haus
Deutschland 2026, Laufzeit: 108 Min., FSK 12
Regie: Doris Dörrie
Darsteller: Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers
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Tragikomisches Mutter-Tochter-Drama über das Lebensende
Was uns allen blüht?
„Frau Winkler verlässt das Haus” von Doris Dörrie
Volker Schlöndorffs Verfilmung von Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ machte Angela Winkler 1975 in Deutschland zum Star. In seinem jüngsten Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ist sie in einer Nebenrolle zu sehen. Doris Dörries neuster Film zeigt Winkler wieder in einer Titelrolle, in der sie sehr überzeugend eine alte Frau spielt, die in einer nahen Zukunft lebt. In dieser Zukunft haben KI-gesteuerte Roboter viele Aufgaben der Menschen übernommen. Doch Frau Winkler (Angela Winkler) traut diesen Wesen nicht, auch wenn sie für Erleichterung im Alltag sorgen – wie etwa ihr Kühlschrank, der von jedem Lebensmittel das MHD kennt.
„Wer bin ich, wenn mir keiner zuschaut“? fragt sich Frau Winkler, die früher Schauspielerin war, sich aber nach dem frühen Tod ihres Mannes und Bühnenpartners Bruno (Josef Ellers) nicht mehr auf die Bühne traute und nur noch als Souffleuse weiterarbeiten konnte. Seit sie nicht mehr arbeitet, vereinsamt sie zuhause. Eine alte Frau ohne Gesellschaft, ohne Freund:innen, denn die sind alle bereits vor ihr gestorben. Sie möchte gesehen werden, weshalb sie ein morgendliches Ritual aus dem Aufziehen ihrer Vorhänge macht. Ein Mensch im Haus gegenüber könnte es wahrnehmen. Eines Morgens stürzt Frau Winkler während dieses Rituals, bricht sich die Knochen und wird zum Pflegefall. Ihre Tochter Emi (Laura Tonke), auch Schauspielerin, kümmert sich anfangs liebevoll um sie. Doch sie hat gerade ein Theaterengagement in einer anderen Stadt bekommen und ihre Zeit ist knapp. Daher bestellt sie einen Pflegeroboter. Frau Winkler hält nichts von diesen hirn- und empathielosen Wesen und will ihn nicht bei sich zu Hause haben. Da sie aber nicht allein bleiben darf, fügt sie sich ihrem Schicksal. Nach anfänglicher Abneigung freundet sie sich sogar immer mehr mit ihrem Pfleger an, den sie nach Tschechow, ihrem liebsten Dramatiker, Pawlowitsch nennt. Pawlow (ebenfalls Josef Ellers) kennt jedes Theaterstück, er kann alle Sätze vorsagen und jede Stimme nachmachen. Außerdem ist er sehr empathisch, hört gut zu, ist immer da und stets bereit, zu helfen. Mit ihm wird Frau Winklers Leben auf einmal lebenswerter. Zusammen rezitieren sie sogar aus Tschechows Stücken.
Angela Winkler wird im Januar 83. Ihre Filmfigur ist im ähnlichen Alter, einem Alter, in dem man sich seiner Endlichkeit bewusst ist und sich fragt, welchen Sinn das bisher gelebte Leben hatte – und ob es noch einen Sinn hat. Die Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben. Winkler spielt überzeugend, ohne Pathos oder Übertreibung. Sie zeigt die Bedürftigkeit einsamer Menschen nach Zuwendung, aber auch ihren Stolz, der verlangt, mit Würde behandelt zu werden. Wie soll das in einer alternden Gesellschaft funktionieren, in der der Generationenvertrag nicht mehr funktioniert, Kinder sich nicht um ihre Eltern kümmern (können) und Pflegekräfte fehlen? Dörrie greift aktuelle Fragen auf, und bietet Lösungen, jedoch ohne zu werten. Pawlow macht einen hervorragenden Job. Doch ist KI die Lösung, und darf sie über das Lebensende entscheiden? Diese Frage muss jede:r für sich beantworten.

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