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Szene aus „Live and Let Live“
Foto: Presse

Vegan essen und leben

16. Juli 2014

Die Filmpalette präsentiert am 12.7. vegane Lebensweisen – Festival 07/14

Am Samstagnachmittag, dem dritten Tag der Kölner Kino Nächte, erwartet das Publikum der Filmpalette ein veganes Festessen. Gespendet von den Restaurants Well Being und Kitchenette, können die Zuschauer sich stärken und auf Marc Pirschels Dokumentarfilm „Live and Let Live“ einstimmen.

Der Soziologe, der seit vierzehn Jahren auf Tierprodukte verzichtet, präsentiert seinen Film zusammen mit Vegan-Koch Jeromé Eckmeier, der mit einem Blog und einem Youtube-Channel regelmäßig über vegane Rezepte informiert. Beide könnten äußerlich kaum unterschiedlicher sein: Pirschel ist schlank, ruhig und zurückhaltend, Eckmeier korpulent, selbstironisch und herzlich. Was beide verbindet, ist ihre Leidenschaft für das Thema Veganismus.

Der Film selbst basiert auf Pirschels Buch „Vegan! Vegane Lebensweise für alle“, dass er 2010 geschrieben hat und alle Aspekte dieser Lebensart beleuchtet. Dieses Ziel verfolgt auch der Film, den der Regisseur zur Hälfte aus eigener Tasche und zur anderen über die Crowdfunding-Plattform „Start Next“ finanziert hat. Angefangen mit der Etymologie des Wortes „vegan“, betrachtet die sich größtenteils aus Interviews zusammensetzende Dokumentation den Lebensstil aus verschiedensten Blickwinkeln.

Pirschel lässt Wissenschaftler wie den Verhaltensbiologen Jonathan Balcomb und den Professor für Bioethik Peter Singer zu Wort kommen. Beide berichten über die psychischen Folgen, welche die Nutzhaltung für die Tiere hat. Die Wissenschaftler hat Pierschel schon während der Recherche zu seinem Buch kennengelernt, wie er erklärt: „Es handelt sich um einen Ratgeber für Menschen, die sich für die vegane Lebensweise interessieren und auf der Basis des Buches hatte ich zu den Aspekten Ethik, Ökologie und Gesundheit recherchiert und die Experteninterviews aufgebaut.“

Neben dem wissenschaftlichen Standpunkt wird auch das Leben von Privatpersonen, die sich für die Rechte der Tiere einsetzen, betrachtet: Die Betreiber des Hofes Butenwald Jan Geres und Katrin Mück kümmern sich z.B. um Tiere aus Tierversuchslaboren. Der Chefkoch Aaron Adams hat den Sprung vom Schlachter zum Veganer geschafft und die Aktivisten Lisa und Hendrick versuchen ihren Teil zur Tierrettung beizutragen, indem sie Hühner aus Legebatterien befreien. Durch diese Biographien erhält die Dokumentation eine menschliche Komponente, die nie ins melodramatische abdriftet.

Der Regisseur spart dankbarerweise mit Szenen von Tierquälereien und Tiertötungen. Die Dokumentation will informieren und nicht schockieren. Er führt die Zuschauer auf bedächtige und sensible Weise an die vegane Lebensart heran und plädiert dafür, Tiere als empfindsame Individuen anzuerkennen. Auch Nicht-Veganer sind hier willkommen. Dies zeigt auch ein ebenso aufschlussreiches wie amüsantes Gespräch zwischen der seit sieben Jahren vegan lebenden Sozialpädagogin Kati Kosler und ihren Eltern. Obwohl sich Letztere noch nicht ganz mit der Lebensweise ihrer Tochter anfreunden können, akzeptieren und verstehen sie durchaus deren Beweggründe.

Dem Film gelingt das Kunststück, nicht die Moralkeule zu schwingen, sondern nüchtern auf die Thematik einzugehen, so dass sich auch Nicht-Veganer in einer besonnenen Weise mit der Ernährungs- und Lebensweise auseinandersetzen können. Jeromé Eckmeier schließt die Vorstellung mit den Worten: „Jeder kann seinen Teil für die Rechte der Tiere beitragen, wenn er sich die entsprechenden Lebensmittel in seinen Einkaufskorb wirft.“ Und ein Leben ohne Tierprodukte scheint zumindest für einen Moment für alle möglich zu sein.

Stefan Turiak

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