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Foto: Cinenova

Was wird aus dem Cinenova?

12. Februar 2019

Will eine Immobilienfirma Ehrenfelds Filmkunstkino in die Knie zwingen? – Kino 02/19

Kinogeschichte ist, leider, immer auch Immobiliengeschichte. Und so ist es kein Wunder, dass viele der schönsten, programmatisch besten und damit erhaltenswertesten Filmpaläste von Immobilienspekulanten oder Erbengemeinschaften zerstört und dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Hat nun die Frankfurter Objekt VL GmbH & Co. KG im Auftrag einer Investorenfamilie das gleiche mit dem Ehrenfelder Cinenova vor, dem bedeutendsten Kinoneubau Kölns der letzten zwei Jahrzehnte? Obwohl ein gültiger Mietvertrag bis 2044 besteht, sieht es so aus, als wolle die Frankfurter Firma, die das Gelände 2015 von der Aachener und Münchener Versicherung übernommen hat, das Kino loswerden. Man munkelt, auf dem Kinoplatz sollen Studentenappartements als Kapitalanlage entstehen.  

Abgeschmetterte Räumungsklage

Erst gab es eine Räumungsklage wegen angeblich unzulässiger Untervermietung von Büroräumen, die vom Landgericht bereits abgeschmettert wurde. Nun spielt der Vermieter mithilfe einer Aachener Verwaltungsfirma scheinbar mit anderen Tricks: Erhöhte Nebenkostenabrechnungen flattern ins Haus, zusätzliche Parkplatzgebühren vor den Büroeingängen werden erhoben, und, als Gipfel des Ganzen, sollen Nutzer des angrenzenden Parkhauses ausgerechnet am Abend 4,50 Euro die Stunde entrichten. Maßnahmen wie aus einem Wall-Street-Film um gierige Finanzhaie und dumpfbackige Sakkoträger.

Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD) hat nun reagiert, obwohl die Absichten der neuen Besitzer der Politik schon länger bekannt sind. Per Eilantrag will er den Stadtrat zu einem Bebauungsplan bekommen, der Wohnprojekte in dem Bereich um das Kino herum ausschließt. Auch andere Institutionen wie die Jugendhilfe oder das BüZE sollen so vor neuen Rechenspielchen geschützt werden.

Ehrenfelds Kulturleuchtturm

Köln hat mit seinen vielen verschiedenen Kinomacher*innen eine einzigartige Betreiberstruktur. In Köln kann man lernen, wie Filmkunst gemacht wird, auch und gerade gegen eine „Fast-Food“-Kultur, die ihr Fähnchen nach dem Wind stellt. Dass die Kulturvermittlung in diesem Land oftmals nichts zählt, ist eine traurige Tatsache, die, machen wir uns nichts vor, auch unmittelbar mit den schlechten Kinozahlen des letzten Jahres zusammenhängt. Es waren aber gerade die Arthouse-Kinos in den Innenstädten, die bei den Besucherzahlen kaum Einbußen hinnehmen mussten, während die Multiplexe im zweistelligen Bereich abbauten. Deutlicher denn je ist, dass die Kinokultur hierzulande von den lokalen, mittelständischen Betreiber*innen hochgehalten wird.  

Das Cinenova hat das Kino 1996 an einer ungewöhnlichen Stelle, in einem ehemaligen UPS-Paketzentrum, völlig neu gedacht. Und es hat Ehrenfeld damit nach vorne gebracht. Dem Kino ist es ganz klar mit zu verdanken, dass Ehrenfeld wieder „hip“ wurde. Es hat von Anfang an Pionierarbeit bei der Kultur- und Stadtteilarbeit geleistet, auch wenn die Betreiberfamilie Borck, die ab Ende der 1980er Jahre zunächst die Filmpalette betrieb, das nie unter den großen Scheffel stellte.
 
Aktuelle Programmhits im Cinenova sind derzeit übrigens „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ und „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“. Zwei Filme über altes Denken, Autos und überwunden geglaubte Machtstrukturen. Oder anders: Es geht, wie so oft im guten Kino, um wahre Werte. Für Immobilienspekulanten nur zu empfehlen.

Im Kino und auf bald auch auf www.cinenova.de sammelt das Kino Unterschriften für seinen Erhalt sowie eine Rücknahme der wucherhaften Parkplatzpreise.

Rüdiger Schmidt-Sodingen

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