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Mobile Gärten und Beete lassen sich flexibel an Umgebung und Bodenverhältnisse anpassen
Foto: Wolfgang Hippe

„Unser Gemüse ist Allgemeingut“

25. Juli 2013

Pit Giesen und Pauline Rieke über die „Pflanzstelle“ in Köln-Kalk – Thema 08/13 Urban Gardening

choices: Frau Rieke, Herr Giesen, wann haben Sie denn mit der Pflanzstelle begonnen?
Rieke/Giesen:
Vor zweieinhalb Jahren. Ein Freund hatte die „Prinzessinnengärten“ in Berlin kennengelernt, und dann hat er vier, fünf Leute zusammengetrommelt. Wir haben dann über einen Antrag bei einem Jugendprogramm der EU ein wenig Geld bekommen. Damit konnten wir die Pflanzkisten, die erste Erde, die ersten Materialien und Werkzeuge kaufen. Jetzt sind wir in der dritten Gartensaison.

War es schwierig, die Fläche in Kalk zu bekommen?

Pit Giesen
Foto: Privat


Pit Giesen (Foto) und Pauline Rieke sind in der Pflanzstelle e.V. aktiv.

Es war ein wenig kompliziert herauszubekommen, wem das Gelände gehört. Teilweise hieß es, dass es für etwas anderes verplant sei. Wir konnten dann damit punkten, dass wir ein mobiler Garten sind. Unsere ganzen Beete lassen sich leicht wieder abbauen.

Weshalb ein mobiler Garten?

Zum einen wollten wir den Garten nicht verlieren, falls wir umziehen müssen. Das mobile System bietet sich aber auch an, wenn man Flächen nutzen möchte, die potenziell belastet sind. Auf unserem Gelände ist eine Villa gewesen, aber wir wissen nicht, was da jetzt rübergesickert ist. Der Boden ist auch eher Bauschutt als richtige Erde.

Wie viele Leute sind Sie?
Im Verein selbst sind fünf Leute aktiv. Der Garten selbst ist ein Mitmachgarten, und da gibt es so dreißig Leute, die regelmäßig da sind, plus Laufpublikum.

Wie kann ich denn mitmachen?
Herkommen. Ein paar Sachen sind allerdings vorgegeben. Wir arbeiten biologisch, wir nehmen kein gentechnisch verändertes Saatgut, wir nehmen kein Pflanzengift. Wir haben uns auch geeinigt, keine Tierhaltung auf dem Gelände haben zu wollen, obwohl wir Bienen haben. Und wir wollen eine Mischkultur haben. Hier gibt es Leute, die haben Ahnung vom Gärtnern, andere kommen vorbei, um das explizit zu lernen. Man muss aber nicht erst einen Workshop besuchen. Es gibt da aber einiges, auf das man achten kann – das geht von einfachen Techniken bis hin zu solchen, die das Aroma verbessern oder Schädlinge bekämpfen. Wer vorbeikommen will, der kommt am besten aufs offene Treffen.

Betreut denn jeder hier seinen eigenen Pflanzkasten?
Nee, das ist schon alles Allgemeingut, aber wenn mal jemand Lust hat, sich speziell mit z. B. den Tomaten zu beschäftigen, dann kann man sagen: Ich kümmere mich jetzt besonders darum. Wir hatten letztes Jahr ein paar Arbeitsgruppen, aber jetzt machen gerade alle alles. Das muss sich aber nicht aufs aktive Gärtnern beziehen, sondern da kann es auch um den Bauwagen gehen.

Wie viel von Ihrem eigenen Gemüsebedarf können Sie denn über den Garten decken?
Der Garten ernährt niemanden. Wenn jetzt die Tomatenhochzeit kommt, dann brauche ich keine Tomaten mehr kaufen, und wenn dieses Jahr die Zwiebeln gut sind, dann brauchen wir auch keine Zwiebeln mehr, aber man könnte noch nicht mal eine Person komplett vom Garten ernähren. Wir machen das einfach nicht professionell genug.

INTERVIEW: CHRISTIAN WERTHSCHULTE

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