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Susanne Bohlmann zu Gast in der Filmpalette

Seelischer Striptease

10. Januar 2019

„Pink Elephants“ in der Filmpalette – Foyer 01/19

Mittwoch, 9. Januar: Als „Pink Elephants“ oder „Pinkies“ verstehen sich die Schauspielschüler, die schon einmal an einer Master Class des amerikanischen Schauspielcoaches Bernard Hiller teilgenommen haben. Die Krone gebührt dabei zweifellos dem Kölner Bernd Capitain, der es mittlerweile auf 33 dieser drei- bis viertägigen Seminare gebracht hat. Capitain war auch der Grund, warum Susanne Bohlmann sich entschloss, den Film „Pink Elephants“ über eben jene Hiller-Seminare zu realisieren. Bohlmann erzählte bei der Köln-Premiere des Films in der Filmpalette, dass sie vor einigen Jahren schon bei einem anderen Filmprojekt mit Bernd Capitain zusammengearbeitet habe. Im Vorfeld war ihr zugetragen worden, dass der „sehr unfreundlich und ein richtiges Arschloch“ sei. Beim ersten tatsächlichen Kennenlernen wirkte Capitain aber ganz anders auf die Regisseurin, und in Gesprächen erläuterte er ihr, dass er bis dato neun Meisterklassen bei Bernie Hiller absolviert habe und diese ihn zu einem anderen Menschen gemacht hätten. Bohlmanns Interesse war geweckt. Capitain, ein Schauspieler und Schauspiellehrer, der in Köln die „Film Acting School“ betreibt, wollte zunächst selbst einen Dokumentarfilm über Hiller drehen, empfand es aber zu schwierig, an der Master Class teilzunehmen und gleichzeitig einen Film darüber zu drehen.

Susanne Bohlmann und Bernd Capitain beim Publikumsgespräch

So sprang Susanne Bohlmann ein, die zu Beginn der Dreharbeiten vor sieben Jahren noch selbst als Schauspielerin aktiv war. Selbst in der Rolle als Beobachterin ging sie während der Master Class „durch Höhen und Tiefen“, war „immer wieder angezogen und abgeschreckt“ von der ungewöhnlichen Methodik des Schauspiellehrers. Bernard Hiller behält sich nämlich vor, Teilnehmer, die sich nach seinem Verständnis nicht für seine Ansätze öffnen, von jetzt auf gleich aus dem Kurs zu verbannen und die nicht gerade geringen Seminarkosten dann nicht zurückzuerstatten. Hiller verlangt eine vollkommene seelische Entblößung der Teilnehmer, weil er bis zu ihrem wahren Kern vordringen möchte. Ein äußerst schmerzhafter und nicht für alle Schauspielaspiranten erträglicher Prozess. Bernd Capitain hingegen, der ebenfalls bei der Köln-Premiere anwesend war, hat sich mit Haut und Haaren Hillers Ratschlägen verschrieben. Dass er bis heute 33 Mal an Hillers Kursen teilgenommen hat, versteht er nicht als Handicap. „Es kann bis zu 60 Jahre dauern, in einer Disziplin Master zu werden, das ist auch im Buddhismus ganz ähnlich. Ich tue es für mich, um immer besser zu werden. Seitdem ich mit Hiller arbeite, bin ich mutiger geworden als je zuvor, ich habe die Leichtigkeit des Seins im Spielen für mich entdeckt“, erläuterte Capitain. Gleichwohl hat Susanne Bohlmann bei den über mehrere Jahre andauernden Dreharbeiten festgestellt, dass Hiller bei seinen Schülern auch eine Abhängigkeit von sich schafft. Zudem findet es die Regisseurin perfide, dass er Leute ohne nachvollziehbare Gründe aus seinen Seminaren hinauswirft. „Aber Gruppendynamik ist bei ihm das A und O und macht die Euphorie seiner Kurse aus. Obwohl es hart ist, wenn Leute durchs Raster fallen, sind diese Entscheidungen aufgrund der angestrebten Gruppendynamik auch nachvollziehbar“, so Bohlmann weiter.

Christopher Hawkins und Susanne Bohlmann

Neben den charakterlichen Veränderungen, die Hillers Seminare bei Bernd Capitain ausgelöst haben, schätzt der Schauspieler an ihnen auch die „neuen Connections, die aus ihnen hervorgegangen sind“. Er habe bei den Meisterklassen viele interessante Menschen kennengelernt, die ihn inspirierten und mit denen er in Folge spannende Projekte gemeinsam realisiert habe. Für Susanne Bohlmanns Partner Christopher Hawkins, der „Pink Elephants“ auch produzierte und als Co-Regisseur fungierte, ist Hiller „ein charismatisches Individuum und ein schwieriger Bastard“ gleichermaßen. Hawkins schätzt Hillers Energie und attestiert, dass er unheimlich gut in dem ist, was er tut. Der Film sei für den Schauspiellehrer die Chance gewesen, sein Talent und sein wahres Können verewigt zu sehen. Mit dem Ergebnis sei er nun allerdings nicht durchweg zufrieden. Laut Hawkins habe er wahrscheinlich eine Hollywood-Dokumentation seiner Lehrmethoden erwartet, Bohlmanns Film sei in dieser Hinsicht aber zu europäisch, respektive zu deutsch und damit zu künstlerisch geraten. Deswegen müssen sich die Filmemacher nun mit einer Klage Hillers herumschlagen. Für Bohlmann einigermaßen unverständlich, da ihr oberstes Gesetz beim Filmen darin bestand, „meine Protagonisten zu beschützen – und das galt auch für Bernie.“ Die Zuschauer in der ausverkauften Filmpalette, von denen viele Schauspieler, Schauspielschüler und Schauspiellehrer waren, konnten sich nach der Projektion und der regen Diskussion im Anschluss dann selbst ein Bild davon machen, ob eine Bernard Hiller Master Class auch für sie eine Option wäre.

Text/Fotos: Frank Brenner

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