Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12

12.511 Beiträge zu
3.756 Filmen im Forum

Regisseurin Lily Sykes
Foto: Presse

Politischer Aktivismus

18. Dezember 2019

Winter-Premieren in Köln und Bonn – Prolog 12/19

Eatherly kann sich nichts Besseres vorstellen, als seinen Kampfjet zu fliegen. Erregung pur verbindet sich mit einem gottgleichen Allmachtsgefühl, das allerdings weniger die Schöpfung als die Vernichtung zum Inhalt hat. Als er in einem Krieg, der überall sein könnte, eine Schule bombardieren soll, verweigert er den Befehl und dreht ab. Maya Arad Yasurs Stück „Bomb“ spielt im Krieg, irgendeinem Krieg, irgendwo auf der Welt. Virtuos verschränkte Erzählstränge und die Allgegenwart des Krieges sind Kennzeichen der 1976 geborene israelische Autorin. Auch in „Bomb“ wird die Geschichte von Eatherly mit den Szenen eines kleinen Jungen und der jungen Naomi verwoben. Maya Arad Yasur hatte im vergangenen Jahr den Stückewettbewerb des Berliner Theatertreffens gewonnen, aus dem nun der Stückauftrag hervorgegangen ist. Die Uraufführung von „Bomb“ am Schauspiel Köln inszeniert Lily Sykes.

Was politisches Handeln sei und wie es in einer Welt zwischen Konsumdemokratie, Überwachungskapitalismus und drohendem Neofaschismus möglich ist – das ist derzeit die Frage. Regisseur Tom Müller und sein Ensemble suchen anhand der historischen Figur von Rosa Luxemburg nach Antworten. Ihre neue Produktion am Theater am Bauturm sucht nach einem umfassenden Ansatz. Luxemburgs Zerwürfnis mit der 1914 bereits bürokratisierten SPD, ihr spontaneistisches Politikverständnis und ihre Abgrenzung gegen den Leninismus sollen mit ihrem Humanismus und ihrer Liebe zur Schöpfung insgesamt zusammengedacht werden. 100 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod durch faschistische Freikorpskämpfer der Versuch einer politischen Inklusion dieser bis heute diffamierten politischen Aktivistin.

Revolution droht auch im Hause von Moor. Der dort regierende Graf ist allerdings längst ein Spielball seiner Söhne Karl und Franz. Der erste frönt mit seinen Räubern einem idealistischen Umverteilungspathos, das aber auch vor Terror nicht zurückschreckt; der andere dagegen etabliert den Terror gleich im eigenen Zuhause. Regisseur Simon Solberg liest Schillers „Die Räuber“ am Theater Bonn als Metapher auf unsere demokratische Gesellschaft zwischen dumpfer Ohnmacht, trister Perspektivlosigkeit, Bedrohung Andersdenkender und gewalttätigen Übergriffen. 

„Bomb“ | R: Lily Sykes | 8.2. (P) | Schauspiel Köln | 0228 221 284 00

„Rosa Luxemburg“ | R: Tom Müller | 7.2. (P) | Theater im Bauturm | 0221 52 42 42

„Die Räuber“ | R: Simon Solberg | 31.1. (P) | Theater Bonn | 0228 77 80 08

Hans-Christoph Zimmermann

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Ein Mann namens Otto

Lesen Sie dazu auch:

Irgendwie dazwischen
„Exil“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 02/23

Hamsterrad des Lebens
„Helges Leben“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 02/23

Welt für Riesen
„Vor Sonnenaufgang“ am Schauspiel Köln – Auftritt 02/23

Im Labor der Altbauwohnung
„Der Haken“ am Theater Bonn – Prolog 01/23

Vorstädtisches Lustmanagement
„Phaedra“ am Schauspiel Köln – Auftritt 01/23

An der Quelle der Macht
„Agrippina“ am Theater Bonn – Oper in NRW 01/23

Macht und Magie
„Der Sturm“ am Theater Bonn – Theater am Rhein 01/23

Bleiben oder Zurückkehren?
Nuran Calis probt „Exil“ am Schauspiel Köln – Prolog 01/23

„Eine gewaltige Suche nach Anerkennung“
Simon Solberg bringt den Ibsenklassiker „Peer Gynt“ auf die Bühne – Premiere 12/22

Die Tradition eines Genozids
„Die Revolution lässt ihre Kinder verhungern“ am Schauspiel Köln – Auftritt 12/22

Rabenschwarze Welt
„König Lear“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 11/22

„Mir geht's schlecht, also habe ich recht“
„Der eingebildete Kranke“ am Schauspiel Köln – Premiere 10/22

Bühne.

Hier erscheint die Aufforderung!