
Gloria!
Italien, Schweiz 2024, Laufzeit: 111 Min., FSK 12
Regie: Margherita Vicario
Darsteller: Galatea Bellugi, Carlotta Gamba, Veronica Lucchesi
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Detailreiches Zeitgemälde mit Musik
Ein Konzert für den Papst
„Gloria!” von Margherita Vicario
Lange Zeit war die Musikgeschichte eng verknüpft mit der Religion, denn was in den so genannten zivilisierten Ländern als musikalische Hochkultur galt, war mit der Lobpreisung des Herrn verbunden. Ein Aspekt dieser musikalischen Entwicklungen ist im Laufe der Jahre allerdings etwas in Vergessenheit geraten. Sängerin und Schauspielerin Margherita Vicario will diesen Missstand nun mit ihrem Regielangfilmdebüt „Gloria!“ aus der Welt schaffen. Sie beschäftigt sich darin mit der Tradition katholischer Institute, in denen Würdenträger Waisenkindern das Musizieren beibrachten. Vicario hat in diesem Film nicht nur die Inszenierung übernommen, sondern auch am Drehbuch mitgeschrieben und war eine der beiden Komponistinnen (zusammen mit Davide Pavanello) des Soundtracks, der hier gänzlich aus der Zeit gefallene Stücke präsentiert, die man gar nicht mit dem anbrechenden 19. Jahrhundert in Verbindung bringt, da sie viel eher wie eine wilde Mischung aus Jazz-Improvisationen und den Grundzügen italienischer Schlagermusik klingen.
Sympathieträgerin und Identifikationsfigur der Geschichte ist die stumme Dienerin Teresa (Galatéa Bellugi), die es vorzüglich versteht, in Kindern die Begeisterung für die Musik zu wecken, die sich ihr in sämtlichen Facetten des Alltags offenbart. Im musikalischen Institut Sant Ignazio bei Venedig ist Teresa hingegen eher geduldet als anerkannt. Die gebildeteren Musikerinnen blicken auf die sozial niedriger gestellte Person herab, was sich erst zu ändern beginnt, als die Mädchen im Keller des Konvents ein Pianoforte entdecken, dass Priester Perlina (Paolo Rossi) vor ihnen geheimzuhalten versuchte. Voller Elan fangen Teresa und die anderen an, auf dem „gottlosen“ Instrument ihre eigenen Kompositionen zu spielen und sich dabei gegenseitig in ihrer musikalischen Entwicklung zu befruchten. Da sich Papst Pius VII. für einen Besuch im Institut angekündigt hat, steigt die Aufregung. Denn von Perlina wird erwartet, dass er dem Ehrengast eine bahnbrechende Eigenkomposition von seinen Schülerinnen darbringen lässt. Aber dem in die Jahre gekommenen Priester fehlt jegliche Inspiration, und seine Schülerinnen hält er für ungeeignet, ein dem Papst würdiges eigenes Musikstück abliefern zu können. Margherita Vicario ist es hier sehr überzeugend gelungen, das Leben im frühen 19. Jahrhundert vor der Kamera wieder zum Leben zu erwecken. Aber „Gloria!“ weist einige dramaturgische Fallstricke auf, die sich insbesondere zu Beginn bemerkbar machen, wenn der Film zu viele Figuren und zu viele unterschiedliche Geschichten gleichzeitig einzuführen versucht. Ab dem zweiten Drittel findet der Film dann zu mehr Geschlossenheit und es dürfte den meisten Zuschauern leichter fallen, sich auf die etwas überladene Story und deren zahlreiche Seitenstränge einzulassen. Die aus der Zeit gefallene Musik der Schülerinnen mag zwar historisch nicht korrekt sein, hilft aber dabei, sich auf diese sympathische Außenseiterinnen-Geschichte einzulassen.
(Frank Brenner)

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