
The Testament of Ann Lee
Großbritannien, USA 2025, Laufzeit: 130 Min., FSK 12
Regie: Mona Fastvold
Darsteller: Amanda Seyfried, Lewis Pullman, Tim Blake Nelson
Historisches Drama mit Musical-Elementen
Religiöse Ekstase
„The Testament of Ann Lee“ von Mona Fastvold
Eine Frau als Anführerin einer religiösen Glaubensgemeinschaft? In den monotheistischen Religionen bis heute eine Seltenheit. Vorreiter in dieser Hinsicht waren die Shaker, eine christliche Freikirche in den USA, die ihre weiteste Verbreitung im 19. Jahrhundert erreichten: Die Gründerin Ann Lee (geboren 1736 in Manchester, Großbritannien) war bis zu ihrem Tod 1784 die unangefochtene Galionsfigur der Bewegung und wurde als weibliche Inkarnation von Jesus gefeiert.
In ihrem neuen Film setzt sich die Regisseurin Mona Fastvold („The World to Come“, Drehbuch für „Der Brutalist“) mit Ann Lee (Amanda Seyfried) und der Entstehung der Shaker auseinander, unterlegt mit einer weiblichen Erzählstimme. Bereits in jungen Jahren findet Ann Lee sexuelle Handlungen verwerflich – später sollte diese Abneigung zu einem Merkmal der Shaker werden: Die Anhänger:innen lebten zölibatär und erhofften sich dadurch eine schnellere Aufnahme in das göttliche Himmelreich. Ein weiteres Merkmal waren rituelle Tänze (daher auch die Namensgebung: „Shaker“ von Schütteln), die ein kollektives Gebet darstellten. Indem die Shaker tanzten, fühlten sie sich Gott und dem Göttlichen in ihnen näher.
Es sind vor allem die kraftvollen Choreografien (Celia Rowlson-Hall) zu historisch überlieferten Hymnen der Shaker, die „The Testament of Ann Lee“ sehenswert machen. Mit ihnen entfaltet der Film eine körperlich spürbare Intensität, die die religiöse Ekstase der Shaker auf der Leinwand erfahrbar macht. Darüber hinaus überzeugt Seyfrieds charismatische Darstellung der eigensinnigen religiösen Anführerin, die bis zum bitteren Ende an der von ihr ersonnenen Utopie festhält. Fastvold zeigt nicht nur Lees Wandlung zur religiösen Leitfigur, sondern auch den beschwerlichen Weg ihrer Gruppe: Nachdem sie in England unter der Vorherrschaft der Kirche Englands keine Zukunft sahen, wanderten sie 1774 zur Verbreitung ihres Glaubens in die USA aus.
Seyfrieds Spiel und die Choreografien schaffen es, über die Schwächen des Films hinwegzutäuschen. Sämtliche Nebencharaktere bleiben etwas blass – zum Beispiel wird bis zum Ende nicht klar, woher Ann Lees engste Vertraute Mary eigentlich kommt oder wie ihr Verhältnis zu Lee ist. Außerdem wirkt das Schauspiel in einigen Szenen überzeichnet, vor allem rund um die Überfahrt in die USA und die Suche nach einer geeigneten Wirkungsstätte. Nichtsdestotrotz ist „The Testament of Ann Lee“ ein sehenswertes historisches Drama über eine Religionsgemeinschaft und deren Anführerin, die in vielen Aspekten ihrer Zeit voraus waren. Angesichts der Rückständigkeit der katholischen Kirche im Bezug auf Gleichberechtigung ist es erfrischend, eine Geschichte um Religion mit einer Frau im Zentrum zu sehen.

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