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Guido Rademachers inszeniert „Für immer schön“
Foto: Presse

Die Druckstellen der Ideale

29. März 2018

Premieren im Mai im Theater in Köln und Bonn – Prolog 04/18

Die Halbwertzeit von Idealen ist kurz. Schnell zeigen sich Druckstellen, die Haut wird schrumpelig, aber wegwerfen will man sie auch nicht. Irgendwie braucht man sie noch, auch wenn sie nur für die Erinnerung an ein unbeschwerteres Leben taugen. Die Kosmetikverkäuferin Cookie Close tingelt in Grand Rapids von Tür zu Tür tingelt, um ihre Produkte an die Frau und den Mann zu bringen. Ihr Mittel ist die Verführung, ihr Argument ihre eigene Schönheit. Jahr um Jahr absolviert sie ihre Tour. Cookies Glaube an die Segnungen der Schönheit erweisen sich immer mehr als unerbittliche Zeitschleife, die über jeden Verfall, jeden Schicksalsschlag, jeden Misserfolg hinwegfegt. Doch sie macht unerschütterlich weiter, bis sie stockblind mit ihrer toten Tochter herumzieht auf der Suche nach dem eigenen Grab. Noah Haidle, der zur Zeit Hausautor am Nationaltheater Mannheim ist, hat mit „Für immer schön“ eine bittere und groteske Komödie über die Ideale des American Way of Life geschrieben, die Guido Rademachers inszeniert.

Den neuen Menschen hatten auch die Sowjets auf dem Rezeptblock ihrer Ideale. Die junge Regisseurin Kathrin Mayr nimmt sich Michail Bulgakows „Das hündische Herz“ vor. In der 1925 entstandenen Erzählung pflanzt der WissenschaftlerPreobraschenski dem Hund Lumpi Hirn und Hoden eines gerade verstorbenen Kleinkriminellen ein. Und siehe da: Aus Lumpi wird der Genosse Bellow, der in seiner Widerwärtigkeit, seiner Brutalität und seiner Verantwortungslosigkeit kaum zu übertreffen ist. Ein Tier in Menschengestalt, das Front gegen seinen angeblich antiproletarischen Schöpfer macht. Die Motive von Goethes „Faust“ und Mary Shelleys „Frankenstein“ sind unübersehbar. Gleichzeitig zeigt Bulgakow, wie sich die Wissenschaft zum Schöpfergott aufschwingt und in ihren Experimenten die Grenzen Animalischem und Humanistischem verwischt. Erst als Genosse Bellow in einer gewaltsamen Operation wieder ins Hundedasein zurückskalpelliert wird, ist der Spuk vorbei.

Schlafende Hunde“ hat der Bonner Dramatiker Lothar Kittstein sein Stück über Retroideale betitelt. Frank Fuller war vermutlich der letzte Rock’n’Roller, der im Glitzeranzug auf Deutsch von Sex und Drugs sang. Nun soll er von Danni wiederbelebt werden soll. Sie ist Expertin für die Reanimationen alter Stars. Doch ohne Muse geht das nicht, also muss auch die alte Partnerin von Frank aus dem Ruhestand geholt werden. Und schließlich gesellt sich noch Claudia dazu, die die großen alten Zeiten allerdings nur als Kind erlebt hat.„Dieses Land wird alt, uralt, und es dreht durch, ohne Erinnerung, es braucht die alten Zeiten, was soll es machen, wenn wir die nicht füttern, diese Sehnsucht“, fragt Danni und versetzt dem Zeitgeist endlich einen Schuss alter Ideale – besser als die Gegenwart sind die allemal.

„Für immer schön“ | R: Guido Rademachers | 3.(P), 4., 19., 23., 24.5. 20 Uhr | Freies Werkstatt Theater | 0221 32 78 17

„Das hündische Herz“ | R: Kathrin Mayr | 12.5.(P) 20 Uhr | Theater im Bauturm | 0221 52 42 42

„Schlafende Hunde“ | R: Stefan Rogge | 30.5.(P) 20 Uhr | Theater Bonn | 0228 77 80 08

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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