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Dem Horizont so nah

Dem Horizont so nah
Deutschland 2019, Laufzeit: 117 Min., FSK 12
Regie: Tim Trachte
Darsteller: Luna Wedler, Jannik Schümann, Luise Befort
>> www.studiocanal.de/kino/dem_horizont_so_nah

Romantische Tragödie

Wie tragisch romantisch ist das denn?
„Dem Horizont so nah“ von Tim Trachte

Die 18-jährige Jessica (Luna Wedler) verliebt sich auf der Kirmes in der Berg- und Talbahn (!) Hals über Kopf in den charmanten Danny (Jannik Schümann). Der Beau jobbt als Model, ist charmant und vermögend, trägt aber eine dramatische Familiengeschichte mit sich herum. Und er ist HIV-positiv. Schon bald steht die junge Liebe auf dem Prüfstand.

Die Gefahr solcher Young Adult-Dramen, in denen tödliche Krankheit und große Romanze miteinander verwoben werden, ist, dass sie ihr Thema tränenwässernd trivialisieren. Vor allem, wenn sich derlei Emotionsexzess zur einträglichen Masche entwickelt, wie es derzeit der Fall ist – die Maschine, die derlei Filme auf die Leinwand wirft, steht nicht still („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, „Ein ganzes halbes Jahr“, „Midnight Sun“). Man darf also inzwischen die berechtigte Frage stellen: Nimmt der Film das Thema ernst oder setzt er sich bloß gewinnbringend drauf?

Nun, dieses Drama ist glaubwürdig. Regisseur Tim Trachte („Benjamin Blümchen“) greift zwar auf die typischen Stilelemente zurück, mit denen Til Schweiger die romantische Komödie in Deutschland manifestiert hat. Und Jannik Schümann ist eine gute Spur zu geleckt. Doch der Film nimmt sich ernst, vertieft relevante Fragen, und Luna Wedler überzeugt als die junge Erwachsene, die sich viel zu früh im Leben derlei Schicksal ausgesetzt sieht. Was drum herum passiert ist mal überfrachtet, mal arg sprunghaft gezeichnet. Aber das Ergebnis ist ehrlich und berührt eben nicht trivial.

Das Drama beruht auf einer wahren Geschichte, Autorin Jessica Koch veröffentlichte ihren biografischen Roman als E-Book und baute ihn zur Trilogie aus. Auf diese Weise sind auch abgründige Bestseller wie „50 Shades of Grey“ entstanden – im vorliegenden Fall zeigt sich, dass so etwas auch gut gehen kann.

Dass die Verfilmung unterstellt, im Jahr 1999 hätten die Menschen hierzulande bereits „Wie geil ist das denn!“ gefloskelt oder von „stalken“ gesprochen, vermerken wir als auffälligen, aber verzeihbaren Flüchtigkeitsfehler.

(Hartmut Ernst)

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