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Paula

Paula
Deutschland, Frankreich 2016, Laufzeit: 123 Min., FSK 12
Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Carla Juri, Albrecht Abraham Schuch, Roxane Duran, Joel Basman, Stanley Weber
>> www.paula-film.de

Anmutiges Biopic über Paula Moderson-Becker

Das, was ich sehe
„Paula“
von Christian Schwochow

„Frauen können keine Malerinnen werden“, sagt der Vater im Jahre 1900. Doch seine Paula (Carla Juri, „Feuchtgebiete“) will und kann. Mit 24 Jahren besucht sie die Künstlerkolonie Worpswerde. Unter der Vormundschaft von Fritz Mackenen schwingt sie dort den Pinsel, allerdings schon bald gegen den Strich, distanziert sie sich in ihrem Stil doch von dem herrschenden Verständnis purer Nachbildungen, Präzision und Genauigkeit. Paula Becker malt nicht das, was man sieht. Sie malt das, was sie sieht: „Etwas erschaffen, das man selbst ist!“ Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) zeigt zwar ebenso wenig Verständnis für ihre abstrakte Technik. Doch der Witwer verliebt sich in Paula und heiratet sie. Dennoch, das Leben und Schaffen in der provinziellen Kolonie beengt sie – Paula zieht es nach Paris, wo sie sich mehr Freiheit erhofft. Und wo sie Rodin und Rilke begegnet.

„Frauen werden nie etwas Schöpferisches hervorbringen außer Kinder.“ Veraltete Machismen, die derzeit selbst in der Führungsriege großer Weltmächte wieder auflodern. Und die das Kino derzeit gleich dreifach ad absurdum führt am Beispiel von Loïe Fuller („Die Tänzerin“), „Marie Curie“ und eben Paula Modersohn-Becker. Alle drei übrigens ziehen ins Paris der Belle Époque, um sich zu entfalten – was nicht bedeutet, dass die Damen dort von den Herren der Schöpfung mit Wohlwollen empfangen werden. Loïe Fuller war Wegbereiterin des Modernen Tanzes, Paula Modersohn-Becker eine frühe Vertreterin des Expressionismus. Zwei Kinder der Avantgarde, die der Kunst neue Türen öffneten. „Paula“ erzählt ganz wunderbar vom Drang und Selbstverständnis der Malerin. Carla Juri interpretiert Paula unter der Regie von Christian Schwochow anfangs noch etwas aufdringlich ungestüm, und über so manchem Dialog thront ein Zeigefinger. Doch schon bald stellen sich feinere Nuancen ein, die die Spannbreite abbilden zwischen jugendlicher Forschheit und leidenschaftlicher Sehnsucht nach Selbstverwirklichung. Das Drama bewegt sich auch in seiner Bildsprache auf Kinoniveau und erzählt neben Paulas Freiheitsdrang ebenso anschaulich von der Emanzipation von einem festgefahrenen Kunstverständnis.

„Wenn der Mann kalt ist, wird die Frau warm.“ Bei aller Tragik, die in der viel zu kurzen Lebensspanne von Paula gipfelt, blitzt auch immer wieder spöttelnde Ironie auf. Schwochow führt uns mit viel Leichtigkeit durch manche Trübsal, spiegelt neben Kampf und Frust auch pure Lebenslust. Und man schmunzelt mit Rilke genüsslich über den „Kleingartenvorstand“ in Worpswerde. Dass sich dort nicht nur unverbesserliche Kleingeister tummelten, davon erzählt in diesem Monat auch der Dokumentarfilm „So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn“. Der war nämlich auch nicht ohne, näherte er sich doch nachhaltig hingebungsvoll der Landschaftsmalerei, und auch Worpswede stand er bald kritisch gegenüber. Im Drama verkommt er etwas zur Randfigur, aber der Film heißt ja schließlich „Paula“ und nicht „Otto“.

(Hartmut Ernst)

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