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Hélène Ballis und Wendy Bashi im Filmforum

Zornige junge Männer

20. September 2018

„Kinshasa Makambo“ im Filmforum – Foyer 09/18

Mittwoch, 19. September: Bereits zum 16. Mal steht Köln für elf Tage lang ganz im Zeichen aktuellen Filmschaffens vom afrikanischen Kontinent. Auf dem Afrika Film Festival Köln werden noch bis zum 23. September Filme aus den unterschiedlichsten afrikanischen Ländern präsentiert, über 20 Gäste diskutieren im Anschluss an die Vorführungen darüber hinaus mit dem Publikum über ihre Werke. 2018 hat man einen Fokus auf das Thema „innerafrikanische Migration“ gelegt, da es sich dabei nach wie vor um eines der drängendsten Probleme des Kontinents handelt. Politische Verfolgung oder wirtschaftliche Zwänge führen dazu, dass sich auch innerhalb des Kontinents unzählige Menschen auf der Flucht befinden, um in anderen Ländern lebenswürdigere Bedingungen für sich zu suchen. Natürlich enthält das Programm des Festivals aber auch andere Filme, die sich mit Alternativen beschäftigen, um die derzeitigen Verhältnisse in Afrika zu verändern. So beispielsweise Dieudo Hamadis („Mama Colonel“) neuer Film „Kinshasa Makambo“, in dessen Mittelpunkt die politischen Unruhen in der Demokratischen Republik Kongo stehen, die 2016 begannen, als Präsident Joseph Kabila sein Amt nicht räumen wollte, obwohl er nach zwei Amtszeiten nach kongolesischer Verfassung eigentlich nicht wiedergewählt werden konnte.

Wendy Bashi und Hélène Ballis beim Publikumsgespräch

Regisseur Hamadi, der trotz seiner regimekritischen Filme nach wie vor in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa lebt, konnte zur Vorführung seines Filmes nicht nach Köln reisen. Stattdessen hatte das Festival mit seiner Editorin Hélène Ballis einen interessanten Ersatz gefunden. Gemeinsam mit der ebenfalls aus dem Kongo stammenden Journalistin und Filmemacherin Wendy Bashi sprach sie im Anschluss an die Projektion über die Dreharbeiten und beantwortete die Fragen des Publikums. Dieudo Hamadi porträtiert in seinem Dokumentarfilm drei junge Widerstandskämpfer, die teilweise die Bemühungen des UDPS-Anführers Étienne Tshisekedi unterstützten und sich auf Demonstrationen für die Absetzung Kabilas stark machten. Alle drei hatten früher oder später aufgrund ihres politischen Engagements Probleme mit der Regierung bekommen, wurden inhaftiert oder mussten ins Exil gehen, um einer Verhaftung zu entgehen. Wendy Bashi attestierte, dass „Hamadi im Film seine Spuren hinterlassen hat, dass man den Eindruck erhält, es würde zwischen ihm und den Porträtierten ein Dialog entstehen“. Das bestätigte auch seine Editorin Ballis, die anmerkte, dass alle Filme Hamadis mitten im Geschehen stattfänden und deswegen eine Unmittelbarkeit besäßen. Ballis erläuterte weiter, dass Hamadi ursprünglich geplant hatte, lediglich einen Film über seinen Protagonisten Ben zu realisieren. Nachdem dieser beim Aufstand im Jahr 2016 ins Visier der Behörden geraten war, musste er ins Exil gehen und fand in den USA eine kurzfristige neue Heimat. Da dort sein Asylantrag aber abgelehnt wurde, kehrte er schon wenige Monate später in den Kongo zurück.

Die Gäste mit Festivalleiter Sebastian Fischer

Daraufhin entschied sich der Regisseur, seinen Film auch den beiden anderen Widerstandskämpfern Christian und Jean-Marie zu widmen, die er allerdings im Vorfeld noch gar nicht gekannt hatte. Die Dreharbeiten, die teilweise auch auf den Demonstrationen stattfanden, bei denen die Polizei auf Rebellen schoss, wären laut Hélène Ballis dennoch vergleichsweise unproblematisch abgelaufen. Den anstehenden Wahlen, die nun auf den 23. Dezember 2018 festgesetzt wurden, sehen sowohl Ballis als auch Wendy Bashi mit gemischten Gefühlen entgegen. Eine dritte Amtszeit Kabilas ist nach wie vor nicht ausgeschlossen, zumal nach dem Tod Étienne Tshisekedis die Opposition ohne Führung dasteht und auseinanderzufallen droht. Wendy Bashi merkte hierzu an: „Jugendliche wie die im Film porträtierten könnten eine Gegenmacht sein. Sie sind aber noch nicht bereit dazu, weil sie sich noch in der Erprobungsphase befinden. Wir brauchen noch Zeit im Kongo, damit sich die Dinge entwickeln können.“ Auf Nachfragen aus dem Publikum verneinte Hélène Ballis, dass Dieudo Hamadi mit seinem Film propagandistische Ziele verfolge oder Menschen im Ausland für das Thema sensibilisieren wolle. Stattdessen wolle er ein Zeitdokument erstellen, da im Kongo ohnehin recht wenig Filme realisiert würden. Auch für Bashi ist Hamadi ein „Chronist der kongolesischen Geschichte geworden, auf den sein Volk stolz sein sollte.“

Text/Fotos: Frank Brenner

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