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Luk Perceval
Foto: Reinhard Winkler

Utopie und Angst

11. September 2019

Herbstpremieren im Rheinland – Prolog 09/19

„I have a dream“, verkündete Martin Luther King leidenschaftlich Ende August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington. Gemeint war der Anspruch der Bürgerrechtsbewegung auf die umfassende Gleichstellung aller Afroamerikaner. Die Gruppe Futur3 sprengt in der Orangerie den individuellen Rahmen dieser emblematisch gewordenen Formulierung und transferiert ihn ins Kollektiv und in die Gegenwart: „We Have a Dream“ vermeidet zwar das Wort von der Utopie, doch letztlich geht es genau darum. In Zeiten politischer Entwürfe, die zwischen Alternativlosigkeit, Pragmatik und Populismus oszillieren, sucht die Gruppe um André Erlen und Stefan Kraft nach kollektiven Vorstellungen einer besseren Gesellschaft – und bezieht in seiner installativen Performance das Publikum mit ein.

Es gibt kein besseres Mittel gegen Veränderung als die Angst. Sie ist eine Art Allrounder der Sedierung gegen jeden Aufbruch zu neuen utopischen Ufern. Zwei Installateure klingeln an der Tür einer Frau. Ihr Auftrag: Installation der Angst. In wortreichen Gesprächen überzeugen sie ihr Opfer von der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Furcht in all ihren Ausprägungen – bis die Frau die Tür zu ihrem Badezimmer öffnet und sich plötzlich die Verhältnisse umkehren. Der portugiesische Autor Rui Zink veröffentlichte 2012 seine kurze Novelle „Die Installation der Angst“, die schnell dramatisiert und verfilmt wurde. Am Theater Bonn setzt Clara Weyde die sarkastische Parabel in Szene.

In der Familie Tyrone in Eugene O’Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ sind die Träume von einem besseren Leben längst in den Alkohol- und Morphium-Räuschen ertrunken. Sie einzig machen das Leben noch erträglich. Doch sobald die Wirkung nachlässt, ergreift verlässlich der Furor der Vorwürfe, der Selbstverachtung, des Zynismus die Mitglieder der Familie: Der Vater ein gescheiterter Schauspieler, der Geld als Grundstückspekulant verdient, sowie die Söhne James, ebenfalls als Schauspieler gescheitert, und Edmund sind Alkoholiker, die Mutter dagegen flüchtet schon lange in Morphinräusche. Erstmals inszeniert am Schauspiel Köln der belgische Regisseur Luk Perceval, dessen Regiearbeit derzeit zum Besten gehört, was die Theaterwelt zu bieten hat.

„We Have a Dream“ | 30.11. | Orangerie | 0221 952 27 08

„Die Installation der Angst“ | 31.10. | Theater Bonn | 022877 80 08

„Eines langen Tages Reise in die Nacht“ | 15.11. | Schauspiel Köln | 0221 22 12 84 00

Hans-Christoph Zimmermann

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