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Foto: Mick Vincenz, 2022

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09. Januar 2023

„Ernsthaft!?“ in der Bonner Bundeskunsthalle – Kunstwandel 01/23

Was erwartet die Besucher, wenn sie Albernheit und Enthusiasmus in der Kunst erleben wollen? Die Frage lässt sich momentan leicht in der Ausstellung „Ernsthaft!?“ in der Bonner Bundeskunsthalle beantworten: Ein Meer aus kunterbunten Kreationen, die alles andere als mit rheinischer Witzischkeit den heiligen White Cube bespielen. Eigentlich ist das eine ziemlich nachdenklich stimmende Schau, die mit einem gespiegelten Giraffenhintern auf Kunstrasen startet. Das Spiegelkabinett am Eingang stammt von Gabriel Lester, der die Anwesenheit in Form von Abwesenheit auch das Wahrnehmungsparadox (2022) nennt. Dann öffnet sich der Raum in eine Art Wunderland, wo der Bühnenbildner Adrien Rovero zwischen rotweißen Zuckerstangen die menschlichen Dimensionen vergrößert. Überall liegen und stehen skurrile Arbeiten herum, mehrfach wird in der Ausstellung darauf hingewiesen, dass es verstörend werden könnte. Und schon niest es irgendwo penetrant und der eine oder andere will wohl schon zur freiwilligen PFP2-Maske greifen. Aber es ist nur das Nasen-Video „Sneeze“ (2012) von Mika Rottenberg, das bei seiner Entstehung sicher nicht diesen aktuellen Pandemie-Touch hatte.

Also schnell die Treppe rauf zur Balustrade, wo die Ursprünge der Respektlosigkeit an den Wänden hängen. Früher Dada zwischen Erich Spießbach und Hannah Höch, aber auch ein teuflischer Roulette-Bond-Schnipsel von Marcel Duchamp. Weiter geht’s durch die heiligen Hallen der hochkomplexen Lächerlichkeit, mehrfach vorbei an (wie sollte es auch anders sein) Martin Kippenberger, an Pop-Art-Ikonen wie die gleichförmigen Schilder ESSO und LSD von Öyvind Fahlström (1967), bis hin zum separierten Mini-Kinosaal für B-Movies, gewidmet dem Tausendsassa Ed Wood mit dem kultischen Titel: „Schlechtester Regisseur aller Zeiten“. Doch wer Tim Burtons Film „Ed Wood“ (1994) mit Martin Landau kennt, weiß, wie „Plan 9 from Outer Space“ (1957) zustande kam. Nun bemerke ich noch Jakob Lena Knebls grüne Hexen („Walburga“, 2020) und bin in der Gegenwart angekommen. „Post-Surrealismus / Post-Internet“ heißt es hier, denn die Realität zwischen asiatischer Großmachtsucht und dem Wunsch nach neuem Zarentum schlägt momentan jede gewissenhafte Lächerlichkeit in den Arbeiten der rund 100 Künstler:innen.

Ernsthaft!? | bis 10.4. | Bundeskunsthalle Bonn | 0228 917 12 00

Peter Ortmann

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