Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.472 Beiträge zu
3.729 Filmen im Forum

iPads haben in Schulen nichts verloren, sagt Medienpädagoge Daniel Schlep
Foto: Daniel Schlep

Souveränität vs. „Konsumdressur“

09. Februar 2022

Medienpädagoge Daniel Schlep fordert echte Medienkompetenz

Es gibt nicht viele Themen, die so häufig angesprochen, gleichzeitig aber so schlecht verstanden werden wie Digitalisierung und Medienkompetenz. Musik- und Medienpädagoge Daniel Schlep versucht eine Medienkompetenz zu fördern, die den Namen verdient hat.

Im seinem früheren Leben hat der Dortmunder die Marketingabteilungen verschiedener großer Unternehmen durchlaufen, bevor er im Bereich der Medienkompetenz aktiv wurde. Nun unterrichtet er Schulklassen, hält Vorträge, gibt Workshops und Einzelunterricht, vor allem im Ruhrgebiet. Ihm gehe es darum, Kreativität zu fördern. Statt Belehrungen gehören das Schneiden von Videos oder das Programmieren von Spielen zum Programm.

Wichtig sei, dass man die Alternativen zu den Oligarchen des Internets kenne. Zusammen mit der Initiative DO-FOSS (Dortmund Free and Open Source Software) setzt sich Schlep daher für die Nutzung von Freier Software ein. Und das mit Erfolg – die Stadt Dortmund ist mittlerweile eine Vorreiterin bei der Nutzung alternativer Software.

Die herrschende Medien(in)kompetenz

Digitalisierung werde hierzulande synonym zu Ausstattung gebraucht, so Schlep. Durch den flächendeckenden Einsatz von iPads an Schulen werde vor allem eins erreicht: Abhängigkeit. „Ein iPad hat in der Schule nichts verloren.“ Die Geräte seien überhaupt nicht zum Arbeiten gedacht, sondern als Unterhaltungsmedium entworfen. So könnten Marken wie Apple oder Microsoft ihre Produkte und ihre Software schon bei Kindern verankern. Einige Schulen würden langsam anfangen, das zu hinterfragen. Von verschiedenen Schulleitungen hat Schlep erfahren, dass man sich vor allem klare, verbindliche Regeln wünsche.

Wenn es um Digitales geht, ist scheinbar verlernt worden, was Kompetenz bedeutet. Schlep spricht mittlerweile von „Medieninkompetenz“ – beispielsweise wenn sich ein iPad-Beauftragter des Landes in der Schule nicht mit dem Whiteboard verbinden kann oder der Datenschutz-Vortrag einer großen Medieninstitution über Zoom stattfindet und lediglich zeigt, wo man in den Google-Einstellungen die digitalen Kippschalter ausstellen kann, die das Tracking kontrollieren. Man müsse sich das Ganze wie einen digitalen Haushalt vorstellen, über den wir keine Kontrolle mehr haben. Geräte seien so programmiert, dass sie ihren Besitzern eigentlich nicht gehören.

Datenschutz und Meinungsmache

Persönliche Daten sind längst ein großes öffentliches Thema – sonderlich viel hat sich allerdings nicht geändert. Noch immer nähmen wir allzu oft Konto- oder Onlinezwänge in Kauf. „Ein Account ist eine Lebensentscheidung“, sagt Schlep dazu. Vieles gehe hier auf die „Konsumdressur“ der 80er Jahre zurück. Alternativen gibt es, man müsste sie nur nutzen. Zudem geht die Frage des Datenschutzes weit über Cookies und Werbung hinaus. Es gehe auch um die Demokratie, um politische Beeinflussung. Eine seiner großen Sorgen sei die Normalisierung von Beeinflussung, so Schlep. Bekannt wurde diese Beeinflussung zuletzt durch die Firma Cambridge Analytica und ihren Einfluss auf den Wahlsieg Trumps und den Brexit. Auch hierzulande bauen die Parteien bereits auf personalisierte Wahlwerbung.

Für Schlep kann Besserung nur durch Aufklärung erreicht werden. Dazu muss zunächst deutlich werden, dass Digitalisierung mehr ist als nur Ausstattung, und Kompetenz mehr als nur Bedienung.


ICH STREAME, ALSO BIN ICH - Aktiv im Thema

volksverpetzer.de | Der Blog Volksverpetzer kämpft gegen Hetze im Netz und entlarvt Falschinformationen.
uebermedien.de | Das unabhängige und werbefreie Magazin blickt kritisch auf die Medienberichterstattung.
digitalcourage.de | Der Verein setzt sich für Grundrechte und Datenschutz ein, unter anderem mit 15 Forderungen an die neue Bundesregierung.

Fragen der Zeit: Wie wollen wir leben?
Schreiben Sie uns unter meinung@choices.de

Leo Thomann

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Leander Haußmanns Stasikomödie

Lesen Sie dazu auch:

Schöne Technik, sichere Daten
Zu Besuch beim Chaos Computer Club Cologne

An einem Tisch, selbst digital
Wuppertaler Bildungsreihe Fight for Democracy trainiert Verständigung auf Augenhöhe

Schweißlos vernetzt
Demokratie und Überforderung im World Wide Web – Glosse

Du bist, was du klickst
Meinungsbildung im digitalen Raum

Links, zwo, drei, vier
Der Rezo-Effekt als wichtige Erkenntnis für progressive politische Arbeit in Sozialen Medien

Digitale Booster menschlicher Dummheit
Im Netz sind wir nur eine Filterblase voneinander entfernt

„Der Respekt vor Autoritäten ist geschwunden“
Medienwissenschaftler Jochen Hörisch über klassische und neue Medien

Lokale Initiativen

Hier erscheint die Aufforderung!