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Installation „Orange Mobily“ von João Rivera und Videobeiträge
Foto: Thomas Dahl

Woyzeck im Karneval

06. November 2023

„kah.na.v‘aw“ in der Akademie der Künste der Welt – Kunstwandel 11/23

Der Karneval zelebriert im besten Falle mit humoristischem, kritischem und solidarischem Blick das Leben aller Kreaturen. Eine rein egoistische Selbstdarstellung inklusive der Befriedigung eigener Gelüste auf Kosten anderer stand ursprünglich nicht auf der Agenda des Festes. Gewalt, Alkoholexzesse, Sexismus, Rassismus, Vermüllung und Kommerz sind jedoch zu ständigen Begleitern der sogenannten Fünften Jahreszeit geworden. „Da simmer dabei!“ lautet das Credo hunderttausender Anhänger:innen. Dass es auch andere Positionen gibt, möchte die Akademie der Künste der Welt mit ihrem aktuellen Programm „kah.na.v'aw – Spiritualität, Ökonomie und Politik“ aufzeigen. Noch bis Mitte Dezember sollen Events in der Domstadt und Rio de Janeiro auf Chancen interkultureller Begegnungen abseits des nächsten persönlichen Alkohol- oder Fremdschamrekords aufmerksam machen.

„Brasilien ist ein zutiefst rassistisches Land. Der Karneval bietet den Menschen eine Widerstandsmöglichkeit gegen diese Tradition des Hasses. Gleichzeitig ist der Karneval ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor“, sagt Adriana Schneider Alcure. Die künstlerische Leiterin des Projekts wünscht sich, dass die humanistische Perspektive auch in Europa sichtbarer wird. Die Kostümierung soll daher durch Soundinstallationen, Videobeiträge oder Gesprächsveranstaltungen zu den Bereichen Spiritualität, Politik und Ökonomie ergänzt werden. Hierfür laden die Initiator:innen zu kostenlosen Besuchen ins Studio auf der Herwarthstraße 3 in der Innenstadt ein. Dort sind unter anderem Videointerviews mit Koryphäen der brasilianischen Szene und das gemeinschaftlich-friedliche Feiern auf den Straßen Rio de Jarneiros dokumentiert. Auch speziell angefertigte Kostüme liegen zur Anprobe bereit. InKoproduktion mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum erwartet die Gäste zudem eine Neuinterpretation von Georg Büchners Tragödie „Woyzeck“: Am 25. November zeigt das Museum „Woy – Eine karnevaleske Sambópera in vier Akten“ unter der Regie von Alex Mello. „Wer ist Woy heute? Mann, Frau, fluides Geschlecht?“ lauten die Fragestellungen zur Geburt von Büchners Protagonisten in einem Karnevalsumzug. Der Eintritt ist frei.

kah.na.v'aw – Spiritualität, Ökonomie und Politik | bis 15.12. | Akademie der Künste der Welt u.w. Orte | 0221 337 74 80

Thomas Dahl

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